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3 (1881) Die Papageien, ihre Naturgeschichte, Pflege, Züchtung und Abrichtung / von Karl Russ
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Die Papageichen oder Fledermauspapageien.

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des zoologischen Gartens von London, sowie die Mittheilungen der Großhändler ergeben, daßdie Einführung lebender Fledermauspapageien und zwar gerade seltener Arten in der erstenHalste der sechziger Jahre begonnen.. In der letztem Zeit sind sie erst zahlreicher auf denVogelinarkt gelangt, und gegenwärtig werden sie, vornämlich eine Art, der blauscheitcligeFledcrmauspapagei, in ziemlich bedeutender Anzahl durch holländische Händler, besonders durchHerrn W. Korthals in Rotterdam, eingeführt und namentlich von der Hagenbcck'schen Groß-handlung in den Handel gebracht; auch die österreichischen Händler bieten zeitweise viele überTrieft eingesllhrte Papageichen zum Verkauf aus. Dr. Finsch' Annahme ist also durch Er-sahrung in der Gesangenschast im wesentlichen längst widerlegt. Der Preis stand vor kurzem nochrecht hoch und wechselte zwischen 75 bis 120 Mark sür das Pärchen; seltene Arten waren nochviel theurer. Gegenwärtig ist das Blauscheitelchen im Großhandel zuweilen schon recht billig,denn man kauft es wol gar gelegentlich für 20 Mark das Pärchen, im Durchschnitt aber zahltman gern 30 bis 45 Mark und für völlig eingewöhnte bis zu 75 Mark. Erst in der allerneuestenZeit sind die Papageichen schon bei der Einführung an Sämereien gewöhnt, während sie bisdahin vorzugsweise mit gekochtem Reis und Bananen gesintert wurden; die ersteren gehörenkeineswegs, wie man bisher immer angenommen, zu den hinfälligsten oder garnicht sür dieDauer zu erhaltenden Vögeln. In ihren Hcimatsländern hält man sie seit uralter Zeit inKäfigen aus Bambusrohr und sie erfreuen sich der größten Beliebtheit. Nach Swinhoö findetman sie auch in China eingeführt, und Finsch bemerkt, er habe aus einer japanischen Ab-bildung ersehen, daß sie dorthin ebenfalls lebend gebracht werden. Einen interessanten, leider nurkurzen Bericht gibt Herr I. I. Hagmann in Madras in Indien:Bei meiner Abreise von Knl-kultn erwarb ich unter anderen sechs Männchen blauscheilelize Fledermauspapageien. Da diese ungleich schönerim Gefieder, als die Weibchen find, so werten sie allein seilgehalten; »ach senen suchend, durchstöberte ich vergeb-lich alle Buden der Händler. Gar komisch war es, wenn alle sechs wie Fledermäuse an der Decke des Käfigshingen: allerdings darf man nicht das Zerrbild, welches in Brehm'öThierleben"' diese Bögel darstellt,als Wahrheitstreu erachten; dasselbe ist insofern völlig uniichtig, als die Papageichen unter tropischem Himmelin der Ruhe niemals mit gesträubte» Federn hängen, sie haben ihr sammtglänzendes Gefieder vielmehr stet« glattangezogen und erscheinen anmuthig, schön und zierlich Ich nahm st« auss Meer mit, und erhielt sie später ausdem Lande mehrere Monate im besten Wohlsein. Erst als ich eine Reise unternehmen und sie vorher mit Wellen,sittiche» zusammen in einen großen Alugkäfig bringen mußte, trat Sterblichkeit unter ihnen sein. Ich füttertesie mit gekochtem Reis in Milch, nebst Früchten, sowie Hirse und Kanaricnsamen. 2» Kalkutta ist der Preisl Rupie (etwa S Frank) sür den einzelnen. Ausfallend war mir ihre ungemein große Furchtsamkeit in der Dun-kelheit, denn ein Nachtfalter oder ein Käser, der gegen da« Bauer schwirrte, war imstande, die ganze Gesellschafti» Aufregung zu versetzen, sodaß ich dann durch ihr Zetergeschrei aufgeweckt wurde und alle Mühe halte, sie zuberuhigen."

Sie haben es mir angethan, die kleinen reizenden Papageien", jagt Dr. Frenzel inFrciberg i. S., der bis jetzt wol die reichsten Erfahrungen aus diesem hochinteressanten Gebietegewonnen hat, und dessen nachfolgende Schilderung als die treueste erscheint, welche bis jetzt vor-handen,denn trotz großer Verluste bin ich immer wieder zu ihnen zurückgekehrt und seit Jahrensind sie ständige Bewohner meiner Vogclstubc; wie hold und anziehend diese Vögelchen sind,kann nur der ermessen, welcher sie längere Zeit hindurch in anhaltender Beobachtung vor sichgehabt. Wer sie noch garnicht gesehen, wird sie an folgenden Merkmalen erkennen; Ihre Haupt-farbe ist ein schönes, lebhaftes Grün, die Unterseite der Flügel und des Schwanzes ist blau(blau- oder meergrün), der Bürzel und die oberen Schwanzdeckcn sind schön roth; die einzelnenArten sind nur durch roth-, blau- oder gelbgefärbte Flecke an Kehle, Stirn, Oberkops oderNacken ausgezeichnet; nur eine einzige Art hat ausnahmsweise einen gelben Bürzel. Besonderswerthvoll macht sie ihr Gesang, denn sie sind fleißige Sänger und ihr Vortrag ist wirklich alsein Lied zu erachten. Der Wellensittich und die singenden Zwergpapagci-Arten halten keinenVergleich mit ihnen aus; ich ziehe ihren Gesang selbst dem des Singsittichs und des Pflaumen-kopfsittichs vor, halte sie also sür die am schönsten singenden unter allen Papageien. Wahr-scheinlich singen alle Fledermauspapageien, doch habe ich von drei Arten, welche ich gepflegt,nur zwei, das blauscheitclige und das blaukehlige Papageichen fingen hören; zwei Köpfe einerdritten Art, das ceylonische Papageichen, welche ich noch besitze, singen nicht, doch lassen sie