Buch 
Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
JPEG-Download
 

VII. Taf.32. Jig ·

Betrachtung von den Fluͤſſen.

388. g.

Die Geſchwindigkeit eines Fluſſes an einem gegebenen Orte abzumeſſen, hat man ver-ſchiedene Wege. Wartotte w) ſchreibt vor, auf die Oberflache des Waſſers eine Wachs-kugel zu legen, die mit einem kleinen Gewichte beſchwecet iſt, ſo daß nur ein kleiner Theilvon ihr uͤber dem Waſſer hervorraget: So kann mim vermittelſt eines Penduls oder an-dern Werkzeuges, die Zeit genau meſſen, welche die Kugel brauchet, einen gewiſſen Wegmit dem Waſſer zugleich zuruͤcke zu legen. Auf dieſe Art laßt ſich aber nur die Geſchwin-digkeit des Stromes bey der Oberflache beſtimmen, nicht aber in der Mitte und bey demGrunde, ja man wird an einerley Orte verſchiedene Geſchwindigkeiten finden, nach denen dieKugel mehr oder weniger in den Strom des Fluſſes koͤmmt. Auch iſt die Wirkung desWindes auf die Oberflache ſo ſtark, daß man dieſen Weg bey der geringſten Bewegungder Luft nicht erwaͤhlen kann. N

389. F.

Pitot x) hat ein ſehr einfaches Werkzeug erdacht, die Geſchwindigkeit an allen Oer-tern und in allen Tiefen zu meſſen. Ah iſt ein langes Holz, wie ein dreyeckichtes Priſmagebildet. In der Mitte einer der Seiten ſind Vertiefungen, zwo glaͤſerne Rohren darin-nen zu befeſtigen; eine dieſer Rohren iſt bey) rechtwinklicht herumgebogen, und ihrEnde D E wird durch ein Loch im Holze geſtecket. Die Seite C, an welcher die Röhrenbefeſtiget ſind, iſt in Fuß und Zoll eingetheilet. F GIL iſt eine Kupferplatte, in der Mittedurchbrochen, daß ſie die Roͤhren nur an beyden Enden und in der Mittebedecket. Eine der Seiten dieſer Platte iſt in Fuß und Zoll getheilet, um die Höhe desfließenden Waſſers zu finden, die Hoͤhe naͤmlich auf welche es in der gebogenen Roͤhrewegen ſeines Laufes ſteigt, und durch welche, wie wir gleich ſehen werden, die Geſchwindigkeitbeſtimmet wird; die andere Seite iſt in Fuß und Zoll eingetheilet, die Geſchwindigkeitin Abſicht auf die Hohen zu finden. Dieſe Platte läßt ſich durch Schrauben, in ver-ſchiedenen Hohen an das Holz beteſtigen. Wenn das Holz ſechs Fuß Lange hat, ſo iſt eslang genug, und die Platte FG kann fuͤglich 20 Zoll lang ſeyn. Wenn man nun der-gleichen Werkzeug verſertiget, und beyde Roͤhren die ganz gerade, und die rechtwintlichtgebogene in ſtillſtehendes Waſſer ſetzet, ſo ſteigt das Waſſer auf gleiche Hohe in beyden;ſetzet man es aber in fließend Waſſer, ſo daß die wagrechte Oeffnung des krumgeboge-nen Knies dem Strome entgegengekehret iſt, ſo wird in der geraden Rohre das Waſſermit der Oberflache des fortfließenden Stromes beynahe gleich ſtehen, in der andern aberſich nach dem Maaße ſeiner Geſchwindigkeit erheben. Um nun die Geſchwindigkeitdes Stromes auf ſeiner Oberflache zu beſtimmen. befefliget man die kupferne Platte durchSchrauben dergeſtalt, daß der Anfang der Eintheilungen auf dem Holze und auf derPlatte zuſammen fallen. Wird alsdann das offene Ende des gebogenen Armes gegenden Strom und zwar gegen den ſtärkſten Trieb des Fluſſes gehalten, ſo ſteigt das Waſſerin der Rohre auf eine gewiſſe Hohe, die man vermittelſt der Eintheilungen rechter Handbeſtimmen kann, da man die Geſchwindigkeit des Weges, den das Waſſer in einer

Secundew) Trait du mouv. des Eaux 3. Part. 4. Diſc. pag. 276. ſuiv.*) Mem. de l'Acad. 1732. p. 504. et ſuiv.