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Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen und der Erscheinungen, welche deren Niederfallen zu begleiten pflegen.
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den nachträglich erhaltenen Notizen, keine Ursache davon abzugehen. Durch dieses Verzeichniß, das beynahe ein Jahrspäter zu Stande gebracht wurde nachdem zu zwey verschiedenen und den günstigsten Perioden (zur Schnitt - undHerbstbestellungözeit der Gründe) das sorgfältigste Aufsuchen der etwa verborgen liegenden Steine in der ganzen Gegendveranlaßt und alle Individuen, welche seit dem Momente des Ereignisses Steine aufgefunden hatten, oder auch nur umdie Auffindung von welchen wußten, zu wiederhohlten Mahlen amtlich vernommen worden waren erhielt ich vollendsin jeder Beziehung die vollkommenste Bestätigung, und finde auch jetzt, nach einer Zwischenzeit von 12 Jahren, wäh^rend welcher ich nicht versäumte, mitte! - und unmittelbar meine Nachforschungen über die Besitzverbrcitung der Steinevon diesem Ereignisse fortzusetzen, keinen Grund, jene Annahme auch nur im geringsten abzuändern (1).

Wenn man nun bedenkt, daß jene 100 Steine einen Flächenraum von mehr denn zwölf oder wenn man strengseyn und die steinfreyen Räume zwischen den Gruppen in Abrechnung bringen will doch wenigstens von acht Mil-lionen Quadrat-Klafter trafen, und daß, selbst da wo sie am dichtesten fielen, die einzelnen doch 100 bis'ZOO Klafter voneinander zu liegen kamen (2); so wird man es wohl nicht gar so sonderbar finden, daß bey solchen Ereignissen, wenn sichdieselben selbst bey Tage und in bewohnten Gegenden zutragen, so selten Menschen oder Vieh von den Steinen getroffenwerden, so wie man wohl auch in dieser Hinsicht den Ausdruck Steinregen für nicht ganz passend erachten möchte,

sprengten Pulver-Magazines angesehene) Steine und die Vergütung für die dabey bezeigte Willfährigkeit und Bemühunghöchst sonderlich fand bey jener Abschätzung Berücksichtigung heischten, waren: die physische und agronomische Beschaffenheitdes Flächenraumes der zum Theil mit Gehölze uud Waldungen bedeckt, größten Theils aber bebauet und in dieser Jahrs-zeit von der bereits herangewachsenen Saat bedeckt, das Auffinden der Steine schwierig machte ferner der Umstand, daßgerade während des Verlaufes der Begebenheit das gesammte Landvolk aus den umliegenden und gerade aus den, den befalle-nen Flächenraum begränzenden Ortschoft-n aus d-n, iVang» z,- Pfarrkirche nach St an n er n begriffen, größten Theils schonin dieser Gegend versammelt, und von ersterern, zumahl den entlegeneren in N- und S. schon ziemlich entfernt und mit deinRücken dahin gekehrt war so daß folglich in jenem beschränkteren Bezirke die meisten der gefallenen Steine im Nieder- oderAuffallen (in so ferne dieß an sich wie wirklich mehrentheils der Fall war) beobachtet und daher gleich aufgehoben oderauch später noch bald aufgefunden, in ersteren Gegenden dagegen nur wenige, von den zurück gebliebenen und zufällig geradeim Freyen sich befindenden Bewohnern, illi Falle bemerkt und daher mehrentheils nach der Hand nur zufällig oder durch absicht-liches Aufsuchen, gefunden werden konnten. (Dieß bewährte sich auch in der Folge durch die später aufgefundenen und eingelie-ferten Steine, die alle aus diesen Gegenden herstammten, so wie durch manche andere, die mir in dieser Zwischenzeit Mittel-oder unmittelbar zu Gesicht und Kenntniß kamen, welche in Folge der allmählichen Aufklärung »nd des gerechten Eigen-nutzes späterer Finder auf Nebenwegen in fremden Besitz gerathen waren; und ohne Zweifel kommen, wo nicht alle, dochdie meisten Steine jenes Drittels der wahrscheinlichen Total-Zahl, die, wenigstens den Findern und den Fallsstellen nach,nicht mit Verläßlichkeit ausgemittelt werden konnten, dahin zu versetzen.) Ein dritter zu berücksichtigender Umstand war end-lich jener, daß eben während und unmittelbar nach der Begebenheit die durch das Wunderbare und Lärmende die ganzeGegend auf ziemlich weite Entfernung, wenigstens für den ersten Tag, in Angst und Staunen versetzte mehrere Reisendeauf der Poststraße ab und zu, und mehrere Fuhrleute des Weges von Willenz her, durch diese Gegend kamen, welche theilsselbst aufgefundene, theils mitgetheilt erhaltene Steine, die ihnen denn doch mehr oder weniger sonderbar (und vielleicht nichtganz so wie angebrannte Mauerstücke) vorgekommen seyn mochten, der Merkwürdigkeit wegen und als Beleg der von ihnenganz oder zum Theil beobachteten Erscheinung, mit sich fortnahmen. Einem dieser Reisenden dessen Aufmerksamkeit glück-licherweise lehafter und von einer richtigern Anficht aus angeregt wurde , obgleich.derselbe weder Augen- noch Ohrenzeuge desPhänomenes, sondern nur Zeuge des ersten Eindruckes war, den dasselbe einige Stunden früher unter den Bewohnern einerso beträchtlichen Strecke allgemein verbreitet hatte, und ein Bruchstück eines der gefallenen Steine mitgetheilt erhielt hatteman auch die erste, verläßliche und hinlänglich frühzeitige Nachricht von diesem Ereignisse zu verdanken, ohne welche die No-tiz davon wie von so vielen ähnlichen höchst wahrscheinlich auf jene Gegend und den schnell verlöschenden Eindruck be-schränkt , für die Geschichte und für die Wissenschaft unbenutzt geblieben wäre.

(,) Unter mehr denn 40 ähnlichen Ereignissen, die sich in der neuesten Zeit, den letzten 3 o Jahren, zutrugen und wovon wir nä-here und verläßliche Nachrichten haben, war dieses sowohl der Masse im Ganzen als der Zahl der gefallenen Steine nach eines der bedeutendsten und ergiebigsten; nur jenes, das 1740 in der Gegend von Barbvtan, und vollends jenes, welche-i 8 o 3 bey L'Aigle in Frankreich sich ergab, haben dasselbe in beyden Rücksichten übertreffen, und jene die sich, i7y4zuSienaim Toskanischen , »807 zu Westen in Nord-Amerika , 1812 zu Toulouse in Frankreich , i 8 i 3 zu Limerik in Irland «nd 1814zu Agen in Frankreich zutrugen, möchten demselben gleich gestellt werden dürfen.

(s) Diese weitschichtige Zerstreuung der Steine über den befallenen Flächenraum bey Ereignissen der Art, wo deren mehrere undwo sie selbst in großer Menge fielen, wie z. B. bey jenen von L'Aigle , wo zwischen 2 - und 3 ooo über einen Flächenraumvon 2* franz. Meilen in der Länge und von einer in der Breite vertheilt waren ; scheint einerseits auf eine beträchtlicheHöhe,in welcher die Explosionen vor sich gehen, hinzudeuten, andererseits aber wohl auch die im Obigen vorausgesetzte, höchst man-nigfaltig und vielseitig wirkende Wurfkraft zu bestätigen.