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Die Papageichen oder Flcdermauspapageien.
in den Bergen nicht bis zu beträchtlicher Höhe hinauf. Er ernährt sich vongrünen Pflanzenstoffen, auch Sämereien, und während des Fressens hört man ihnfortwährend zirpen. Als Käsigvogcl ist er bei den Eingeborenen sehr beliebt, undzwar hält man meistens mehrere beisammen. Jcrdon und dann E. W. Smiththeilen schon mit, daß er sich gern an den Füßen mit dem Kopf nach unten aufhänge. Irgendwelche näheren Angaben über Frcilcbcn, Brüt u. s. w. sind leidernicht vorhanden. Nach dem Berzeichniß der Thiere des zoologischen Gartens vonLondon ist dieser kleine Papagei dorthin bisher noch nicht eingeführt worden; da-gegen gelangt er hin und wieder in den Handel. So habe ich ihn im Laufe derJahre parwcisc oder einzeln bei Fräulein Hagcnbeck und Herrn H. Möllerin Hamburg, Karl Gndcra, damals in Leipzig, gesehen, und Herr Baudijchin Trieft wollte ihn einmal sogar — wenn keine Verwechselung vorliegt — in be-trächtlicher Anzahl erhalten haben. Auf die großen Berliner Bogclausstcllungenist er im Laufe der Jahre nicht gekommen, dagegen befindet er sich im Besitzdes Prinzen Ferdinand von Sachsen-Koburg-Gotha in Wien und in der Bogcl-stubc des Herrn Dr. Frenzcl in Frciberg i. S. Der Letztrc gibt folgende
Schilderung: ,Am 1. März d. I. Itt77 bot mir Herr Gudera ein Pärchen dieser Vogel an,und ich erwarb dieselben. Sie zeigten sich als zwei allerliebste ganz gleich gefärbte Papageichen,so daß ich zunächst Männchen und Weibchen nicht unterscheiden konnte. Ich erhielt sie abendsund sie waren von der Reise so ermattet, daß sich nur das eine zum Schlafen an den Füßenaufhing, während das andre, matteste, auf einer Sihstange übernachtete. Letztrcs, das Männ-chen, erholte sich bald und ist seitdem viel lebendiger als das Weibchen; es hat sich seit derersten Nacht kaum wieder auf eine Stange gesetzt, sondern ist nur hängend und kletternd zusehen. Beide hängen sich, wenn sie wohl sind, stets dicht neben einander auf. Sie waren mirübrigens als blauscheitelige Papageichen verlaust worden und ich wunderte mich nun darüber,daß deren Beschreibung in den Lehrbüchern, welche ich zur Hand hatte, nicht ganz zutraf.Blauscheitelchen hatte ich allerdings, nur waren die Schnäbel nicht schwarz gefärbt; ich nahmdaher an, daß es noch junge Vogel seien, welche sich mit der Zeit verfärben würden; dies ge-schah auch in der That, die Schnäbel wurden aber prächtig korallroth und als ich das vorzüg-liche Werk von I>r. Finsch anschasste, ersah ich, daß ich im Besitz von Frühlingspapageiche»sei. Eines Mittags begann das Männchen sein Lied zu singen, ich lauschte mit Vergnügenund höre noch heute gern den einfachen Gesang. Der Lockten, welchen es häufig hören läßt,ist zweisilbig und klingt etwa wie zukitt; außerdem hört man ein leises Flüstern, welches andas Wispern der Meisen erinnert. Unangenehme Laute lassen sie niemals vernehmen. DasWeibchen ist immer still, nur wenn ich mit der Hand in den Käfig lange, stößt es Angstruseaus. Nach den langen Flügeln zu urtheilen, welche fast das Schwanzende erreichen, mag dasFrühlingspapageiche« wol ein guter Flieger sein; bei mehrmaligem Entwischen aus dem Käfigin die Stube zeigte sich der Flug leicht und lautlos. Sie klettern »«gemein gewandt, turnenund überschlagen sich, mit dem Schnabel einen Draht ergreifend, unzähligemale hintereinanderund lausen sehr rasch auf einer Stange hin und her. Besonders viel Vergnügen gewährt mirihr Springen von Zweig zu Zweig. Gegen 5 Uhr nachmittags bereits gehen sie zur Ruheund bleiben neben einander an der Käfigdecke hängen bis zum andern Morgen. Bisher habeich noch nicht bemerkt, daß sie sich gegenseitig Zärtlichkeiten erzeigten, ebensowenig sind sie inden Nistkasten geschlüpft, höchstens haben sie einmal hincingeguckt.. Am lebendigsten sind sie,wenn sie frisches Grün, bzl. Zweige bekommen, Nadelholz aber lieben sie nicht. Als sie ein-mal längere Zeit hindurch eine verdorrte Tannenspitze im Käfige hatten, wurden sie traurig,