84
Auf der achten Tafel befindet sich endlich noch eine getreue Darstellung der abgeschliffenen Flache an dem bereits
Das Gefüge wäre demnach die Folge einer mehr oder weniger vollkommenen Ausscheidung der früher gleichförmig im Gan-zen vermischt und gebunden gewesenen Bestandtheile des Meteor-Eisens, des Nickels und Kohlenstoffes , einer neuen chemi-schen Verbindung derselben mit einem Theile des Gediegeneisens und einer mehr oder weniger vollkommen und regelmäßigenAbsonderung und Gruppirung der solcher Gestalt verschiedenartigen, neu gebildeten Gemengtheile von dem reinen Eisen.
Was die beyden andern metallischen Substanzen betrifft, die keine integrirenden Theile jenes Gefüges ausmachen, unddie ihre Heterogeneirät schon durch die Art ihrer Einmengung in die übrige Masse, und durch ihr Aeußeres zu erkennen geben;so spricht sich die eine, bröcklig-körnige, durch alle oryktognostischen und physischen Merkmahle deutlich genug als Schwefelei-sen , und zwar als Magnetkies aus, und es ist unbegreiflich, wie bey dessen großer Menge — indem die Massen ganz damitdurchsäet sind — der eine Bestandtheil desselben, nähmlich der Schwefel, bey den bisherigen Analysen solcher Massen (bisneuerlichst der sibirischen durch Lau gier) so ganz aller Wahrnehmung entgangen seyn konnte.
Die andere, derbere, dichtere, in rundlichen Massen bisweilen eingemengt vorkommende Substanz hat wohl'viele Aehn-lichkeit mit jener, scheint aber doch wesentlich von ihr verschieden und vielleicht eine unvollkommene Ausscheidung oder ein Rück-stand des ursprünglichen Total-Gemisches aller Bestandtheile der metallischen Meteor-Masse, also gekohltes und geschwefeltes,und vielleicht auch noch mit Nickel verbundenes Gediegeneisen, und demnach, hier gleichsam als Gemengtheil, in demselbenZustande zu seyn, in welchem die Masse des Cap'schen Eisens noch im Ganzen sich befindet.
Auch diese Note war bereits niedergeschrieben und zum Drucke bereitet — der nicht länger mehr aufgeschoben werden konnte—•als ich durch Herrn Apotheker M o s e r die Resultate einer, wie mir däucht, sehr entscheidenden chemischen Untersuchung,welche derselbe auf mein Ansuchen und nach meinen Wünschen in dieser Zwischenzeit vorzunehmen die Güte hatte, mitgetheilterhielt. Nach einer vorläufigen Analyse eines Stückes von der Elbogner Eisen-Masse im Ganzen, wobey sich — nach W ol-la st o n's Verfahren vorgegangen — in hundert Theilen ein Gehalt an Nickel von 7, 29 ergab, wurden drey Plättchen,welche aus einem ähnlichen, aber größeren Stücke dieser Masse geschnitten worden waren — jedes beyläufig von einem Zollim Gevierte, und etwa ^ Linie dick, am Gewichte zusammen 244 Gran betragend — so lange in Salptersäure gebeitzt,bis die am leichtesten auflösliche Substanz, nähmlich die der Streifen, ganz ausgeätzt und aufgelöset war. Es wurde nundas rückständige Gerippe oder Netz von Lamellen (den Einfassungsleisten) und den zuin Theil ausgefüllten Zwischenräumen(der Substanz der Figuren oder Zwischenfelder) sowohl als die Flüssigkeit, welche das Ausgeätzte aufgelöst enthielt, beyde ein-zeln für sich, nach gleichem Verfahren untersucht, und es ergab sich bey ersterem ein Gehalt an Nickel von 9, 83 , in letzterernur von 4 ,*8 in hundert Theilen. Das arithmetische Mittel von diesen beyden Zahlen gibt nun beynahe ganz genau obigeSumme des Gehaltes der Masse im Ganzen. Es ist demnach wohl nicht zu zweifeln, daß wo nicht aller, doch der bey weitemgrößere Theil des Nickels in dem unauflöslicheren Theile der Masse, und zwar höchst wahrscheinlich in den Lamellen oder Ein-faffungsleisten enthalten sey; denn da bey diesem Versuche die Belyr tu G-gÄyr und so lange fortgesetzt wurde, bisselbst ein großer, ja der größte Theil der Figuren oder Zwischenfelder ganz durchgeätzt, und auch deren Substanz aufgelöstworden war, so konnte wohl nur wenig von jenem Nickelgehalte des Gerippes von dieser letztem herrühren, im Gegentheil istes weit wahrscheinlicher, daß der in der Flüssigkeit aufgefundene Nickelgehalt von derselben, oder vielmehr von der Substanzder Einfaffungs - zumahl der Schraffirungsleisten herzuleiten sey, deren gleichzeitige Auflösung, wenn gleich in einem geringernGrade, schlechterdings immer unvermeidlich ist, bey diesem Versuche aber, der langen Dauer des Prozesses wegen, bedeutendgewesen seyn muß. Alle im Obigen geäußerten Vermuthungen, hinsichtlich des Nickels und seines Antheiles an der Bildungund Erscheinung des Gefüges, fänden sich somit bewährt, so wie wohl auch jene von der Substanz der Streifen, da sich au-ßer Eisen und Nickel kein anderweitiger Stoff in der Auflösung ausmitteln ließ. Von Kohle oder Graphit wollte sich dagegenbey diesen Haupt- so wie bey mehreren, zum Theil absichtlich darauf vorgenommenen Nebenverschchen durchaus keine Spur finden,und da sich auch von keinem anderweitigen Stoffe, mit Ausnahme des Schwefels, weder von Silicium noch selbst von Chrom(auch nicht von Kobalt), worauf Bedacht genommen wurde, eine Anzeige ergab; so bleibt die Natur der Substanz, welche die Fi-guren oder Zwischenfelder des Gefüges bildet, zur Zeit noch zweifelhaft. Auf dem Boden dos Gefäßes, in welchem die Beitze vor-genommen wurde, fanden sich — nebst mehreren theils einzelnen, theils zu zwey und drey zusammenhangenden Lamellen, wel-che von den Aetzungsplattchen wegen Mangel an Verbindung abgefallen waren und die mit zur Untersuchung des Gerippes ver-wendet wurden — mehrere unförmliche Stücke und Körner (wovon doch eines eine vollkommene Würfelform zeigte), zusam-men von 4,40 Gran am Gewichte, von jener bröcklig-körnigen Substanz, die wir bereits für Schwefeleisen erkannten, alswelches sie sich auch durch die Analyse bewährte, und zwar in einem Verhältnisse des Schwefels zum metallischen Eisen wiev, 3 o : 4 / 1 o j ein Verhältniß das demnach weit unter jenem steht, welches für das terrestrische Schwefeleisen im minimumals constant angenommen wird. Auch jene dichte, härtere Substanz, welche in Gestalt rundlicher Massen eingemengt vor-kommt , und nahmentlich jene oben erwähnte aus dem Lenartoer Eisen, erwies sich als reines Schwefeleisen, in welchem je-doch offenbar das Verhältniß des Schwefels zum Eisen — das wegen der allzu geringen Menge, die davon zu Gebothe stand,nicht genau ausgemittelt werden konnte —> ein ganz anderes ist. Es geht hieraus die Richtigkeit der schon früher gemachtenBemerkung hervor, daß das Schwefeleisen in den Meteor-Massen von ganz eigener und von sehr mannigfaltiger Art sey, unddaß man bey dessen Beurtheilung nicht von dem für das terrestrische Schwefeleisen festgesetzten Princip ausgehen, und vollendsbey Bestimmung des quantitativen Verhältnisses desselben nicht stöchiometrisch vorgehen dürfe.
Noch muß ich bey dieser Gelegenheit des Resultates eines Versuches erwähnen, welches einerseits die zu vermuthen ge-wesene Zerstörbarkeit dieses Schwefeleisens durch Hitze, andererseits die nicht minder a priori wahrscheinlich gewesene, höchstschwere Schmelzbarkeit des Meteor- Eisens bestätiget, und somit meine hin und wieder geäußerten Zweifel gegen die herr-schende Meinung, als wären die Meteor-Massen mehr oder weniger das Produkt eines Schmelz-Prozesses, und als kämendie Metall-Massen wohl gar im geschmolzenen Zustande selbst zu Erde, zu bekräftigen scheint. Es wurde nähmlich ein drey