Buch 
Das Verbot der Phosphorzündhölzchen in der Schweiz und dessen Wiederaufhebung / von Dr. G. Lunge
Entstehung
Seite
7
JPEG-Download
 

7

In der That scheinen es auch nirgends die für das Publikumselbst mit dem Gebrauche der Phosphorzündhölzchen verbundenenGefahren gewesen zu sein, welche, wenigstens in erster Linie, zueinem Feldzuge gegen diese Zündhölzchen Veranlassung gegebenhaben. Auch in den meisten andern Fällen beachtet der grössteTheil der Menschen ihm drohende Gefahren nur dann, wenn siesich ihm unmittelbar konkret gegenüberstellen und durch ihnnahe berührende Unglücksfälle manifestiren. Die Vorsichtigenkonnten ja ohnehin, wie es mit dem Verfasser viele Tausendeseit Jahren gethan haben, durch Anwendung der sogenanntenschwedischen Sicherheitshölzchen ihre Kinder vor Vergiftungschützen und die Gefahr einer zufälligen Brandlegung vermindern.Der entscheidende Grund zum Einschreiten gegen die Phosphor-hölzchen ist stets der gewesen, dass die mit ihrer Fabrikationbeschäftigten Arbeiter leicht einer der schrecklichsten uns be-kannten Krankheiten, der Phosphor-Nekrose, anheimfallen; eswar also der humanitäre Standpunkt, von welchem aus man sichbemühte, dieses Fabrikat überhaupt zu verdrängen, nachdem essich zur Genüge herausgestellt hatte, dass alle Vorkehrungenzur Sicherung der Arbeiter in solchen Fabriken nur ungenü-gende Resultate gehabt haben. Uebertreiben sollte man hierbeiallerdings nicht. Keineswegs ist die Phosphornekrose etwasUnausbleibliches für den mit Phosphor beschäftigten Arbeiter;im Kanton Zürich kamen in 12 Jahren (18671878) bei 71Arbeitern 10 Fälle, in Bern (Inselspital) in 7 Jahren bei 480Arbeitern 11 Fälle (meist mit tödtlichem Ausgange), imRegierungsbezirk Breslau bei 500 Arbeitern in 20 Jahren 70Fälle, in Bennekenstein, Prov. Sachsen , bei 90 Arbeitern in 25Jahren 21 Erkrankungen mit 8 Todesfällen vor.*) Bei manchenanderen Gewerben mag wohl der Procentsatz von Opfern einähnlicher oder noch grösserer sein; wir wollen nur Bleiweiss-arbeiter, Schleifer, Bergleute, Tunnelarbeiter, Matrosen heraus-greifen. Uebrigens darf man nicht übersehen, dass erstenssicher lange nicht alle Fälle zur Anzeige kommen und dassferner ausser dem scheusslichen Knochenleiden, welches unter

*) Bericht der eidgen. Fabrikinspektoren vom 17. Mai 1879. FürBern ist zu bemerken, dass hier nur die im Inselspital, nicht die in derPrivatpraxis vorgekommenen Fälle zur Anzeige gekommen sind.