Kurzschwänze.
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Während sie wol meistens Standvögel sind, scheinen einige doch zeitweise große Wanderungenzu unternehmen, wie dies ihr plötzliches Auftreten an Ocrtlichkeiten beweist, an denen mansie sonst nicht findet. Alle sollen lebhafte, unruhige und laute Vogel sein, deren scharfes schrillesGeschrei Aehnlichkeit mit dem Schall hat, welchen das Aneinanderjchlagen metallischer Gegenständehervorbringt. Nur wenn sie eifrig schmausen, verhalten sie sich, gleich anderen Papageien,lautlos. Ihr Flug ist hurtig, gewandt, schwirrend, das Klettern in den Zweigen mehr einHilpfen und Schlüpfen, als die entsprechende schwerfälligere Bewegung größerer Arten; ebensolaufen sie aus der Erde ziemlich geschickt und schnell. Ihre geistige Begabung ist keineswegseine geringe, denn im Freileben wie in der Gefangenschaft zeigen sie sich, neben aller Dreistigkeitund Zutraulichkeit, doch als kluge und vorsichtige Böget. Einer eigentlichen Zähmung oder
gar Ablichtung dürsten sie jedoch schwer zugänglich sein, und gleicherweise ist es bis jetzt
noch von keinem einzigen bekannt, daß er sprechen gelernt habe. Ihre Nahrung soll in Sämereien,Knospen und Sprossen, z. B. von Tamarinden, und auch in Früchten bestehen. Nach den inder Gefangenschaft gewonnenen Erfahrungen bezweifle ich das letztre jedoch, meine vielmehr,daß sie nur Samen und zwar fast ausschließlich mehlhaltige, sowie frische grüne Pflanzentheile,sodann aber auch Kerbthiere verzehren. Jnbetreff des Nistens in der Freiheit sind bisher noch
fast garkeine Beobachtungen gemacht. Man weiß wol, daß sie in Baumhöhlen brüten und
etwa vier Eier legen, irgend etwas eingehenderes hat aber noch kein Reisender erforscht. Bis vorkurzem herrschten über das Jugendkleid und selbst über die Unterscheidungsmerkmale der Ge-schlechter noch mancherlei Irrthümer. Um so wichtiger ist die Thatsache, daß die Züchtung in derGefangenschaft bei drei Arten völlig befriedigenden Ausschluß über die naturgeschichtlicheEntwicklung und alle Nistgcwohnheiten geboten hat. Wenn an irgend einer Stelle, so darfhier die Vogelzucht mit Befriedigung und Stolz auf ihre Ergebnisse, bzl. auf die Gaben blicken,welche sie der Wissenschaft darreichen kann. Es sind also drei Vögcl, über welche die Forscherbis jetzt noch nicht das geringste wußten und die hier eingehend geschildert werden können.
Bis hierher habe ich mein Werk grundsätzlich frei gehalten von dem Streit und Zank des TagcS, wiesolcher in der Ornithologie, gleich manchen anderen Gebieten der Naturgeschichte, bzl der beschreibenden Natur-wissenschast, allenthalben auftritt: ich habe aus alle unzähligen Gehässigkeiten, mit denen man mich seit demBeginn meiner Forschungen überhäuft, hier kaum einmal hingewiesen, sondern jene rücksichtslose» Angriffe inden Augen derer, welche die Schriften meiner Gegner und die meinigen zugleich kennen, lediglich dadurch abge-wehrt. daß ich stets die thatsächliche Wahrheit zur Geltung brachte. Hier aber ist die Stätte, wo der Streit zwischenmeinem ersten und erbittertsten Gegner, Alfred Edmund Brehm, und mir begann. Bon dem Augenblick an,daß ich im Herbst de» Jahres l8«7 den ZllchtnngScrsolg mit dem Spcrlingspapagei — wenn auch nicht den ersten,so doch den bedeutungsvollsten—errungen und die Absicht kund gegeben, ein Handbuch für Bogelliebhaber und -Züchterzu versagen, war die heftigste Feindschaft zwischen uns beiden sonst intimen Freunden eingetreten. Alle jene maßlosenSchmähungen, welche in Zeitschriften und Büchern gegen mich geschleudert wurden, schreiben sich von jener Zeit,besonders dem Jahre 18««, her Meine Leser wissen es ja, daß ich nicht direkt zu antworten brauchte; ich habe durchErfolge, durch Thatsachen also, vor denen ebenso der große, wie späterhin alle meine kleineren Widersacher ver-stummen mußten, all' dergleichen gründlich widerlegt ES wäre demnach überflüssig, hier noch in gleichen oder auchnur ähnlichen Auslassungen eine Abwehr zu suchen, selbst wenn ich für solche litcrarischcn Raufereien eine besondreNeigung verspürte. Eine Pflicht aber ist es gewissermaßen meinen Freunden und mir selbst, ja, auch meinen Gegnerngegenüber, hier einiges zu berichtigen, was man als unumstößliche Wahrheit zur Widerlegung meiner Angaben,meistens aber ohne Bedacht, gelehrt bat In diesem Sinne bitte ich die nachfolgenden Feststellungen aufzu-nehmen. Bonseiten des genannten NaturhistorikerS war die Behauptung ausgesprochen, daß die Zwergpapageien„zu den weichlichsten und hinfälligsten aller Stubenvögel gehören"; trotzdem er aber „Dutzende oder Hundertevon ihnen gepflegt hat" — beruht dieser Ausspruch aus Irrthum. Alljährlich gelangen, wie schon vorhinerwähnt, die noch sehr jugendlichen Unzertrennlichen zu zahlreichen Kopsen in alle Bogclhandlungen, und selbst indenen zweiter Hand sterben keineswegs mehr von ihnen, als verhältnißmäßig von anderen Bügeln; nur seltenwerten sie in größrer Anzahl von einer epidemischen Krankheit hingerafft. Vor allem kommt es freilich aus eineverständnißvolle Verpflegung an. Füttert man diese jungen Zwergpapageien entsprechend mit mehligen Sämereien:Hirse, Kanariensamen und allenfalls Hafer, gewährt ihnen die nöthige Ruhe und bewahrt sie vor den bekanntenüblen Einflüssen, so lassen sie sich ganz entschieden in weit besserm Verhältniß am Leben erhallen, als vieleandere Papageien, z. B. manche Plattschweissittiche. Durchaus unverständlich ist eS mir, daß Herr Brehm es„geradezu als ein Kunststück" bezeichnet, „Zwergpapageien so zweckmäßig zu verpflegen, daß sie die Gesangenschastlängere Zeit ertragen".' Bon seinen eigenen Zwergpapageien mit rosenrolhem Gesicht oder Roscnpapagcien imBerliner Aquarium sind seit dem Jahre 18L8 trotz der denkbar ungünstigsten Verhältnisse bis jetzt unter der