Band 
Dritter Band. VI. Geodaesie. VII. Physik. VIII. Verschiedenes.
Seite
VII
JPEG-Download
 

Vorwort.

VII

nur in den wenigsten Fällen Arbeiten von Bessel selbst, sondern meist Auszüge Anderer; und selbst unterdiesen wenigen findet sich nur eine Einzige (der Aufsatz 148 über Irrlichter), die in der vorliegenden Sammlungaufgenommen ist. Ein zweites, selbstverständlich nur kurzes Verzeichniss enthält die Schriften, Aufsätze undBemerkungen Anderer über Bessel (25 Nummern); politische Zeitungen blieben auch hier unberücksichtigt.

Dem Bande steht ein zweites Bild Bessels voran, nach dem Jensenschen Oelgemälde, welches derBesitzer, Herr Prof. Erman, freundlichst zur Verfügung stellte, photo-lithographisch hergestellt*). Manchemmag es überflüssig erscheinen; das zum 1. Band gehörige Wolf-Mandel'sche Porträt soll indessen, obschon esBessel in nicht viel jüngerer Zeit darstellt (es ist 1834 [1838?] gemalt), nach dem Urtheil Nächststehenderdoch in mancher Hinsicht so wenig genügen, dass jede Gelegenheit, ein besseres zu erlangen, nur mit Freudenergriffen werden konnte. Auch in rein äusserlicher Hinsicht, im Abbilde selbst, den grossen Astronomen richtigerund vollständiger zur Anschauung zu bringen, entsprach nur der Absicht des ganzen Werks. Aus gleichemGrunde steht das (Lichtdruck-)Facsimile eines Briefes an Encke, dessen Auswahl unter der grossen Zahl vorhandenerHerr Prof. Bruhns gern gestattete, am Schlüsse des Ganzen.

Mit einem Worte möge der Inhalt vorliegender Sammlung noch einmal zusammengefasst und das inihr Fehlende erwähnt werden. Es enthält der I. Band nach dem Lebensabriss 23 Abhandlungen über die Be-wegungen der Körper im Sonnensysteme, und 28 Ablih. aus der sphärischen Astronomie; der II. Band 26 Abhh.über die Theorie der Instrumente, 31 Abhh. aus der Stellarastronomie und 20 Abhh. über verschiedene mathe-matische Aufgaben und Probleme; der III. Band endlich 11 Abhh. zur Geodäsie, 17 Abhh. zur Physik und36 zu verschiedenen Theilen der Astronomie gehörige Abhandlungen und Aufsätze; im Ganzen in 185 Nummern192 Stücke. Von theoretischen Arbeiten dürfte nur das Folgende fehlen: Beiträge zur Theorie der Finsternisseund Berechnungsmethoden derselben (Astron. Nachr. 7), Ueber die Grundgleichung der Theorie der Finsternisse(Astron. Nachr. 14 ), die Untersuchungen über das Heliometer (Königsb. Beobb. 15. und 17. Abth.), sowie dieTheile in der Abhandlung über den Einfluss der Strahlenbrechung auf Mikrometerbeobachtungen (167), die sichauf andere Messapparate als das Heliometer beziehen. Von diesen finden sich die 3 erstgenannten Abhandlungen,zum Theil vollständiger bearbeitet, in der Analyse der Finsternisse (Abh. 169) und in den beiden Arbeiten überdie Theorie des Heliometers und das Königsberger Heliometer im Besondern (Abhh. 70 und 71); der Einflussder Refraction auf Kreis-, Faden-, Netzmikrometer ist, zwar einfacher und weniger ausführlich, aber für practischeZwecke durchaus hinreichend, in der älteren Abhandlung (31) entwickelt; der Herausgeber glaubte sich daherberechtigt, die genannten Aufsätze von seiner Sammlung auszuschliessen; die angeführten Theile des letzterenum so eher, als die Astron. Untersuchungen noch weit verbreitet und becpiem zugänglich sind. Ueberdieshätte der vorliegende letzte Band die schon erheblich erweiterten Grenzen, in wie es schien unstatthafter Weise,überstiegen.

Dass die zahlreichen und werthvollen Recensionen Bessels über die Arbeiten Anderer hier keineBerücksichtigung finden konnten, bedauert der Herausgeber aus mehr als einem Grunde; indessen wird derWunsch sie durch Neudruck allgemeiner Kenntniss und Benutzung wieder zu gewinnen, vielleicht noch später-hin die Möglichkeit dazu herbeiführen. Der gleiche Wunsch darf an dieser Stelle auch hinsichtlich der nochungedruckten Sachen Bessels ausgesprochen werden. Mag auFh von fertigen, in sich abgeschlossenen Ar-beiten nichts mehr existiren die Bemühungen darüber zur Gewissheit zu gelangen, haben zu keinem völligsichern Ergebniss geführt so würden selbst kürzere Bemerkungen und gelegentliche Aufzeichnungen, besondersaber Briefe, wahrscheinlich noch viel Werthvolles für die Beurtheilung Bessels , wie für die Geschichte derAstronomie in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts Lehrreiches an das Licht bringen; diese Ueberzeugunghat sich wenigstens dem Herausgeber bei Durchsicht der reichhaltigen Briefe an Encke aufgedrängt.

Leipzig , 27. September 1876.

Der Herausgeber.

*) Nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Prof. Ermax, malte Jessen 1839 Bessel während dessen Aufenthalt inAltona für die neue Pulkowaer Sternwarte, fertigte gleichzeitig aber eine genaue Copie an, welche nach Bessels Tode in den Besitzder Familie kam. Nach diesem dem Original wohl gleichwerthigen Bilde wurde von Herrn C. Kardaetz in Berlin die vortrefflichgelungene Photographie hergestellt, welche dem Lichtdruck (durch Orerxetter in München ) als Vorlage diente.