Betrachtung von der Dunſtkugel der Erde. 397
fluͤchtig gemachet, in die Luft aufſteigen, und davon man das Gold ſelbſt nicht ausneh-men darf; dean man reid das allerfeinſte Staubgold, durch die gewohnlichen Kunſt-griffe zu einem unfͤͤglbaren Pulver gemachet, mit dem gemeinen Sublimat, ziehe es mitSol. ſtolaekonige durch eine Retorte uͤoer, ſo wird man das Gold unter der Geſtalt einesroͤthlichen Ortes auuiſteigen und fluͤchtig werden ſcehen, wie Boer have bezeuget 7). Ueber-dieſes geben die Hal metalle, als Spießglas und dergleichen, eine Menge von Ausduͤnſtun-gen von ſich, ſo daß unſ're Dunſtkugel eine Sanamſung unzaͤhlicher Arten von Koͤrper,unter denen bie Luft fuͤr den Grundzeug und das vernehmſte muß angeſehen werden.
442. F.
Wir wollen uns nun zu den Eigenſchaſten unſerer ganzen Dunſtkugel wenden,von der wir etwas umſtandeicher handeln muͤſſen, weil ſie mit der Erde ſehr genau ver-bunden iſt, und von denen, welche die Naturgeſchichte der Erde abhandeln, betrachtetwerden muß. Wil die Luft ſchwer und eiaſtiſch iſt, muß die Dunſtkugel unſere Erderin ksherum umgeben, und wurde, wenn man uͤberall gleiche Wärme vorausſetzet, einekugelrunde Geſtalt heben, wenn die Erde nicht um ihre Achſe beweget wuͤrde, denn ſol-cher ggeſt ut wuͤrde jeder Theil dieſes fluͤſſigen Weſens, ſich dem Mittelpuncte in einerleyEntſernung zu naͤhern ſuchen, wie ſolches der Natur fluͤſſiger Sachen gemaͤß iſt. Dochdie Erde drehet ſich in 24 Stunden ſchnell um ihre Achſe, und dadurch wird die Geſtaltder Dunſtk ugel im Mittel erhoben, weil der Theil, welcher ſich uͤber dem Aequator befin.det, durch die ſchnellere Bewegung eine großere Kraft ſich vom Mittelpuncte zu entfernen,und alſo weniger Schwere bekoͤmmt, als diejenigen Theile, die weiter von der Linie ab-liegen, ſo daß der Dunſtkugel kleinſter Durchmeſſer durch die Pole, und der groͤßte durchden Aequator geht. Vielleicht machen auch noch andere Urſachen den letztern Durch-meſſer großer als den erſtern, weil unter dem Aequator und um denſelben die Luft mehr er-warmet, und folglich ausgedehnet wird, als um die Pole. Sollte auch der Mond nichtdieſe Kugelgeſtalt noch einigermaßen verandern, da man ſieht, daß er das Gewäſſer aufder Erde, welches viel ſchwerer iſt, zu einer merklichen Hoͤhe erhebt, und dadurch die Ebbeund Fluth verurſachet“)?
443. F.
Der Theil der Dunſtkugel, welcher ſich nahe bey der Oberflaͤche der Erde befindet,
iſt nicht in ſeinem naruclichen Zuſtande, ſondern durch die daruͤber ſtehenden Theile der
Dunſtkugel zuſammengedrucket. Die Luft iſt alſo deſto dichter, je naͤher ſie ſich bey derD dd 3
1 a. a. O 187. S.
Bey der Aufgabe von den allgemeinenUr'achen der Wi de, welche die Kön. Pr. Aca.d. W. 1740. vorgeleget, hat Hr. d' Alenbert inder Schrift wel'he den Preis erhalten hat. dieſevon Monde verurſachte Ebde und Fluth inder Loft mit ſeiner bekannten mathematiſchenEi. ſich. unterſuchet. S. Keflexions ſur la cauſe
Erde
generale des Vents, Berl. 1747. In der letztenSchrift unter denen, welche die Akademie derPreisſchrift beyzufuͤgen wertbgerchaͤtzet, einTerſuch einer B. ſtimmung der Geſetze derWinde ꝛc. hat Cyoriſile ben xlius eben dieſenGedanken vorgetra zen, aber ihn wobl nich. mitſo viel mathematiſcher Staͤrke unterſtutzen koͤn-nen.&]