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Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen und der Erscheinungen, welche deren Niederfallen zu begleiten pflegen.
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Die Vertiefungen und Erhabenheiten, welche an der entgegen gesetzten ebenen Flache gegen den Rand zu liegen,zumahl an der linken Seite (die Masse von dieser Flache betrachtet) der obern Hälfte, gleichen ziemlich jenen der vori-gen Flache, nur sind erstere seichter, minder ausgeschweift in ihrem Umrisse, und haben wenigere und breitere Ein-drücke, oder gleichen vielmehr selbst bloß aneinander stoßenden größeren Eindrücken, und die zwischen ihnen liegendenErhabenheiten sind auch nur wenig erhaben und rippenartig, und verflachen sich mehr nach Art jener, welche einzelneseichte Eindrücke zu begränzen pflegen. Die drey großen ausgezeichneten Vertiefungen aber, welche in und gegen dieMitte, zumahl der untern Hälfte, dieser Fläche liegen, unterscheiden sich sehr von allen übrigen, und zwar nicht nurdurch ihre Größe, indem dir größte über 4 Zoll im Durchmesser mißt, und durch ihre geringe Tiefe, indem eben dieseVertiefung an der tiefsten Stelle kaum 6 Linien unter die horizontale Ebene der Fläche reicht, sondern vorzüglich da-durch, daß sie keinen runden, sondern einen unregelmäßigen, obgleich wenig ausgeschweiften Umriß, und sehr seichte,kaum merkliche, aber große und breit verlaufende, gleichsam in einander fließende Eindrücke haben, und daß sie, ein-zelne Stellen ausgenommen, wo sie an tiefere Randeindrücke gränzen, von keinen rippenartigcn Erhabenheiten begränztsind, sondern scbies aufsteigend, allmählich in die ziemlich horizontalen Ebenen, die zwischen und an ihnen liegen, unddie an den meisten Stellen selbst etwas weniges ausgehöhlt sind, übergehen (i).

ja selbst im qualitativen und quantitativen Verhältnisse der Gemeng- und Bestandtheile zwischen manchen Meteor-SteinenSratt, als zwischen jenen Massen. Ein in der mineralogischen Diagnostik geübtes Auge dürfre zwischen einem etwas grobkörni-gen, eisenschüssigen Sandsteine, und einem etwas dichten, porphyrartigen Bimssteine wohl kaum mehr Verschiedenheit auffin-den können, als z. B. zwischen den Meteor-Steinen von Eichstädt und von Stannern. Und doch läßt sich zwischen diesen letz-ter» durch eine Reihe von Zwischengliedern, welche die allmähliche Abänderung des Aggregats-- und Cohäsions-Zustandes,und die graduelle Zustandsveränderung mancher einzelnen Gemengtheile und deren allmähliches Hervortreten verftnnlichen, einaugenscheinlicher Uebergang nachweisen, welches zum Theil bey Erklärung der siebenten Tafel geschehen wird, und bey einerkünftigen Veranlassung umständlicher geschehen soll.

Keine Verwandtschaft von Gattungen terrestrischer Fossilien versinnlicht wohl den Begriff einer Sippschaft (wie ich mich sehrbald überzeugte, und daher dieses Ausdruckes schon bey Gelegenheit meiner Beschreibung der mährischen Aerolithen in G i l-bert's Annalen 1808 bediente, als ich zuerst aus die viel zu wenig beachtete Verschiedenheir der Meteor-Steine überhaupt,und auf die doch zwischen ihnen bestehende Verwandtschaft vorläufig aufmerksam machte), selbst ganz rein oryktognostisch ge-nommen , deutlicher, und bey weitem keine zeigt so ausgedehnte Gränzen und so heterogen scheinende Ertreme bey so allmähli-chen Uebergängen, als die der Meteor-Massen, und bey keiner Verwandtschaftsstufe terrestrischer Fossilien ist die Construirungeiner so genannten Suite, in W erner's Sinne, zu ihrer vollständigen Erkenntniß nothwendiger und an sich interessanterund lehrreicher.

Die Betrachtung der Meteor-Massen von dieser Seite, nähmlich von Seite ihrer so wesentlichen Verschiedenheit von ein-ander, welche bisher, wie nun auch Chladni bemerkt, so wenig berücksichtigt wurde, obgleich noch weit auffallendere Bey-spiele, als das oben angeführte (z. B. die unter sich sowohl als von allen übrigen noch weit mehr als jene, und in vielfachenBeziehungen abweichenden Meteor-Steine von Alais, Chantonnay, Erxleben, Langres ), Aufmerksamkeit hätten .erregen sol-len , und nach dieser ihrer Versippuug unter einander: möchte wohl, wo nicht über den Ort, doch über die Art ihrer, ur-sprünglichen Entstehung und Bildung, und über manche, noch lange nicht befriedigend erklärte Erscheinungen bey ihrem Nie-derfalle , einiges Licht geben, und vielleicht selbst manche unserer geognostischen und oryktognostischen Ansichten berichtigen,si) Die auffallende Verschiedenheit dieser Fläche von der entgegengesetzten, welche offenbar zeigt, daß auch solche Massen wäh-rend ihres -Niederfallens noch eine wesentliche sey es auch nur eine oberflächliche Veränderung erleiden, wovon bey denMeteor - Steinen, wenn sie auch noch so kleine Bruchstücke der zerplatzten Feuerkugel sind, die um und um sie umgebendeRinde den Beweis liefert, wäre hier schlechterdings nicht zu erklären, zumahl sie nur einen Theil, wenn gleich den größern,derselben betrifft, wenn man nicht annähme, was auch höchst wahrscheinlich ist, daß diese Fläche, oder vielmehr bloß jenerTheil derselben, erst später gebildet worden, und zwar durch Lostrennung jenes zweyten zugleich Herabgefallenen kleineren Stü-ckes, während dem Niederfallen, entstanden sey. Da jedoch dieses Stück nur ib Pfund, demnach kaum den vierten Theildieser vorhandenen Masse, gewogen haben soll, jener Theil dieser Fläche derselben aber, welchen sie nach obigem bedeckt habenmüßte, eine Ausdehnung von io bis 12 Zoll an Länge und 4 bis 7 Zoll an Breite hat; so müßte jenes Stück sehr flach, undkaum einen Zoll dick gewesen seyn. Es heißt nun zwar in der Urkunde, dasselbe sey viel kleiner als die eingesendete Haupt-masse gewesen, doch wird auch darin erwähnt, daß dasselbe eine bey 2 Ellen weite, also eine selbst noch größere Spalte alsjene, m die Erde gemacht habe, folglich wenigstens nach einer Richtung eine beträchtliche Ausdehnung gehabt haben müsse;auch erhellet aus der Urkunde, daß dasselbe zerstückelt worden sey, indem die Untersuchungs - Commission nur einen Theil da-von erhielt: das Stück muß demnach wirklich sehr dünn gewesen seyn, sonst wäre eine Zerstückelung oder auch nur Theilungdesselben, bey der bekannten außerordentlichen Zähigkeit solcher Massen, nicht leicht möglich gewesen. Daß aber außer diesemStücke noch mehrere sich losgetrennt haben und unbeobachtet niedergefallen seyn sollten, ist wohl nicht wahrscheinlich, dassviele Augenzeugen auf dem Platze waren, die Feuerkugel im Zerplatzen, und die beyden Stücke, in welche sie sich theilte, imNiederfallen gesehen , und das eine Stück selbst auf 2000 Schritt Entfernung (und eine noch größere Entfernung vom Punctsdes Niederfalls der Hauptmasse, folglich eine noch mehr parabolische Richtung im Falle eines Stückes ist, bey der geringenHöhe, auf der die Feuerkugel, wenigstens im Momente des Zerplatzens, gestanden zu haben scheint, und bey der allenfalls