Band 
[Erster Theil.]
Seite
186
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sich nicht viel Auffälliges, da alle Küsten und Ströme des Festlandes dem Meere genug zersetztesPflanzengewebe zuführen, und die Meeresströmungen leiten natürlich diese leichteren Theilchen auchwohl zahlreich in ihre grossen Tiefen. (Monatsber. 1855, p. 176.) Es mag dies hier um so mehrhervorgehoben werden, als die Tiefe von 12900 Fuss derartige Beimengungen des Grundschlammesgewiss am wenigsten erwarten lässt 1 ). Wie hier der Transport von Polycystinen - Schalen auf demBoden des Meeres nach verschiedenen Orten hin durch die Strömungen stattfindet, so kommt ein ähn-licher Transport auch an der Oberfläche, obschon in viel kleinerem Maassstabe, zu Stande. Diesergeschieht durch die pelagischen Thiere, welche massenweis Polycystinen als Nahrung aufnehmen, vorAllem die ungeheuren Schwärme der Salpen und Medusen, welche dann, durch Stürme oder Strö-mungen weit verschlagen, die Gitlerschalen in ihren Excrementen an weit entfernten Orten könnenzu Boden fallen lassen.

Es entsteht nun schliesslich noch die Frage, ob das Leben der Polycystinen auf dem Tief-grunde, das bisher keineswegs bewiesen ist, überhaupt möglich oder wahrscheinlich ist, und wie es,wenn vorhanden, zu beweisen sein würde. Ein entscheidender Beweis würde einzig und allein durchdie directe Beobachtung lebender Polycystinen mit ausgestreckten Fäden in der Grundprobe, unmittel-bar nach dem Heraufziehen derselben, geliefert werden können. Dieses Aufbringen lebender Poly-cystinen ist aber nur möglich, wenn sie mit dem Seewasser, also in ihrem natürlichen Vehikel, ge-schöpft und heraufgezogen werden. Man kann sich dazu entweder des Senklothes von Brookeoder der Saugsonde von Graff bedienen. Brookes neues ablösbares Senkloth 2 ), durch welchesdie Grundproben nicht, wie früher, in Talg eingedrückt, sondern mit dem darüber stehenden Wasserheraufgehoben werden, scheint seinen Zweck sehr vollständig zu erfüllen, wie die damit ausgeführtenSondirungen der vier letzten Grundproben-Beihen (VIIX) zeigen. Unter den von Brooke anEhrenberg übersandten Proben befand sich eine grössere Probe aus 15600 Fuss Tiefe, noch un-angerührt eingeschlossen in derselben Glasröhre, in welcher sie gehoben worden war, und durch2 Korkstöpsel verschlossen und versiegelt. Am 5. October 1858 gehoben, war sie bis 4 Zoll Höhevon unten mit Schlamm erfüllt, welcher im November 1860 noch feucht war. Die Masse des Grundes,welcher mittelst dieses Apparates in seiner natürlichen Zusammensetzung gehoben werden kann, über-trifft bei weitem die Quantität aller früher mit anderen Apparaten gehobenen Schlammmengen undverspricht bei weiteren Versuchen sehr lohnende Resultate. Das Einzige, was dabei zunächst wohlnoch zu verbessern ist, würde der vollständigere Abschluss des in die Röhre mit dem Grundwassereingetretenen Schlammes sein. Es scheint doch sehr unsicher, ob die Bildung eines fest schliessenden

*) Auch in 2 Grundproben aus dem mexikanischen Golfstrome hei Florida (Nr. IX), von 1158 und von 9066 FussTiefe, fand Ehrenberg Reste von Landpflanzen, in ersterer 4 verschiedene Formen von Lithoslylidiinn, in letzterer 2 Formenvon Lithodontium, alles Kieseltheile von Gräsern. Er bemerkt dazu:Es ist unzweifelhaft, dass sie dort nicht entstandensein können. Sie sind ein deutlicher Beweis, dass am Boden des Tiefgrundes sich auch Trümmer der Oberfläche sammeln.(Monatsber. 1861, p. 12.)

2 ) Brookes neuen verbesserten Senkapparat, durch welchen die Verunreinigung der Grundproben mit Talg vermiedenund zugleich mit der Grundprobe das darüber stehende Grundwasser geschöpft wird, beschreibt Ehrenberg im Monatsberichtvom 13. December 1860 (p. 820) folgendermassen:Es ist eine offene Cylinderröhre von 9 Zoll 10 Linien paris. Länge, 6 j LinienDurchmesser, mit 6 Linien breitem Binnenraum und i Linie dicker Glaswand. Diese cylindrische Glasröhre passt in eine zu-gleich mitgesandte Messinghiilse, die als Spindel dient, welche durch die 3070 Pfund schwere durchbohrte Eisenkugel lockerdurchgeht und nach dem durch das Aufstossen ihres hervorragenden Theils erfolgten Abfallen des Gewichtes an der Senkleinefest bleibt und mit dieser heraufgezogen wird. Die Messinghülse hat oberhalb, wo die in sie fest hinein gesteckte Glasröhreendigt, seitlich ein kleines Loch, vor welchem eine kleine Lederklappe einfach befestigt ist. Beim Heruntersinken des Apparatsgeht der Wasserstrom unbehindert durch die Röhre und die seitliche obere Oeffnung hindurch. Beim Aufstossen auf schlam-migen Meeresgrund füllt sich die Glasröhre unten mit Schlamm, welcher das in der Röhre enthaltene Wasser durch die obereOeffnung theilweis heraus drängt und einen Propf bildet, mit Hülfe, dessen das Grandwasser, welches in der Röhre oberhalbgeblieben, abgeschlossen mit in die Höhe gehoben wird, da anderes Wasser durch die seitliche kleine Oeffnung nicht in denschon gefüllten Raum eintreten kann, und die Lederklappe sich überdies beim Heraufziehen des Apparates eng an die Oeffnunganlegt. Ist der natürliche Schlammpfropfen stark genug, so wird er durch das obere Wasser beim Heraufziehen nichtheraus gedrängt.