Der Keilschwanzkakadu oder Nymsensittich.
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Einführung aus der australijchen Heimat von einem deutschen Arzt in Konstantinopcl ange-kauft, von diesem nach Deutschland mitgebracht und dann in den Laden des Händlers gelangt."Es sind zahlreiche Beispiele bekannt, in denen ein oder einige Kcilschwanzkakadusentflogen waren und sich lange Zeit im freien erhalten haben; so erzählt HerrStcinbrück, Besitzer eines Grundstücks bei Königsberg i. Pr., daß ein Pärchen imzeitigen Frühjahr entkommen sei, in einem Weidcnstock neben einem Tümpel fünfJunge erbrütet, von denen vier jedoch ins Wasser gefallen und ertrunken warenund daß dann der Flug von drei Köpfen den ganzen strengen Winter 1879—80freifliegcnd zugebracht und sich auf dem Hühnerhofe namentlich von Hafer, aberauch von allerlei anderen Körnern und selbst gekochten Kartoffeln u. s. w. ernährthabe. Auf den Hof kamen sie immer nur, wenn sie draußen Nahrungsmangelhatten, während sie zur Zeit, als das Getreide reifte, sich viele Wochen hindurchgarnicht blicken ließen. Wie fast immer in solchen Fällen, wurden auch dieseBöget durch einen unbefugten böswilligen Schützen nach und nach gctödtet. Gleichdem Karolinasittich (s. Schilderung Seite 229), dem Wellensittich und manchenanderen würde sich also auch der Keilschwanzkakadu zur Einbürgerung auf unserenGeflügelhöfen, in unseren Hainen u. a. O. vortrefflich eignen.
Jnbetreff ihrer Abrichtungsfähigkeit sind die Meinungen getheilt; am vcr-brcitctsten ist wol die, daß der Vogel in dieser Hinsicht nach seinem vorhin Seite 690geschilderten Wesen nicht besonders hoch stehe. Aber man hat Beispiele erstaunlicherZahmheit, und in seiner Heimat gilt auch dieser Kakadu gleich anderen als im hohenGrade sprachbegabt und lernfähig. Dr. Neubert wies schon vor vielen Jahrendarauf hin, daß er Grund habe, nach dem Benehmen der von ihm gezüchteten jungenNymfen nicht daran zu zweifeln, es sei vielmehr wahrscheinlich, daß sie sprechenlernen, und er werde demnächst derartige Versuche anstellen. Seitdem hat manmehrfach sprechende Exemplare beobachtet und es steht als unumstößliche Thatsachefest, daß auch dieser Papagei zu denen gehört, welche wenigstens etwas plappernlernen können. Gleicherweise ist er zum Nachflöten von Melodien abzurichten,wie denn überhaupt einzelne Nymfen ein wirklich außerordentliches NachahmuugS-talent zu haben scheinen. Herr Apotheker v. Skot nicki in Nikolaiken berichtetfolgendes: .Vor kurzem erhielt ich ein Pärchen, welches sehr abgemagert zu mir gelangte unddas ich erst nach einiger Pflege in meine große, von anderen Nymfen und Wellensittichen be-völkerte Vogclstube brachte. Nach mehreren Tagen höre ich bei trübem stürmischen Wetter ganzseltsame Töne: bald sang ein Kardinal, bald eine Nachtigal zwei, drei Strafen, dann ein Buch-fink, später hörte ich einen Harzer Kanarienvogel in leidlich guter Rolle und schließlich erschallteein Mischmasch von allen möglichen und unmöglichen Vogeltönen, sodaß ich mir garnicht er-klären konnte, welches Bewenden es mit diesem tollen Gesänge eigentlich habe. Meine Frausand zuerst heraus, daß der Sänger in der Papageienstube sein müsse und richtig, es war dasneu hinzugekommene Männchen Keilschwanzkakadu. Seitdem singt dieses an jedem Tage vor-und nachmittags wol stundenlang. Die Töne sind flötenartig, rein und nicht zu stark undhören sich allerliebst an. Meine übrigen Männchen von dieser Art lasten nur einen klangvollenPfiff hören, und in der Brutzeit verbinden sie diesen Lockruf mit einem weniger melodischen Ge-