welche von andern bekannten Cementen angefertigt wordensind, (und die in den nachfolgenden Lieferungen dieses Werkesvoro-elegt werden sollen), werden in gleicher Weise auch diebesonderen Eigenschaften und eigenthümlichen Behandlungs-weisen bei Verarbeitung derselben, mitgetheilt werden.
Jedes Material hat seine Grenzen der Anwendung underfordert zuvor zum sicheren Erfolge der Ausführung noth-wendig die Kenntnifs der besonderen Eigenschaften, Behandlungund Verarbeitung desselben. Der häufige Mangel dieser Kennt-nifs und einer sicheren practischen Anleitung der Constructionist wesentlich mit die Ursache, weshalb mit einem und dem-selben Cemente, bei dessen Anwendung unter sonst gleichenUmständen und Verhältnissen, dennoch oft sehr verschiedeneResultate erzielt worden sind.
Ueber den Erfinder, den Namen und die Zusammen-setzung des Portland-Cements.
Nachdem seit dem grauen Alterthume in Italien fast aus-scliliefslich zur Bereitung hydraulischer Mörtel die Puzzolaneund seit Jahrhunderten, zumal in Frankreich und England,die Puzzolane und der Trafs, und in Holland und Deutschlandletzterer neben andern natürlichen und künstlichen Cementenvorzugsweise zu Bauten im Gebrauche waren, wurden dieseCemente in den genannten Ländern mehr oder weniger durchden sogenannten Roman-Cement, auch schlechtweg „englischerPatent-Cement“ genannt, verdrängt, der von dem EngländerJames Parker aus Nordfleet in der Grafschaft Kent erfun-den, welcher sich seine Erfindung im Jahre 1796 unterm28. Juni patentiren liefs.
Die Vorzüglichkeit dieses Cements, sein schnelles Erhärtenund die grofse Festigkeit nach diesem Erhärten, sodann seineUndurchdringlichkeit gegen alles Wasser, vermehrte dessenAbsatz, ungeachtet seiner anfänglichen Kostspieligkeit *) aufser-ordentlich, so dafs, hierdurch angeregt, später selbst in denbedeutendsten Städten des Festlandes viele derartige Cement -Fabriken entstanden, obgleich das Rohproduct **) noch jetztvon England bezogen werden mufs.
Bis beinahe zum Jahre 1818 war der Roman-Cementfast der einzige, welcher bei den meisten Bauten in Englandin Luft und Wasser angewendet wurde. Jedoch die immermehr zunehmende Anwendung der Cemente überhaupt, diedadurch entstandene gröfsere Nachfrage nach Cementen undinsbesondere, da die Fabrikation des Roman-Cements nochdurch ein Patent geschützt war, auch in den Eigenschaften die-ses Cements noch manches zu wünschen übrig blieb, waren Ver-anlassung, dafs man in England mit grofsem Eifer nach andernhydraulischen Cementen forschte, die man aus ihren wesent-lichen Bestandtheilen zuvor erst zusammensetzte und sie des-halb künstliche Cemente — artificial cements — nannte.
Obwohl nun viele Engländer mit Erfindung künstlicherhydraulischer Gemente sich beschäftigten, so waren die Resul-tate doch nicht befriedigend.
Von besserem Erfolge waren die seit mehr als 10 Jah-ren mit dei gröfsten Ausdauer fortgesetzten Experimente des
*) Nach einem Berichte der Abtheilung für Bankimst und schöne Künste in dVerhandlungen des Vereins zur Beförderung des Getverbfleifses in Breufsen, Jahrga
1829, 2. Lieferung, S. 126, kostete damals noch das Kais Roman-Cement, 327346 Zoll-Pfund enthaltend, 10 bis 11 Thlr., mithin das Pfund, einschließlich der Vcrarbtung des Mörtels, im Durchschnitt wenigstens 1 Sgr. Zu einem Preufs. Cubikfufs CemeMörtel waren nach diesen Angaben 107 bis 117 Pfund erforderlich, und kosteten di<sonach 3 Thlr. 25 Sgr. bis 4 Thlr. 5 Sgr. Jetzt (1860) kostet die Tonne cnglisclRoman-Cement loco Berlin, Netto circa 336 Zoll-Pfund enthaltend, 3 Thlr. 7 Sgr. 6 :Mit dem Sinken des Preises hat leider fast in gleichem Verhältnisse auch die Quali
dieses Cements abgenommen.
**) Ein kieselthonhaltiger Kalkmergelstein, der an der westlichen Iviiste von Eng-land in den reichhaltigen Thonlagern, vorzüglich auf der Insel Sheppey und an denUfern und in dem Bette der Themse gefunden wird.
Joseph Aspdin von Leeds, in der Grafschaft York. Derselbeerhielt unterm 21. Oktober 1824 ein Patent für eine neue Verbesserung in der Art und Weise künstliche Steine zu machen.
Joseph Aspdin, ein gewöhnlicher Maurer, gab in demPatente seinem Gement zuerst den Namen Portland-Cement,und zwar, wie er anführt, aus dem Grunde, weil sein Gementin Farbe dem berühmten in England so häufig zu Bauten ver-wendeten Portland-Stein*) sehr ähnlich ist.
Herr Professor Pettenkofer in München war der erste,auf dessen Veranlassung und Anleitung im Jahre 1849 einegenaue Analyse des Portland-Cements in seinem Laboratorium,durch den Herrn A. Hopfgartner aus Wien, angestellt wurde.
Die Zusammensetzung des Portland-Cements ergab sichwie folgt:
Kalk . . :.
Bittererde .
Kali .
Natron.
Thon erde.
Eisenoxyd mit Spuren von Manganoxyd
Kieselsäure.
Kohlensäure.
Phosphorsäure.
Schwefelsäure.
Sand.
Wasser.
54,n
0,76
1,10
1,66
7,75
5,30
22,23
2,15
0,75
1,00
2,20
1,00
2,76 Alkalien
100,oo.
Herr Pettenkofer erwähnt hierbei, dafs die in dem P'ort-land-Cement befindliche Schlacke**) Ursache seiner dunkeln,im feuchten Zustande schwärzlich grauen Farbe sei, was be-weise, dafs der Stein, welcher den Portland-Cement liefert,soweit gebrannt wird, bis der darin befindliche thonige Be-standteil in Flufs kommt, was bei dessen bedeutendem Alkali-gehalte — über 8 pCt, — schon bei nicht zu hohen Tempera-
turen erfolgen kann.
Dieses Schmelzen oder doch Sintern des thonigen Bestand-theils, welches Herr Pettenkofer in mehr als einer Hinsichtfür sehr wichtig hält, hat auch, wie derselbe anführt, Einflufsauf den Geschmack des Portland-Cements, welcher sehr indif-ferent, kaum merklich alkalisch ist.
Herr Pettenkofer führt ferner an, dafs dies Schmelzendes thonigen Bestandtheils im Mergel beim Brennen ein höchstwichtiges und wesentliches Moment sei, weil davon eine bishernoch nie beachtete, aber für den Zweck sehr wesentliche phy-sikalische Beschaffenheit des Pulvers, welches nach dem Bren-nen daraus hergestellt wird, abhängig ist.
Bei Vergleichung der Unterschiede eines baierischen Ce-ments aus der Gegend von Tegernsee, mit dem englischen Port-land-Cement, brachte Herr Pettenkofer die beiden Pulver die-ser Cemente, mit Terpentinöl befeuchtet, unter das Mikroskop,und bei Beobachtung der im Terpentinöl schwimmenden undrotirenden Theile, sah derselbe, dafs das Pulver des Portland-Cements fast nur aus kleinen Blättchen oder Schiefern be-stand, während das des andern sich sehr der Kugelform nä-herte; dafs sich sonach bei ersterem Flächen, bei letzteremhingegen Punkte-berühren, daher bei diesem so viele Zwi-schenräume mehr als bei ersterem entstehen. Hieraus ergab sich,dafs selbst bei gleicher chemischer Zusammensetzung ein Ce-ment besser sein kann als der andere. Zum Belege, wie sehr dieschieferartige Form des Portland-Cements die Wasserdichtigkeitdesselben unterstütze, führt derselbe noch die vom Londoner
*) Ein kalkartiger Kiesel-Sandstein von der Insel Portland.
**) Beim Sieben mehrerer Tonnen Portland-Cement durch ein feines Drahtsieberhielt ich verschiedene Rückstände, und fanden sich darin besonders vielfach kleine,diinne Blättchen von Eisen, Kreidekügelchen, Feuersteine und sehr leichte, bimstein-artige Schlackenstückchen vor.
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