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Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
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und deſſen Eigenſchaften. 229

wird. Um ſehr viel einzuraͤumen, ſetzet er zum Voraus, ieder der neun Fluͤſſe, welche wireben geneunet haben, bringe 10 mal ſo viel Waſſer hinein, als die Themſe . Nun ver-liert die Themſe jeden Tag 30000 Tonnen Waſſers, daher jeder von dieſen Fluͤſſen203 Millionen Tennen des Tages, und alle ncune 1827 Millionen Tonnen des Tages,welches nur ein wenig mehr als J von demjenigen iſt, was nach ſeiner Rechnung in 12Stunden, aus der mitiellaͤndiſchen Sce in Duͤnſten aufſteigt. Alſo wuͤrde die mittellaͤndiſche Sce, wenn ſie keinen andern Zufluß von Waſſer hatte, als aus den Zluͤſten,in kurzer Zeit austrocknen, wenn nicht Thau, Regen, Schnee, und endlich der atlantiſcheOccan einen beſtandigen Zufluß von Waſſer brachten, und alſo die uͤbrigen zwey Drir-theile wiedergäben. Die Schwierigkeiten, welche der ſcharfſinnige Herr Rajus e) ge-gen dieſe Berechnung des Herrn Halley vorbringt, ſind von wenig Gewichte, daberwie uns dannit jetzo nicht aufhalten wollen, da er in den Hauptſtuͤcken mit ibin uͤber-einſtimmet.

Andere beſondere Umſtaͤnde, die ſich bey der Bewegung des mittellaͤndiſchen Mee-res zeigen, wollen wir in der Folge bey der Abhandlung von der Ebbe und Fluth kuͤrz-lich betrachten. N

254. H.

Unter den laͤnglichten Meerbuſen nimmt die baltiſche See mit Recht die zweyteStelle ein, welche wan gemeiniglich, doch ohne Grund, die Oſtſee nennet. Manmuß ſie nickt, wie einige thun, mit der Alten Sinu Codano vermengen, worunter derSchager-Raf zwiſchen Juͤtland und Holland zu verſtehen iſt. Sie hat mit der Nord

ſee durch drey Engen Gemeinschaft, naͤmlich 1) durch den Sund zwiſchen der daͤniſchenInſel Seeland , und der ſchwediſchen Provinz Suͤdgothland. 2) Durch den großen Beltzwiſchen der Inſel Seeland , und der Inſel Finnen, und 3) durch den kleinen Belt zwi-ſchen Finnen und Juͤtland . Die Oſtſee hat eine ſehr unregelmaͤßige Geſtalt, und iſtſuͤdwaͤrts mit den Kuͤſten von Meklenburg, Pommern , Preuſen, Liefland u. ſ. f. um-geben, welche Kuͤſten dieſe See zum Theil oſtwaͤrts umgraͤnzen, gegen Norden batſie Lapland, und andere Provinzen des Köoͤnigreiches Schweden. Sie hat drcy kleinereMeerbuſen, die alle von anſehnlichee Große ſind; nämlich den bothniſchen, der vonLapland , Finnland , Bothnien, und andern ſchwediſchen Provinzen umgeben wird; denfinnlaͤndiſchen, der zwiſchen Finnland und Liefland enthalten iſt, und endlich den Meerbuſenvon Riga , welcher ſonſten der liefländiſche genannt wirdund ſich zwiſchen Lefland undChurland befindet. Es gehoren noch andere Meeebuſen zur Oſtſee , die wir hier nichterwaͤhnen, weil ſie kleiner ſind, und weniger zu bedeuten haben.

255. g.

Von den ſonderbaren Merkwuͤrdigkeiten der Oſtſee , was die Bewegung ihresWaſſers betrifft, will ich in der Folge handeln, bier iſt nur dieſes davon zu bemer-ken, daß ſich in dieſe See, nicht nur eine Menge kleiner und großer Fluͤſſe ergießen,ſondern auch daß die Nerdfee beſtaͤndig durch die dreh erwahnten Meerengen Washer

) Der W. A. u. E. II. B. II. Cap. hinein