Buch 
Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
JPEG-Download
 

Von der Lange. 153

richten und im Schiffe aufzuhenken, daß das Wanken des Schiffes ihnen kein Nachtheilbringen konnte; die Mitglieder der pariſer Academie haben ſelbſt einen Preiß darauf ge-ſetzet, ein Mittel hiezu zu finden c). Mir iſt aber nicht bekannt, daß die Ausuͤbung vieldabey gewonnen hat. Die Uhren, welche der Herr Lotharius Fumbach von Roͤs—feld 1714 erfunden hat, und die unlaͤngſt von deſſen Sohne Hrn. Conrad Zumbach vonKoͤs feld ſind verbeſſert und einfacher gemachet worden 4), ſcheinen bey dem erſten An—blicke einige Unbequemlichkeiten, die bey andern Uhren nothwendig ſind, zu vermeiden.Sie werden naͤmlich durch ihr eigen Gewicht beweget, und ſinken nach und nach an einemausgezahnten gerade in die Hoͤhe ſtehenden Stabe nieder. Das Pendul wird, wie beyden Sackuhren, durch eine Spiralfeder regieret, das ganze Werkzeug aber in ein Glas ge-ſchloſſen, und beſtaͤndig, vermittelſt einer Lampe und eines Thermometers, in der Waͤrmegehalten, die in dem verbrannten Erdſtriche ſtatt findet. Wiewohl die Erfahrung hier diebeſte Le yrmeiſterinn ſeyn muß, ſo befuͤrchte ich doch, die Stoͤße des Schiffes, beſonders die-jenigen, die faſt gerade aufwaͤrts und niederwaͤrts geſchehen, werden das Niederſinken derUhr und alſo den Gang derſelben bald zuruͤckhalten, bald beſchleunigen, wie vorſichtig manſie auch aufhenkt. Ueber dieſes kann man durch das Werkzeug, das ſeit vielen Jahren inEngelland iſt erfunden worden, die Zaͤhne in eine runde Scheibe faſt mathematiſch gleichgroß urid gleich weit von einander ſchneiden, aber eben dieſes in einem geraden Stabe zubewerkſtelligen, iſt etwas muͤhſamer. Endlich darf man ſich auch auf die Spiralfeder,welche die Unruhe regieren ſoll, nicht ſo ſehr verlaſſen, als auf eine Radlinie oder eine Fe-der, an welcher das Pendul in Huygens Uhren befeſtiget wird, wie ſolches die taͤglicheErſahrung bey den Sackuhren zeiget; die Urſache hievon beruhet vornehmlich darauf, daßdie Feder nicht vollkommen und in allen Theilen gleich ſtark federhart iſt.

635. H.

Der Herr de la Croix e) wollte unlaͤngſt die Lange durch die Abweichung und Nei-gung der Magnetnadel entdecken. Er ſetzet in dicſer Abſicht zum voraus, faſt wie Hal-ley /), daß es in unſerer Erde zweene magnetiſche Puncte oder Pole giebt, die gerade ge-gen einander uͤber ſtehen, und von den Erdpolen merklich entſernet ſind. Die Erdpole nunbleiben unverandert, aber die magnetiſchen behalten ihren Ort nicht, ſo daß die magneti—ſchen Mittanskreiſe, welche durch die magnetiſchen Pole gezogen werden, auch iore Lagebestandig verandern, und ſo'chergeſtalt die eigentlichen Mittags kreiſe, welche durch die Erd —rele gehen, in veraͤnderlichen Winkeln ſchneiden. Waren dieſe Winkel unveraͤnderlich,ſo ließe ſich aus der Abweichung und Neigung der Nadel die Lange des Ortes, wo die

Wahr-

c) Recueil des Pièces, qui ont remporteè les e) Hiſt. de lAcad. Royal. 1742. pag. 179.Prix, p 71120.& ſuiv.

4 Siebe die Ra hricht von dieſen Übren in) Niſcell. Cur. N. 3. 4. oder Phil. Tranſ.Herrn Fumbachs unlänzſt beraus gegebener N. 148. und 183. und Lom horpt Abridg. Vol. 2.Abhandlung: Lers methodus inveniendi lon— p. 610- 620.

Bitalines mori as.

ö weyter Theil. U