Buch 
Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
Entstehung
Seite
10
JPEG-Download
 

10

erhärtetem Cement ist oft so fest wie Stein. Bei sehr langemLiegenbleiben auf dem Lager, oder langem Aussetzen derCement-Tonne in feuchter Witterung oder gar Nässe, nimmtdiese Rinde jedoch immer mehr zu, bis zuletzt der Cementin der Tonne eine einzige steinfest erhärtete Masse bildet.

Im Zustande, wie die Cement-Tonnen von England, beiglücklichem Transport, hier ankommen, ist der Cement in denTonnen durch die Einpressung jedoch gemeiniglich so fest,dafs man mit dem Finger nicht tiefe Eindrücke zu machenim Stande ist, und gewöhnlich mit einer kleinen, scharfen,eisernen Handschaufel ausgestochen werden mufs. Die hier-bei vorkommenden kleinen Klümpchen Cement werden mitder Hand zerdrückt.

Jede dieser Original-Tonnen enthält genau nach den Ab-messungen im Holzschnitt auf vorhergehender Seite:

im festgeprefsten Zustande 3,32 Cubikfufs Cement *)im aufgelockerten - 5,oo - **),

und wiegt durchschnittlich brutto 400 Zoll-Pfd.die leere Tonne durchschnittlich 25

daher durchschnittlich netto 375 Zoll-Pfd.

Es wiegt mithin im Durchschnitt:

1 Cbkf. Portland-Cement im aufgelockerten Zustande 75 Z.-Pfd.1 - - - festgeprefsten trockn. Z. 113 -

1 - - - verarb. fest. u. trockn. Z. 1164 - f).

Hiernach ermittelt sich das specifische Gewicht des Port-land - Cements ff ):

im aufgelockerten Zustande durchschnittlich auf 1,215im festgeprefsten - - - 1,831

im verarbeiteten festen - . 1 , 890 .

Die Original-Tonnen aus der Fabrik der Herren FrancisBrothers, White & Sons haben ziemlich genau die Gröfse,dasselbe Gewicht und dieselbe Verpackung, wie die aus derFabrik der Herren Robins & Co.

Die Tonnen sind an einem Bodenende jeder Tonne mitZetteln beklebt, mit der Aufschrift, wie solche in dem Holz-schnitt angegeben.

Die unteren Worte auf den Zetteln der Tonnen „Bottomopen the other end“ heifsen in der Uebersetzung: „Oeffnedas andere Ende der Tonne. “

Diese Bemerkung ist wohl zu beachten, da sie die Con-struction der Tonnen betrifft.

Wie aus der umstehenden Abbildung einer Original-Tonnezu ersehen, ist der untere Deckel derselben, rings um dieStäbe, in einen Falz eingelegt, und durch die hölzernen Bänder,oft auch noch durch ein eisernes Band, darin festgehalten, wäh-rend der obere Deckel, ohne diesen Falz, blofs zwischen zweidurch Nägel befestigte Bänder im Innern der Tonne festgehal-ten wird. Jedesmal auf dem in dem Falze liegenden Deckelder Tonne befindet sich auch der Zettel mit der Firma der

*) Eine wasserdichte Tonne wurde bis zur unteren Fläche des oberen Deckels vollWasser gegossen, und sodann dieses in einem Gefäfs, einen Cubikfufs enthaltend, ge-messen.

Hierdurch ermittelten sieh obige 3,32 Cubikfufs,

durch Rechnung.3,11

*’) Oder 2{§ Scheffel ä Cubikfufs,

oder 4,25 englische Bushel 'a 1,175 Cuhik-Duodecimal-Fufs Preufs.t) Ein Cubikzoll künstlichen Steins von reinem Port-land-Cement, mit Wasser geformt, scharfkantig

und mit glatter Flüche, wog trocken .... 1 Lth. 9,7 Quentch. Zollgew.

Ein Cubikzoll, der aus einem, in einer Tonne zuStein erhärteten, Portland-Cement-Klumpen ge-schnitten und sauber geschliffen war, wog trocken 2 - 0,8

ff) Das von dem Herrn Dr. Ilopfgartner in Dingler’s polytechn. Journal,Bd. 113, S. 354, angegebene specifische Gewicht des Portland-Cements von 3,05 beruhtauf einen Irrthum; denn in keiner Art des Zustandes erreicht der Cement dieses Gewicht.Hiernach würde der Cubikfufs Portland-Cement 188 Pfund wiegen, und sonach dasGewicht eines Cubikfufses Granit fast übersteigen.

Fabrik und obiger Bemerkung geklebt. Während nun dieTonne, der Anweisung gemäfs, auf dem anderen Ende mitleichter Mühe bei Beseitigung eines Bandes sich öffnen läfst,wird gemeiniglich die obige Bemerkung unberücksichtigt ge-lassen, im Gegentheil fast immer die Tonne da geöffnet, woder Zettel geklebt ist. Hierdurch wird dann die Tonne, weilder Deckel, ohne Beseitigung der ersteren Bänder, aus dem Falzgemeiniglich schwer heraus zu bekommen ist, sehr ramponirt,und entstehen dadurch zweierlei Nachtheile; erstens geht ausder häufig sehr beschädigten Tonne, durch die Fugen derlose gewordenen Stäbe, viel Cement verloren, und zweitensnimmt der Lieferant solche Tonne nicht zurück, in dem Falle,wenn demselben, jede gut erhaltene leere Tonne, nach Ueber-einkunft, gegen Entgeld in Abzug gebracht wird.

Es ist daher nothwendig, dafs die Leute zum Oeffnender Tonnen dieserhalb mit Instruction versehen werden, undwäre es sehr zweckmäfsig, wenn die Lieferanten obige hieraufbezügliche Worte auf den Zetteln in deutscher Sprache, aufeinem Papierstreifen, auf den betreffenden Deckel der Tonnenkleben lassen wollten.

Seit Einführung; des echt englischen Patent-Portland-Cements in Deutschland, vor etwa 16 Jahren, hat sich derselbeim Allgemeinen bis jetzt in fast gleicher Güte erhalten, undes wäre zu bedauern, wenn diesem vortrefflichen Material,dessen Eigenschaften dem Bauenden so überwiegende Vortheile und Nutzen darbieten, ein gleiches Schicksal, wie demfrüher so vorzüglichen Roman-Cement widerfahren sollte.

Unverfälschten, echten englischen Patent-Portland-Cementvon Robins & Co. in den beschriebenen Original-Tonnen, er-hält man in Berlin bei den Herren Czarnikow & Co., Prenz-lauer Strafse 30, gegenwärtig für den Preis von 5| Thlr. proTonne. Andere englische Cemente werden hier pro Tonnezu 4| Thlr. franco Baustelle verkauft.

Da der ursprüngliche Preis von 5§ Thlr. pro englischeOriginal-Tonne von400 Zoll-Pfd. Brutto-Gewicht, gegenwärtigin Berlin durch die inländische Concurrenz, bei gleicher Güteund Gewicht des Cements, auf 4| Thlr. und bei Abnahme grö-fserer Quantitäten bis auf 4 Thlr. herabgedrückt worden ist,so sind es jetzt namentlich die billigen englischen Portland-Cemente, deren Güte nicht durchweg gleich ist. Dies liegtjedoch weniger in den Fabriken, als vielmehr in der Art undWeise der Versendung des Cements, die gegenwärtig zum gro-fsen Theil, der Billigkeit wegen, da Tonnen in London theuersind, in Säcken geschieht, und hierdurch bei dem langenTransport zur See die Güte und Bindekraft des Cementsbeeinträchtigt wird.

Bereits im Jahre 1850 begannen in Berlin, und 1852 auchin Stettin, noch in sehr kleinem Maafsstabe die Versuche zurDarstellung von Portland-Cement. Die fortgesetzten Versuchewurden endlich durch den besten Erfolg gekrönt. Es ent-standen seitdem die Portland-Cement-Fabriken der HerrenHafsl inger und Schüttler in Moabit bei Berlin; die in Stettinmit einem Actienfonds von 300000 Thlr. errichtete Fabrik unterder Direction des Consul Herrn Gutike; die Fabrik des Con-sul Plerrn Quistorp in Lebbin (Insel Wohin); die Fabrik derHerren Mejer & Co. in Wildau, bei Neustadt-Eberswalde;die Portland-Cement-Fabrik in Oppeln, Ober-Schlesien; inOesterreich, die priviligirte Portland-Cement-Fabrik von AloisKr afft in Kuffstein, General-Depot für ganz Oesterreich beiJosef Neumüller in Wien u. s. w.

Die vaterländischen Fabriken liefern seit Jahren nun ei-nen Portland-Cement, der dem echten, unverfälschten engli-schen in keiner Weise an Güte nachsteht.

Für die mannigfachen in Ausführung begriffenen indu-striellen Unternehmungen, der vielen bergbaulichen Anlagen,für Staats- und Privat-Bauten der verschiedensten Art, sowie