Buch 
Der Hansabund / von Gustav Gallois
Entstehung
Seite
283
JPEG-Download
 

2. Kap.)

Verhältnisse in Norwegen.

283

knüpfen, wie denn überhaupt die Vorsteher des Comtoirö sich ebensoüber die Städte, wie diese über jene beschwerte»; allein im Wesent-lichen blieb das alte Mvnopolsyftem aufrecht, bis in der Mitte des 16.Jahrhunderts die Niederlage durch die königlichen Beamten zu Grundegerichtet ward. Christoph Walkendorf, Lehnsherr und Amtmann zuBergen von 1556 — 60, wies vor allen Dingen die kräftigste Stützedes Comtoirs, die deutschen Handwerker, in ihre Schranken. Ihreeigenmächtig angelegte Brücke und Waage mußten sie dem Gemeinver-kehr preisgeben, von ihren Brauereien und Schenken die üblichen Ab-gaben zahlen, jeder Eigcnmacht sich enthalten; die mittelst falscher Do-cnmente nsnrpirte Halvardskirche ward ihnen genommen (1560) undsie mußten sich den Landesgesetzen unterwerfen oder auswandern. DieHäustp in welchen die liederlichen Dirnen der Kaufleute wohnten, wurdeneingerissen, oder unter Aufsicht gestellt; jedem Versuch des Ausstandesbeugte der Amtmann dnrch Aufstellung einer imposante Streitmacht vor;die deutschen Prediger mußten sich der Suprematie der Laudesgeistlichenunterwerfen. Im Odeuseer Receß ward den Belgischen die freie Nord-landsfahrt aus 12 Jahre mit 24 Schiffen zugestanden; sie mußten da-gegen ihre Waaren in Bergen erst zu selbstgefälligen Preisen ansbieteu,ehe sie sollte weiter ausführten. Fremde dursten jedoch ohne Winter-lager frei in Bergen handeln; die Deutschen sollten keine Krämerei mehrtreiben; Maße und Gewichte bestimmte fortan der König; alle Deut-schen, auch die Kaufleute, unbeschadet ihrer Privilegien, standen unterden norwegische» Gesetzen und dursten sich zu Bergen fortan niederlassen;die Norweger erhielten vollkommene Handelsfreiheit in hansischen Terri-torien. Alle Versuche, die alten Monopole wieder zu erlangen, bliebenfruchtlos, der norwegische Eigenhaudel mehrte sich von Jahr zu Jahrund 1512 mußten sich die bcrgencr Cvmtoirbcdienten, gleich wie Un-terthanen, zu deS Königs Diensten mustern lassen und für ihn Schiffebereit halten. Ein deutscher Prediger ward abgesetzt; neue Zölle undAbgaben forderten die königlichen und städtischen Beamten, welchemit Gewalt ihren Willen durchsetzten. Als keine Vorstellungen dagegenhelfen wollten, ließen die Hansen ihr Geschütz nach Bremen und Ham-burg bringen und verkauften es zum Besten der verarmten Hansakasse.