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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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21
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Ueber Ausführungen von Cement-Arbeiten im Allgemeinen.

Unterwirft man die, seit etwa 13 Jahren in Berlin aus-geführten, höchst mannigfaltigen Arbeiten mit Portland-Oementeiner Prüfung, unter Berücksichtigung ihrer Lage und der Um-stände, unter welchen die Arbeiten entstanden und benutztsind, so zeigen sich mancherlei Verschiedenheiten in Bezug aufGüte, und Dauer derselben.

Bei der mangelhaften Kenntnifs, welche man anfänglichvon der Natur und den Eigenschaften des Cements hatte, wares unvermeidlich, dafs bei seiner Verwendung, durch oft will-kürliche Behandlung, mancherlei Mifsgriffe begangen wurden.Dazu kam, was auch jetzt noch häufig der Fall ist, dafs dasbauende Publikum, durch allseitige Anpreisungen des Cementsvon verschiedenen weniger bekannten auswärtigen Fa-briken und deren Agenten, in dem Ankauf der wirklichguten Waare irre geleitet wurde.

Wenn auch gegenwärtig der Portland-Cement in verschie-denen Fällen seiner Anwendung den Anforderungen nicht im-mer genügt, so liegen die Ursachen, nach den bisherigen Beob-achtungen und Erfahrungen, nicht immer an der schlechtenBeschaffenheit derselben, sondern in Folgendem:

1) In der sorglosen Aufbewahrung des Cements auf Bau-stellen.

2) In der gröfseren Zumuthung an seine Wirksamkeit, alser sie seiner Natur nach hat.

3) In der nicht sachgemäfsen Verarbeitung und Verwen-dung des Cement - Mörtels. Meistens ist der zum Mörtelverwendete Sand schlecht oder in gröfserer Menge bei-gemischt worden, als der Zweck der Verwendung desMörtels es gestattet.

Arbeiten, zu welchen das Material aus anerkannt bestenQuellen bezogen wurde, und wo die Verwendung des Cementseine sachgemäfse war, haben bisher Hitze, Frost und Nässe,schroff abwechselnden Witterungseinflüssen, sowie der unaus-gesetzten Benutzung ganz vorzüglich widerstanden.

Sollen demnach bei Verwendung dieses sowie anderer Ce-mente die gröfstmöglichsten Resultate, bezüglich ihrer Festig-keit und Dauer, erzielt werden, so wird man einige Mühe undAufmerksamkeit auf Alles, was die Natur oder die besonderenEigenschaften dieses oder jenes Cements bedingt, nicht scheuendürfen. Um diese zu errreichen, ist erforderlich:

1) Dafs der Cement aus anerkannt rellen Fabriken oderHandlungen bezogen werde, und die Aufbewahrung des-selben, das Zusatzmaterial, die Bereitung des Mörtels unddie Verwendung desselben, gut und sachgemäfs geschieht.Ueber alles dieses ist das Notlüge in Betreff des Port-land-Cements, auf Seite 6 bis 20 enthalten, und sollen imNachfolgenden nur noch die, bei Ausführung von Cement-Arbeiten zu beobachtenden Vorsichtsmafsregeln im All-gemeinen angedeutet werden.

Je nach dem Zwecke und der Construction werden Ce-ment-Arbeiten entweder aus reinem Cement-Mörtel, aus einem

orte mit Zusatz von Sand, aus Beton, oder aus Cement-Mörtel mit Anwendung von künstlichen oder natürlichen Stei-nen gefertigt.

2) Alles Stein-Material ist schmutz- und staubfrei zu ver-wenden. Volle, hohle oder poröse Back- und Dachsteinemüssen von vorzüglicher Beschaffenheit, gut gebrannt,und von möglichst gleichem Format, und die Dachsteineinsbesondere nicht windschief sein. Backsteine mit sehrglatter Oberfläche, wie dergleichen unter den Schnitt- und

Prefssteinen vielfach Vorkommen, behindern wegen die-ser Glätte das kräftige Anhaften des Cement-Mörtels.

3) Das gehörige Annässen des Stein-Materials ist von be-sonderer Wichtigkeit. Je sorgfältiger und nachhaltigerdieses Annässen vor, während und nach einer Arbeit, zu-mal bei dem Portland-Cement, geschieht, desto gröfsereFestigkeit gewinnt der Cement-Mörtel, und wird durchdas Nafserhalten das Erhärten desselben, bis zur voll-kommensten Steinhärte, beschleunigt.

Die Bedingungen für das Erhärten des Cement-Mörtelssind in seinen Bestandtheilen selbst zu suchen. Diese be-stehen vorzugsweise in Kieselsäure, Thonerde und Kalk erde;sie treten miteinander in Wechselwirkung und verbinden sichchemisch.

Die Vereinigung dieser Bestandtheile beginnt, sobald derCement mit Wasser angerührt worden ist; je nach der Gütedes Cements schreitet sie schneller oder langsamer fort.

Da die vorhandene Kalkerde durch die Kieselsäure undThonerde in Anspruch genommen wird, so wirkt auf jeneweder die in der Luft, noch die im Wasser enthaltene Koh-lensäure ein.

Das Zusammentreten von Kieselsäure, Thonerde und Kalk-erde wird durch die, in den Cementen enthaltenen Alkalienbewirkt; sie übertragen gleichsam die Kieselsäure und Thon-erde an die Kalkerde, indem sie theilweise mit dem zuge-setzten Wasser in Verbindung gehen.

Dieser Prozefs findet am besten dann statt, wenn die mitCement ausgeführten Arbeiten einige Zeit feucht erhaltenwerden; man begünstigt dadurch ein dauerndes Fortschreitendes chemischen Prozesses.

Die Vereinigung der Bestandtheile wird so innig, dafs derMörtel meist härter ist, als das Material, dem er als Binde-mittel dient. Sandzusätze macht man rein aus ökonomischenRücksichten.

Um kleinere Bautheile nach ihrer Anfertigung längerfeucht zu erhalten, werden diese häufig auch mit Erde be-schüttet oder in Erde vergraben.

Welchen Einflufs das Annässen mit der Zeit auf die Festig-keit des Cements äufsert, bemerkt man beispielsweise an den,vor 10 Jahren mit Portland-Cement gefertigten, künstlichenFelsen, Wasserfällen und Quelleneinfassungen in dem Palmen-hause des Commerzien-Raths Herrn Borsig in Moabit. Durchdie stete feuchte warme Luft, welche die tropischen Gewächsebedingen, und in Folge dessen die Felsen durch Condensationfortwährend feucht erhalten werden, haben diese künstlichenSteingebilde mit der Zeit eine Härte und Festigkeit erlangt, dievon dem festesten Sandstein nicht übertroffen werden dürfte.

Das Annässen des Stein-Materials kurz vor oder währendder Verwendung des Mörtels, in gewöhnlicher Weise, durchBespi’itzen mittelst des Maurer-Pinsels, genügt bei Cement-Arbeiten indefs durchaus nicht. Vielmehr müssen Mauer- undDachsteine vor der Verwendung in einem Gefäfs mit Wasserbis zur Sättigung eingetaucht liegen. Je nach der mehr odermindern Dichtheit der Masse und der Trockenheit der Steineerfolgt diese Sättigung langsamer oder schneller, unter minderoder stärkerem Schwirren und Aufsteigen von Luftblasen.Verlieren sich letztere Erscheinungen, so ist dies ein Beweis,dafs das Wasser die Luft aus den Poren der Steine verdrängt,diese sich mit Wasser gefüllt haben, und so die Sättigungeingetreten ist.

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