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3 (1881) Die Papageien, ihre Naturgeschichte, Pflege, Züchtung und Abrichtung / von Karl Russ
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Der Keilschwanzkakadu oder Ntzmfcnsittich.

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einrichtete, freifliegcn zu lassen. Hier erhielten sie einen Nistkasten, besten Wände mit Baum-rinde umkleidet waren, und nachdem sie aus demselben, ebenso wie aus dem frühern die Säge-späne entfernt hatten, begannen sie jetzt im Ernst zu nisten. Das Gelege bestand in vier Eiernund diese wurden sonderbar sorglos behandelt, denn sie lagen nicht wie in anderen Vogelnesternbeisammen, sondern zerstreut auf dem flachen Boden des Nistkastens. Daher konnte ich michnicht enthalten, sie zusammenzuscharren; doch war dies eigentlich nicht nöthig, denn ich habebeobachtet, daß die Vogel vor dem Beginn der Brüt selber die Eier dicht aneinander bringen.Beim Brüten betheiligte sich das Männchen mit anerkenncnswerthem Eifer, während das Weibchennur immer kurze Zeit auf den Eiern saß und zuweilen sogar das erstre mit Schnabelhiebenzum Nest trieb. Dieses ging viel zarter mit jenem um, denn gewöhnlich lockte es mit melodischenTönen und voran in den Nistkasten schlüpfend. Wenn das Weibchen aber zu lange warten ließund dem Locken durchaus nicht folgeleistete, so wurde das Männchen trotz aller Sanftmuth sehrböse, kletterte eiligst aus dem Nistkasten hervor und brachte mit Schnabelhieben jenes zu seinerPflicht zurück. Ueber Nacht brütete regelmäßig das Weibchen, während das Männchen aus derSitzstange vor dem Nest schlief. Die Jungen hockten nach Papageienart auf den Schenkeln;kaum etwas großer geworden, waren sie äußerst scheu und flüchteten, sobald ich in die Oessnungdes Nistkastens sah, in die äußerste Ecke, drückten sich hier eins ans andre und ließen dabei einknarrendes, wenig anmuthendes Krächzen hören. Aehnliche heisere Töne stoßen sie auch aus,wenn die Alten zum Füttern vor dem Nistkasten erscheinen; dies wird von beiden gemeinsamverrichtet, doch ebenfalls vom Männchen regsamer als vom Weibchen. Die Zärtlichkeit deserstem gegen die Jungen ging sogar soweit, daß es öfter nach ihnen schaute, ohne sie zu füttern;dann kletterte es auf den Nistkasten, neigte sich nach dem Schlupfloch hinab und guckte vor-sichtig mit seitwärts gehaltckem Kopf hinein, bis dies die Jungen bemerkten und zu schreienanfingen, worauf es sich zufrieden entfernte. Ein reizenderes Familienleben kann man sichkaum denken. Die Jungen wurden nur mit Kanariensamen und frischen Ameisenpuppen ge-füttert; letztere hatten die Alten bis dahin niemals angerührt, jetzt aber nahmen sie dieselbensehr begierig. Auch nach dem Flüggewerden fraßen die Jungen sie noch sehr gern. Grünkrautfütterten sie meines Wissens garnicht, ebensowenig weichen Käse oder eingeweichte Semmelu. drgl., womit andere Vögel ihre Brüt auszuziehen pflegen. Die Jungen wuchsen sehr schnellheran, doch noch beiweitem nicht flügge geworden, waren ihrer drei schon dem Nistkasten ent-schlüpft, während das kleinste darin verbliebene nach den anderen kläglich schrie. Da es sehrwarm war und nach meiner Erfahrung ein junger Vogel, mag er das Nest freiwillig oder ge-waltsam verlassen haben, falls er nicht noch sehr klein ist, dasselbe nicht mehr gutwillig be-wohnt, so ließ ich die Flüchtlinge ungestört und hatte auch bald das Vergnügen, das Nest-häkchen ebenfalls aus der Erde zu finden. Alle vier mußten jetzt bald ihre Ernährung selberbesorgen, da bas alte Par zur zweiten Brüt schritt. Jene blieben auch nach der völligen Aus-färbung nicht unbedeutend kleiner als die letzteren.'

Der Keilschwanzkakadu gehörte zu den ersten Vögeln, welche ich, gleich inzwei Pärchen, für meine Züchtungsversuche anschaffte; das eine hielt ich ineinem geräumigen Käfige, während ich das zweite in die Vogelstube frei fliegenließ. Beim Umzüge in eine neue Wohnung ging außer vielen anderen auch dieBrüt des crstern Nymfenpärchens in sechs Eiern zugrunde; kurze Zeit daraufbegann dasselbe Weibchen jedoch wieder zu legen und zwar abermals sechsEier, welche leider wieder durch einen Unglücksfall vernichtet wurden, indemdie Papageien im Innern des Nistkastens die hölzernen Zapfen, an welchenderselbe befestigt war, zernagt hatten, sodaß sie sammt der Brüt zur Erde herab-stürzten. Wer beschreibt aber meine Verwunderung, als sie nach wenigen Tagen

Karl Ruß. Die fremdländischen Stubenvögel, III. 44