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3 (1881) Die Papageien, ihre Naturgeschichte, Pflege, Züchtung und Abrichtung / von Karl Russ
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Die australischen Prachtsiltiche.

Gould hebt als Hauptunterscheidnngszeichcn das Vorhandensein der rothe» Stirn-binde beim ersten, und das Fehlen derselben beim letzten, hervor. Dazu bemerktFinsch aber, das sei nicht richtig, denn zuweilen finde man auch bei diesem denStirnrand recht lebhaft roth gefärbt. Möglichist es indeß, daß sich weitere Ucber-gängc in der gelben Lanchfärbung vorfinden, wodurch dann allerdings die Sclbst-ständigkeit der eine» Art sehr erschüttert würde. Ich kann es nicht leugnen, daß mirschon ein Exemplar im Hcine'schen Museum mit gelbem Dauchfleck sehr bedenklichvorgekommen, einstweilen aber muß ich diesen wie jenen als ,gute Art" ansehen."

Die Heimat des Plattschwcifsittichs mit rother Stirnbinde ist Westaustralic»,wo er nach Gonld's Angaben namentlich in der Umgebung des König Gcorg'sSund am Schwanfluß in jeder Oertlichkcit gemein sein soll; seine Verbreitungerstreckt sich aber auch bis Südaustralicn, von wo ihn Grey an das britischeMuseum geschickt hat. In der Lebensweise soll er den Verwandten gleichen,hurtig und gewandt auf der Erde laufen und reißend schnell, doch nicht ausdauerndfliegen. Die Nahrung besteht vorzugsweise in Grassämcrcicn, doch soll er auchharte Steinfrüchte knacken und deren Kerne fressen. Sein Ruf, den er besondersim Fluge erschallen läßt und dessen letzte Silbe er vielfach wiederholt, klingt wieflvent^-eiglit," und nach demselben benennen ihn die Ansiedler. Das Nest stehtwie bei den übrigen in der Höhlung eines Gummibaums und enthält in denMonate» September oder Oktober sieben bis neun Eier, welche auf der Unter-lage von schwarzem Müll oder verstocktem Holz liegen.

Der Plattschweifsittich ohne rothe Stirnbinde sollte nach Gould ausschließ-lich nur in Südaustralien heimisch sein, doch enthält das Heine'sche Museum»ach Finsch' Angabe von Dr. Preiß gesammelte Exemplare aus Westaustralien,und das Sidncy-Museum solche von Südwestaustralien von, König Georg's Sund.Irgend etwas näheres ist über diesen Sittich nicht bekannt.

Beide gelangen nur zeitweise in den Handel, wo sie nicht mit Sicherheitunterschieden werden, obwol sie die Großhändler zu wechselnden Preisen zwischen6075 bis 90 Mark für das Pärchen unter diesem oder jenem Namen ans-bieten. Man findet sie eigentlich nur in den zoologischen Gärten oder ganz großenSammlungen, in den Vogelstuben kaum. In den zoologischen Garten von Londongelangte der erstgenannte i. I. 1862 und dann erst wieder i. I. 1875, und derletztere nur einmal i. I. 1863; jener gehörte auch zu den von Herrn GymnasiallehrerFriedrich Schneider in Wittstock im kalten Raum überwinterten Plattschweif-sittichen. Den andern hatte Herr Apotheker Iänicke, damals in Hoyerswerda,in seiner sehr warmen Vogelstube, wo sich das Pärchen vortrefflich erhielt undvorzugsweise gern in warmer Milch aufgeweichte altbackene Semmel verzehrte.Weitere Beobachtungen sind nicht gemacht worden; gezüchtet in der Gefangenschaftsind beide noch nicht.