210
thalamien betrifft, so sind die Soritiden und ebenso, wie wir gesehen haben, die Nodosariden ent-schieden radiär oder cyclisch; bilateral-symmetrisch ist die grosse Familiengruppe der Nautiloiden,und die eigenthümliche Familie der Alveoliniden, beide in der Weise in einer Ebene spiral gewunden,dass eine mittlere Theilungsebene, senkrecht auf die Axe, um die die Spirale aufgewickelt ist,sie in 2 völlig gleiche Theile zerlegt. Eigentlich asymmetrisch im strengsten Sinne ist nur diekleine Gruppe der Acervuliniden und die Familie der Milioliden, irregulär im weiteren Sinne auclidie Turbinoiden, bei denen jedoch, so gut wie bei den in gleicher Weise aufsteigend spiral gewun-denen Schnecken {Helix, Turbo etc.), eine Art von Symmetrie stattfindet, welche Müller als „spiraleSymmetrie“ bezeichnet. Noch weniger können natürlich die Radiolarien irregulär genannt werden,da der radiäre Typus hei ihnen so vorherrschend und constant, dabei so deutlich ausgeprägt ist, dasswir nur auf die Ausnahmen nochmals aufmerksam machen wollen. Bilateral-symmetrisch sind die Dis-cospiriden und Lilheliden, indem man ihre spiral gebauten Kammerscheiben nur durch eine mittlereTheilungsebene lialbiren kann, welche bei den Discospiriden in der Mitte zwischen den beiden Deck-platten, parallel denselben, verläuft, bei den Litheliden dagegen in die Mittelebene der mittelstenspiralen Kammerreihe fällt. Ferner kommen einzelne bilateral-symmetrische Formen in Familienvor, die sonst radial-symmetrisch sind, so besonders in der grossen Familie der Cyrtiden. Dahingehört Comutella clathrata, bei der das konische Gehäuse den Anfang einer spiralen Windung ineiner Ebene macht, und Spirillina, bei der die Spirale, wie bei Nautilus, vollkommen entwickelt ist.Ferner werden unter den Cyrtiden eine Anzahl Arten dadurch bilateral, dass ihren Gipfel ein excen-trischer Stachel krönt, von dem ein Riff auf einer Seite über die Schale herabläuft, z. B. Dictyophimustripus, viele Arten von Eucyrtidium {E. cranoides, E. zancleum etc.). Es giebt aber auch unter denRadiolarien, und zwar wieder unter den Cyrtiden, eine Anzahl vollkommen asymmetrischer oder irregu-lärer Formen, wie Cyrtocalpis obliqua, Eucyrtidium anomalum, besonders aber Dictyoceras Virchotcii,bei dem die Längsaxe mehrfach verkrümmt und alle Seiten der Schale irregulär gewölbt sind.Ebenso werden die meisten Polycyrtiden, z. B. Botryocampe, dadurch asymmetrisch, dass die Neben-kammern des ersten Gliedes ungleich und in ungleichen Abständen um die Axe gruppirt sind.
Hieraus geht hervor, dass der radial-symmetrische oder reguläre Typus bei den Radiolarienzwar sehr vorwiegend, aber nicht ausschliesslich entwickelt ist und dass derselbe also nicht alsdiagnostischer Charakter derselben dienen kann, besonders den Polythalamien gegenüber, die auchtheilweise demselben Typus folgen. Da nun auch die andern bisher zur Unterscheidung der Radio-larien und Polythalamien gebrauchten Kriterien, die chemische Zusammensetzung des Skelets, dieBeschaffenheit der Mündungen und Löcher in der Schale, wie oben bewiesen ist, nicht mehr aus-reichen, so ist es nöthig, einen neuen durchgreifenden Differentialcharakler für diese Ab-theilungen aufzusuchen, und diesen glaube ich in der anatomisch höchst wichtigen Centralkapselzu finden, welche allen Radiolarien ohne Ausnahme zukommt, allen Polythalamien und allen anderenRhizopoden aber ebenso ausnahmslos fehlt. Die Centralkapsel ist morphologisch insofern von dergrössten Bedeutung, als sie einen besonders differenzirten centralen Gewebstheil im Radiolarienkörperbildet, der sich von der umhüllenden Sarkodeschicht aufs schärfste abgrenzt. Bei den Polythalamien,wie bei den übrigen Rhizopoden besteht aber der ganze Weichkörper lediglich aus Sarkode, in welchedie ausserdem noch vorkommenden Formelemente, die Pigmente, Fette und Kerne nur in der Weiseeingebettet sind, wie die gelben Zellen und die extracapsularen Pigmente der Radiolarien in die Matrixdes extracapsularen Weichkörpers. Bei den Polythalamien findet sich zwar auch insofern eine Ver-schiedenheit im Sarkodeleibe, als der innere Theil fester, derber, weniger beweglich ist, als deräussere, und vorzugsweise die Fette und Pigmente einschliesst. Beide gehen aber ohne bestimmteGrenze in einander über und nirgends ist eine Membran, gleich der der Centralkapsel, vorhanden,welche einen Theil des Körpers vom anderen abschlösse. Nicht minder wichtig, als dieser völligeAbschluss des Inhalts der Centralkapsel von dem äusseren Sarkodetheil durch die rings geschlosseneMembran, ist die Beschaffenheit des Inhalts selbst, welcher, wie wir oben nachgewiesen haben (zwar