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Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
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Betrachtung von den Seen und Moraͤſten. 293

341. 5.

Die Naturforſcher ſind wegen des eigentlichen Weſens der Torfgruͤnde, nicht voll-kommen eins. Einige haben es fuͤr verdorbenes und verrottetes Holz, Zweige undBlaͤtter von Baͤumen gehalten, welche entweder durch große Winde oder Waſſerfluthenniedergeworfen, oder durch eine andere Urſache in den Schlamm vergraben und verrottet ſind v). Die Erfahrung aber lehret uns, daß das Holz, ſo bald als es verrottetund durch die Verrottung auseinander getrennet iſt, nicht mehr ſo gut, als zuvor, zumBrennen kann verbrauchet werden. Man findet in dem Torfe wehl kleine und großeStuͤcke von Baͤumen, ſie ſind aber von der eigentlichen Torferde wohl zu unterſcheiden,man findet dieſelben auch nicht in allem Torflande, um jetzt nichts mehr gegen dieſeMeynung zu ſagen. Es verdienet wohl angemerket zu werden, daß die Lohgerber ausdem verbrauchten Gerberbaume, welches eine Art von Faͤulniß erlitten hat, Torf zu ma-chen wiſſen, welcher ziemlich wohl brennet; doch glaube ich nicht, daß einige Kraft dar-innen ſeyn konnte, wenn dieſes Weſen viele Jahre unter dem Waſſer gelegen haͤtte, wiedasjenige, woraus der Torf gemachet wird. Mit dem Torfe der Lohgerber, ſind auchTheile, die von den Haͤuten herkommen, vermenget. Man konnte fuͤr dieſe Meynungaus der Erzaͤhlung des Nie. Cruquius w) anfuͤhren,(wenn man ſich darauf verlaſſen duͤrfte, und wenn ſie mit den Berichten anderer uͤbereinſtimmete) daß einige Fami-lien in hoͤher gelegenen Torflanden, welche den Torf allein zu ihrem Gebrauche in derHaushaltung jaͤhrlich ausſtechen, vor Alters, auch noch jetzt die Gewohnheit haͤtten, dieWaſſergruben, aus welchen der Torf geholet worden, mit den abgefallenen Baumblaͤt-tern, und andern brennbaren Unkraute aus ihren Gaͤrten und Holzungen zu fuͤllen, durchwelches Mittel die Nachkoͤmmlinge aufs neue aus den Gruben Torf erhielten, welchevor langer Zeit ihren Voraͤltern gedienet hatten. Aber kann man ſich wohl vorſtellen,daß die Torferde, welche an einigen Orten 10 bis 12 Fuß tief iſt, auf eine ſolche Artdurch die Verſammlung von Blaͤttern und Baumwurzeln, konnte hervorgebracht werden? Ein Morgen Torfland giebt oͤfters mehr brennbares Weſen, als zwanzig Mor-gen der beſten Waldungen. Und warum ſollten dieſe Dinge eben auf ſo einem Platzemehr verſammlet worden ſeyn, als auf allen andern dabey gelegenen?

342. F.

Andere haben die Torflaͤnder fuͤrfeine juͤdenleimichte und ſchwefelichte Materie ge-halten. Aber zu geſchweigen, daß die Probierkunſt und die beſten Vergroͤßerungsglaͤ-ſer nicht das geringſte Judenleim oder Schwefel darinn entdecken; ſo will ich nur alleinden Geſchmack zu Huͤlfe nehmen. Alle Waſſer in welchem etwas Judenleim angetrof-fen wird, ſind bitter. Dieſes ſieht man an dem gemeinen Seewaſſer, vornehmlich andenen Waſſern, welche mit einer großen Menge Judenleim vermiſchet ſind, als an dem

Oo 3 Waſ-

1 Man ſehe Leibnitrii Protogaea h. 46. Gewaſſer, den Oberteichgraͤfen und den ho-

ir) In ſeiner geſchrieb. Abhandl. vom Zu- hen Rathen von Delfland, uͤbergeben, den 7.ſtande unſers Vaterlaudes, in Abſicht auf das Map 1731.