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Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
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Von den Abwechſelungen der Tage und Naͤchte. 47529. F.

Im gemeinen Leben iſt man gewohnt, denjenigen Theil des naturlichen TagesTag zu nennen, in welchem ſich die Sonne uͤber dem Horizonte eines Ortes zeiget, derTheil des naturlichen Tages aber, in welchem ſich die Sonne unter dem Horizonte befindet, heißt Nacht, ſo, daß die Nacht zum Tage geſetzet, 24 Stunden ausmachet. Umnun dieſe Abwechſelungen von Tag und Nacht wohl zu begreifen, und die dabey vorfallenden Erſcheinungen aus den gelegten Gruͤnden herzuleiten, wollen wir zuerſt unterſuchen, auf was fuͤr Art die Sonne auf- und untergehe.

530. FC.

Wenn man ſich vorſtellet, der mathematiſche Horizont eines Ortes ſen eine Flache,die durch den Mittelpunct der Erde geht, und bis an den Sternhimmel ausgebreitet iſt,auch bey der taglichen und jahrlichen Bewegung mit herum gefuͤhret wird, ſo wird manleicht ſehen, daß ein Beobachter zugleich mit ſeinem Horizonte von Weſten nach Oſtendurch die tagliche Bewegung herumgeführet wird, und dadurch die Sachen, die in Oſtenanfanglich unſichtbar waren, uͤber ſeinen Horizont herauf ſteigen ſieht, wenn ſich derſelbige in der That unter dieſe Sachen niederwaͤrts ſenket, gegentheils ſcheinen andere Sachen nach Weſten zu unter den Horizont zu gehen, da er ſich in der That uͤber ſie erhebt.So ſaget man, die Sonne gehe in Oſten auf, wenn die Flaͤche des Horizontes ſo weit niedergedrucket wird, daß die Sonne dem Beobachter zum Vorſcheine koͤmmt, und ſie gehtunter, wenn der weſtliche Rand dieſer horizontalen Flache, die Sonne dem Auge desBeobachters bedecket, weil ſich dieſer Rand uͤber die Sonne erhebt. Weil wir abergewohnt ſind, den Auf- und Untergang der Sonne, als eine wirkliche Bewegung dieſesHimmelslichtes zu betrachten, und es in der Folge keinen Unterſchied geben wird, obwir die tägliche Bewegung der Erde, oder der Sonne zuſchreiben, ſo wollen wir derBequemlichkeit wegen, und um Verwirrungen zu vermeiden, uns der gewoͤhnlichen Redensart bedienen, und die Sonne betrachten, als erhuͤbe ſie ſich uͤber die Flache desHorizontes, und ſenkete ſich unter dieſelbige nieder.

531. F.

Die Erſcheinungen bey den Abwechſclungen des Tages und der Nacht beſſer zu verſtehen, muͤſſen wir den verſchiedentlichen Stand der Pole und des Aequators gegen denHorizont betrachten. Man nennet den Stand des Aequators gegen den Horizont gerade,wenn er nebſt allen ſeinen Parallelkreiſen ſenkrecht auf der Flache des Horizontes ſteht,ſo, daß ſie alle in zween gleiche Theile geſchnitten werden, und die Pole auf der Flaͤche desHorizontes liegen, deswegen diejenigen, deren Horizont einen ſolchen Stand hat, in dergeraden Sphare(Sphsera rect)) wohnen. G ſey der Horizont; E der Aequater, IT K,A8, tr, as Parallelkreiſe mit dem Aequator,(welche Kreiſe wir hier und in der Folge, derBequemlichkeit wegen, als gerade Linien verzeichnen, wie ſie dem Auge vorkommen, das in

einer Flache mit ihnen ſteht), Pund p die beyden Pole, ſo wird der Horizont den Aequator unddie

vIlI Taf.1 Fig.