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3 (1881) Die Papageien, ihre Naturgeschichte, Pflege, Züchtung und Abrichtung / von Karl Russ
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Die Loris oder Pinselzungcnpapageien.

der Jnnenfahne und am schmalen Endrande glänzend röthlichbraun, an der Grundhälfte derJnnenfahne mit sechs zinnoberrothen Randflecken; Kehle, Vorderhals und Oberbrust dunkel-umbrabraun (einzelne Federn düster Purpurbraun gesäumt); ganze übrige Unterseite dunkcl-purpurbraunrolh (am Grunde braun, am Ende dunkelpurpurroth gesäumt); Schnabel schwärzlich-horngrau, Wachshaut schwarz; Auge dunkelbraun bis blaugrau; Füße Horngrauschwarz. DieGeschlechter sollen übereinstimmend sein, doch fehlte einem Weibchen, welches Finsch unter-suchte, der meerblauc Schein an den Schläfen, die Federn des Hinterhalses haben keine orange-gclbcn Endsäume und der olivengrllne Schein an den Mantelsedern und zweiten Schwingen istnur äußerst schwach. Länge 44 , 502 c°> ; Flügel 26 ,5 Schwanz 14I 7 ,ß

(Linden gibt folgende Beschreibung nach einem lebenden Vogel: Vorder- und Oberkopf

schmutzig weiß, unter dem Auge ein gelblicher, in braun übergehender Strich; Nacken und

Hinterhals reingrau, jede Feder dunkelgrau gejäunit, wie die Hauptfarbe bei einem Grau-papagei; unterhalb des Nackens ein weinröthliches Band bis aus die Flügel; Rücken?;

Bürzel lebhaft weinroth; Oberflügel und Schwanz ziemlich dunkelbraun; Unterflügel Purpur-,fast zinnoberroth; Brust und Obcrbauch rein und schön grau, Unterbauch lebhaft weinroth;Schnabel weißlich; Auge schwarz, nackter Kreis weißlich; Füße schwarz). Da dieser Papagei,welcher ausschließlich Neuseeland angehört, in mancherlei Färbungsmcrkmalcn,namentlich in den Größenverhältnissen, außerordentlich veränderlich sich zeigt,so war er, auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Heimatsstriche, nach undnach in fünf Arten (?. merickioimlis, LssIinZi, superllus, oooickontLlis, Mon-tanas) beschrieben, welche aber von Finsch u. A. in den Jahren 186874

sämmtlich zu einer einzigen vereinigt worden. Der genannte Gelehrte gibt eineUebersicht der abweichenden Merkmale in folgendem: ,Ei» Männchen zeigt den Oberkops

grau, jede Feder mit dunklerm Endsaum; Rücken und Unterseite sind auffallend hell. graubraun, jede Feder mithellerer Mitte und dunklem Endsaum. Bei einem andern Männchen ist die Brust dunkel, an Mantel undSchultern jede Feder in der Mitte verwaschen geldlichgrau. Ein Weibchen zeigt den Oberkopf Heller grau, jedeFeder mit verwaschen gelblichem Endsaum; Nacken und Brust tiefbraun; an Bürzelfedern und oberen Schwanz-decken deutlicher als bei anderen Exemplaren eine Heller rothe Mittelquerbinde; untere Flügeldecken lebhaft orangemit rothen Enden. Ebenso ein Männchen, aber an den Kopfseiten (Schläfen) mit blauem Schein; Deckscderndeutlich tiefgrün scheinend; unterseitige Flügeldecken tiefroth mit schwarzen Querlinien; an der Oberbrust jedeFeder verwaschen düsterroth. Ein andres Männchen hat an der ganzen Brust düsterroth verwaschene Feder-säume; Deckfedern ohne grünen Schein, dagegen am Ende verwaschen roth gefärbt. Bei einem sehr dunkel ge-färbten Vogel haben die Mantel- und Schulterfedern kaum einen bemerkbar Hellern Mittelfleck. Ein ebensogefärbtes Weibchen zeigt das rothe Hinter-Halsband sehr undeutlich, dagegen das tiefe Blutrolh an Bürzel und

Unterseite dunkler als bei anderen". Nach derartigen Abweichungen beschreibt Dr. Bullersogar neun verschiedene Farbenspielarten, und gerade die Reisenden, welche dieseDögel in ihrer Heimat beobachtet haben, bleiben dem einen oder andern gegen-über unbeirrt bei ihrer Behauptung, daß er eine durchaus verschiedene selbständigeArt sei, so Dr. Haast besonders bei dem Berg-Stumpfschwanzlori (?. mou-tanus, /Lt.). Außerdem erwähnt Buller mehrere schöne Farbenspielarten;

so war eine prachtvoll fcharlachroth mit braun schattirt, eine andre einfarbig gelb, eine dritte mit grünem Metall-

schimmer an allen oberen Theilen. Auch um die Stellung der Nestorpapageien im Systemhatte sich bei den Ornithologen Streit erhoben, indem man sie bald bei deneigentlichen Papageien, bald bei den Kakadus einreihte und erst schließlich zu denPinselzünglcrn stellte. Bereits Gould aber behauptete, daß ihre Zunge diePapillen der Pinselzüngler nicht zeige, und Dr. H. Dörner bestätigte dies, in-dem er eine genaue Beschreibung gab:Aus der ganzen Oberseite ist die Zunge weich, fleischig,glatt, ohne die kennzeichnenden Papillen; der freie Hinterland ist gezähnelt wie bei der größten Mehrzahl der