362 Betrachtung von den Veraͤnderungen welche die Erde
den, und daß Adam daſelbſt den Thieren, die der große Schöpfer zu ihm gebracht, Namengegeben hat. Von jeder Art von Thieren, von jeder Art von Pflanzen ſund nach des Lin—naͤus Gedanken nur zwey Stuͤcken, ein Maͤnngen und ein Weilbgen, geichaffen, und ſelbſtnur ein einiges Thier und eine einzige Pflanze von denenjenigen, welche bepde Geſchlechtezugleich beſitzen. Ferner ſetzet er, die ganze Oberfläche der Erde ſy im Anfange mit Waſ—-ſer bedecket geweſen, bis auf eine einige Inſel, die ſich über das Waſſer erhoben, und Men—ſchen, Thieren und Pflanzen einen bequemen Wohnplatz gegeben habe. Dieſes mußte ſoſeyn, weil ſonſt Adam keine Herrſchaft uͤber die Thiere haͤtte ausuͤhen, ihnen keine Namengeben und keinen Nutzen von ihnen erhalten koͤnnen, wenn ſie außer ſeiner Gewalt undnicht in dem Bezirke des Paradieſes geweſen waͤren. Weil nun die Inſecten auch gegen-wartig ſeyn mußten, und dieſe nicht ohne Pflanzen, Baͤume und Kraͤuter leben konnten,da jede Pflanze einer beſondern Art Inſecten Unterhalt verſchaffet, ſo mußten auch allePflanzen, Baͤume u. ſ. f. im Paradieſe und alſo auf der Inſel gefunden werden, deſto mehr,weil es Voͤgel giebt, die nur Beeren und andere Theile der Gewaͤchſe ſreſſen, da ſich ande—re nur von Inſecten naͤhren. Haͤtte ſich das Land vom Anfange ſo weit erſtrecket als jetzo,ſo waͤre es fuͤr Adam beſchwerlich und ſelbſt unmoͤglich geweſen, jede Art zu finden, weil ſieſich nach ihrer angebohrnen Neigung ſogleich auf den ganzen Erdboden wurden ausgebrei—tet haben. Ueberdieſes iſt es nicht leicht zu glauben, daß der allweiſe Gott, der in allenſeinen Werken eine ſo genaue Verhaͤltniß in acht genommen hat, die ganze Erde mit Thie.ren erfullt haͤtte, die er bald darauf, einige wenige ausgenommen, durch die Suͤndfluthumbringen wollte. Hierauf betrachtet Herr Linnaͤus die Erde ſelbſt, und glaubet Spu-ren zu finden, daß die Sache wirklich ſo vorgegangen ſey. Er glaubet, die Erfahrung leh-re es, daß das Land von Zeit zu Zeit zunimmt, die See aber verliert; dieſes beweiſter aus Wahrnehmungen, die in Bothnien, Dalland und Gothland ſind gehalten wor—den, und wir in der Folge dem Leſer mittheilen wollen, wenn ſie zu unſerer Abſicht mehrgehoͤren werden als hier. Der ſcharfſinnige Einnaͤus ſahe leichtlich, daß man ihm ein-wenden wuͤrde, jede Pflanze, jedes Thier erfordere wohl fortzukommen, ſeinen eigenen Him-melsſtrich und Boden, da ſie doch hier alle in einer kleinen Inſel beyſammen waͤren, erglaubet aber dieſer Schwierigkeit damit aus dem Wege zu gehen, daß er zum voraus btzet,das Paradies habe unter dem Aequator gelegen, und einen hohen Berg gehabt, weil einBera ſo viel mehr Kaͤlte beſitzt, als er ſich hoͤher erhebt, wie aus den Gipfeln der Bergeerhellet, die beſtaͤndig mit Schnee bedecket bleiben. So koͤnnen auf einem Berge unter demAequator die Pflanzen wachſen und die Thiere leben, die ſonſt nur in Lapland fortkommenwuͤrden, welches mit Tourneforts Erfahrung uͤbereinſtimmet, der am Fuße des BergesArarat, die in Armenien gemeinen Pflanzen ein wenig hoͤher, wie diejenigen die in Italien wachſen, antraf, als er noch hoher kam, diejenigen fand, die um Paris zu ſehen ſind, umden Gipfel die ſchwediſchen Pflanzen, zu oberſt, wo alles mit Schnee bedecket iſt, zeigeten ſichdie Pflanzen, die ihren natuͤrlichen Platz auf den ſchweizeriſchen und laplaͤndiſchen Al pen haben 7).
412. 8.
40 Taungfort Voyege an Levant, Tom. 3.