23
I. Anwendung der Gemente ohne Beimischung von Sand,
Allgemeines,
Arbeiten, welche von Cement-Mörtel, ohne irgend einenZusatz von Sand und dergleichen ausgeführt werden, kommenim Allgemeinen nur in geringem Umfange vor, einestheilsweil der Cement, in reinem Zustande zu Mörtel bearbeitet, derLuft ausgesetzt, in seiner Oberfläche leicht Risse erzeugt,andern theils die Arbeiten vertheuern würde, weil ein jederZusatz den Preis des Mörtels wesentlich verringert.
Reiner Cement-Mörtel findet hauptsächlich Anwendungbei Mauer-Arbeiten unterWasser, wo es auf schnelle Erhär-tung des Mörtels und auf Wasserdichtigkeit insbesondere an-kommt.
Unter Wasser entstehen in reinem Cement-Mörtel nieRisse, und in ruhigem, selbst in mäfsig fliefsendem Wasserwird ein solcher Mörtel nur in seiner Oberfläche angespült,und widersteht schon in einigen Minuten dem Wegspülen.
In fliefsendem Wasser ist es jedoch von Wichtigkeit, dafsder reine Cement-Mörtel schnell erhärte, damit derselbe nichtvom Wasser weggespült werde.
In stark fliefsendem Wässer sind deshalb besondere Vor-sichtsmafsregeln zu treffen, wenn Cement-Arbeiten mit Erfolgausgeführt werden sollen. Dahin gehören: Stauung des Was-sers durch theilweise oder gänzliche Abdämmung, um ein hin-reichend langsam fliefsendes oder ruhig stehendes Wasser zuerhalten, oder Versenkung des Betons mittelst Senkkasten,welche letztere bis über den Bestimmungsort des Betons ge-bracht und erst hier geöffnet werden.
Aufser der nachfolgend bezeichneten Anwendung des rei-nen Cement-Mörtels wird derselbe noch zum Giefsen kleinererGegenstände in Formen, sowie beim Vollenden der mit Sand-zusatz herzustellenden Arbeiten angewendet.
Ausfüllung von Rissen und Sprüngen und Verstopfen von Quellen in Wassermauern.
Die Methode, vermittelst Einp res sens von Cement, schad-hafte Stellen in Bauwerken, wie Risse und Sprünge, oder Fun-damente, welche ausgespült sind, zu repariren, resp. zu er-neuern, sowie Quellen in Wassermauern zu verstopfen, istbereits seit mehreren Jahren von französischen Ingenieurenvielfach mit Erfolg, namentlich bei-Wasserbauwerken, ange-wendet worden. Sie besteht darin, reinen Cement-Mörtel indie auszufüllenden Theile mittelst einer Pumpe einzupressen.Die Vorrichtungen, welche man hierzu gebraucht, bestehengewöhnlich aus hölzernen oder gufseisernen Röhren mit einemPumpenkolben von Holz.
Beim Gebrauch wird die Pumpe in eine vorgerichteteOeffnung des Mauerwerks gesetzt, der reine Cement-Mörtelhalbflüssig in die Pumpe eingefüllt, darauf ein Pfropf vonWerg oder eine Lederscheibe und dann der Kolben aufgesetzt,welcher nun mit einigen Schlägen niedergetrieben wird.
Der General-Inspector der Brücken und Chausseen HerrBerigny war der erste, der diese Methode an einer Schleuseim Hafen von Dieppe 1802 anwandte*). Er beschrieb die-selbe in einer Schrift:
Memoire sur un procede d'injection, par Charles Berigny;
Inspectetir general des ponts et chaussees. Paris 1832.
Die Pumpe, welche Berigny zum Injiciren oder Ein-spritzen von hydraulischem Mörtel anwandte, bestand aus ei-nem hölzernen Druckrohre von 0,os bis 0,i Meter Weite mitmetallenem Mundstück und hölzernem Kolben. Eine 1818 imHafen von Rochefort angewandte Pumpe hatte 0,16 Meter
Weite, und ihr Kolben wurde durch eine kleine Ramme vor-wärts getrieben.
Raynal*) hat sich am Kanal du Midi desselben Ver-fahrens bedient. Er hatte eine Pumpe von Erlenholz von0,7o Meter Länge und 0,os Meter Weite mit einem Kolben vonEichenholz; die Pumpe wurde mit halbflüssigem Wassermörtelgefüllt und der Kolben sodann mit einem grofsen Hammereingetrieben; der Erfolg war ganz zufrieden stellend.
Briere de Moudetour verstopfte in angegebener Art1832 mittelst Injections-Pumpen von 0,2 Meter Weite, derenKolben ebenfalls mit der Ramme bewegt wurde, Wasser-zugänge in der Schleuse von Royaumont.
Mary wandte dasselbe Verfahren 1820 an der Schleusezu St. Simon, und 1827 an der Schleuse von Hüningen an,er nahm Pumpen von 0,i Meter Weite.
Sind die Verbindungen der Steine eines Schleusen-Mauer-werks gelockert und die Fugen vom Mörtel entblöfst, so wirktdas Wasser, bei den häufigen Veränderungen der Wasserstände,durch Füllen und Entleeren der Schleusenkammern in man-nigfacher Weise auf die Zerstörung des Mauerwerks ein.
Beim Füllen der Schleuse dringt das Wasser in die ge-lockerten Fugen, in verschiedenen Höhen der Mauern ein, löstund wäscht den Mörtel in den Mauern auf und aus, und beimEntleeren der Schleuse strömt dann das Wasser mit aufge-lösten Mörteltheilen wieder aus den gelockerten Fugen heraus.Diese foi'tgesetzten Wirkungen vermehren nach und nach dieBeschädigungen des Mauerwerks, und wenn man sich nicht
*) Annales des ponts et chaussdes, Juin 1840, und in Dineler’s nolvt Journal.13 J- 85, S. 177.
*) Annales des ponts et chaussees , 1837, /. p . 50.
6