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ungeachtet nur klein, da selbst die äußersten Werthe dersel-ben nur 6° 30' verschieden sind. Da von der Schiefe derEkliptik die Abwechslung unserer Jahrszeiten abhängen, sogab es wohl Zeiten, ulld sie werden wieder kommen, wodie Sommer und die Winter der gemäßigten 'Zonen stren-ger waren, wo die Tage im Sommer, die Nächte im Winterlänger waren, als jetzt. Aber der Unterschied wird wegen je-nen periodischen Abwechslungen der Schiefe der Ekliptik im-mer nur gering seyn, und nach einer großen Reihe von Jahr-tausenden werden die Jahreszeiten im Allgemeinen sich ebenso regelmäßig folgen, als wir dieses jetzt bemerken.
Durch die oben erwähnte Veränderung der planetari -schen Präcession, wird also auch die eigentliche beobachtetePräcession, von welcher jene ein Theil ist, veränderlich ge-macht werden, und diese Aenderung der beobachteten Prä-cession führt dann auch Aenderungen in der Länge des Jahresmit sich, die wir hier noch etwas näher betrachten wollen.
Das wahre Jahr der Erde, oder die siderifche Revo-lution derselben ist den Beobachtungen und der Theorie zuFolge völlig constant und unveränderlich; das tropische Jahraber, dessen wir uns zu unseren bürgerlichen Geschäften undselbst in unseren astronomischen Rechnungen bedienen, ist (nachI. S. 21) kürzer als das siderische, und zwar um die Zeit,welche die Erde braucht, um mit ihrer mittleren Bewegungden Bogen zurückzulegen, welcher der Präcession in einemJahr gleich ist. Da aber dieser Bogen, oder die Größe ch,nach dem Vorhergehenden, veränderlich ist, so ist auch dieLänge des tropischen Jahres veränderlich. Um die Längedes mittlern Jahres zu finden, muß man von seiner wah-ren oder beobachteten Länge den Theil der Präcefsion sub-trahiren, der bloß von der Wirkung der Planeten kömmt.Dieser Theil beträgt jetzt 0"164, und da die Sonne in einemTage oder in 86400 Secunden mit ihrer mittleren Bewe-