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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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sie gebraucht wird. Fig. 6 zeigt den Beschlag des Pumpen-schwengels von oben gesehen. Fig. 7 stellt den Durchschnittder Pumpe mit dem Kolben nach x, y in Fig. 5 dar. Fig. 8zeigt den Durchschnitt des in einer Mauerspalte angebrachtenMundstücks.

Der Erfolg entsprach vollkommen der Arbeit. Um diePumpe gehörig rein zu erhalten, wird sie nach gemachtemGebrauche, bevor sie von Neuem gefüllt wird, jedesmal gutmit Wasser ausgespült.

Fundamente, welche ausgespült sind, hat man durch stofs-weises Einpressen von Cement ebenfalls zu repariren und zuerneuern versucht *).

Nebenstehende Fig. 1 zeigt eine Anordnung, um Cement

unter eine Mauer zu bringen, a istder Querschnitt einer Mauer mitverticalen, durchgeschlagenen Lö-chern c, c, c. Mittelst der Pumpe bwurde der Cement in den Raum deingeprefst.

Diese Methode, schadhafteFundamente wieder herzustellen,dürfte nur bei besonders günsti-gen örtlichen Verhältnissen anzu-wenden und von ausreichendemErfolge sein. Das Durchstemmenvon Löchern in einem an und fürsich destruirten Mauerwerk, undbei nicht voraussichtlich sicheremErfolge der Wiederherstellung, läfst diese Methode nicht nach-ahmungswerth erscheinen.

Bei ausgespülten oder unterwaschenen Fundamenten wirdman die zwar kostspieligen, aber sicheren Mittel, als Anlageeines Fangedammes längs der beschädigten Fundamente, Aus-schöpfen der Baustelle, Reinigen derselben von gelockertenund verschobenen Steinen, Schlamm u. s. w., und demnächstsorgfältige Untermauerung mit Cement, der obigen Methodevorziehen.

Bei Anwendung der Methode mittelst Einpressens vonCement Quellen, Risse und Sprünge in einem Mauerwerk aus-zufüllen, sowie Durchsickerungen in überwölbten Aquäducten zuverstopfen, bedienten sich damals (1802, 1818, 1820, 1827 und

1832) die französischen Ingenieure des natürlichen Ce-ments [Raynal 4 Theile ungelöschten Kalk und 6 TheilePuzzolane *)], welcher bei weitem geringere hydraulische Eigen-schaften besitzt, als die jetzt erfundenen künstlichen Ce-mente. Bei Anwendung von Portland- oder Medina-Cementwird man daher bei derartigen Arbeiten weit erfolgreichereResultate zu erlangen im Stande sein.

In Fällen, wo eine schnelle Erhärtung des Cements nichtunumgänglich nöthig war, wandte man auch zur Verminderungder Kosten des Mörtels einen geringeren Zusatz von feinemSande an. Zu den obigen Cement-Arbeiten ist jedoch einZusatz selbst von feinkörnigem Sande nicht zu empfehlen. Indem flüssigen Zustande, in welchem der Cement-Mörtel hierzuverwendet werden mufs, setzen sich die.Sandkörner, vermögeihrer Schwere, zu Boden und bilden ungleichartige und un-gleichfeste Schichten.

Kleinere Oeffnungen im Mauerwerk, durch welche Wasserstark eindringt, können auch mit reinem Cement-Mörtel inder Weise verstopft werden, dafs man den Mörtel, nachdemderselbe angerührt worden, seine Erhärtung beginnen läfstund ihn alsdann mit einer Maurerkelle so lange in die Oeff-nung drückt und dort festhält, bis er vollständig erhärtet ist.

Sprünge und Risse, wie etwa in Brückenpfeilern oderanderem starken Mauerwerk, lassen sich, aufser den sonstetwa nöthigen anzubringenden Verankerungen, dadurch mög-lichst ausfüllen und wiederherstellen, wenn man den Cementmittelst der vorbeschriebenen Pumpen rasch und kräftigin’s Innere des Mauerwerks einprefst. Durch Erfahrungfindet sich bestätigt, dafs der flüssige Cement, bei continuirlichraschem Einpumpen, alle Höhlungen und Spaltungen einerschadhaften Mauer (bei eingebohrten Löchern oder Einsetzenin die zu Tage stehenden Spaltungen) nach Wunsch ausfüllenwird, insofern man den Cement nur tief genug, am bestendurch biegsame Röhren von Kautschuk, eindringen läfst. Hier-bei ist nothwendig, dafs man vorher etwas Wasser durch diePumpe vorausschicken-mufs, um dem Cement die Wege zubahnen und um Staub und Schmutz zu beseitigen; auch darfman mit dem Pumpen nicht eher innehalten, bis die vorge-nommene Stelle gefüllt ist, und nachdem dies geschehen, mufsdie Pumpe sogleich ausgespült werden.

Fig. 1.

Vergiefsen der Fugen im Mauerwerk und in nicht dicht schliefsenden Spundwänden.

v . . fallen, wo es auf eine schnelle Erhärtung und Wdichtigkeit des Cements ankommt, werden die FugenZiegel- oder Quadermauerwerks auch mit reinem CeMörtel vergossen und in den Aufsenflächen, welche demser ausgesetzt sind, Stofs- und Lagerfugen mit gleichem CeMörtel sorgfältig ausgefugt.

Beim Einrammen von Spundpfählen kommt es niclten vor, dafs bei aller möglichen Sorgfalt in vorherige:mgung der Baustelle von Steinen und Holzüberrestenzweckmafsiger Anwendung von Zwingen, einige der Spfähle in Nuth und Federn nicht schliefsen oder schstehen kommen, und dadurch undichte Stellen in der Swand entstehen.

*) Mahan an elementary course of civil Engineer, New-York, 1848

Fig. 2.

Bei mehreren Brückenbauten, und namentlichbei dem Gerinne der im Jahre 1849 und 1850 neuerbauten Königl. Gewehr-, Bohr-, Schleif- und Polir-Mühle bei Spandau, wandte der Verfasser zur Dich-tung nicht schliefsender Fugen in 6 Zoll starkenSpundwänden mit Vorth eil reinen Gement-Mörtelin der Weise an, dafs die seitlich offenen Fugen,so weit sie dem Wasser ausgesetzt waren, durchdünne Brettstücke aa, in nebenstehender Figur 2,gedeckt und sodann strengflüssiger Portland-Ce-ment eingegossen wurde. Nach Erhärtung des Ce-ments wurden die Brettstückchen wieder entfernt.

*) ln einigen Fällen wurde der hydraulische Kalk, frisch aus dem Ofen, zerrieben,und ohne ihn abzulöschen, verbraucht, damit er bei der Ausdehnung, welche das Ab-löschen begleitet, die Räume um so vollständiger ausfülle. Diese Ausdehnung in ein-geschlossenen Räumen kann jedoch dem Mauerwerk schädlich werden.