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Practische Anleitung zur Anwendung der Cemente zu baulichen, gewerblichen, landwirthschaftlichen und Kunst-Gegenständen : bearb. von W.A. Becker
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Die Ausführung dieser Felsenpartie ist vorzüglich, nament-lich hat der Ueberzug von Portland-Cement sich vortrefflich,ohne alle Risse und ohne irgend eine Reparatur, erhalten undmit jedem Jahre, wie der Verfasser beobachtet, hat die Festig-keit des Ueberzuges zugenommen. Insbesondere bei dieser

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Anlage, welche vor etwa 10 Jahren ausgeführt, haben sichfrüher gemachte Beobachtungen bestätigt, dafs die Festigkeitdes Portland-Cements in einer stets feuchten Atmosphäre mitder Zeit wesentlich erhöht wird. Zu dieser grofsen Festig-keit des Ueberzuges hat nicht minder auch die Beimischungvon Eisenfeilspänen zum Ueberzugs-Mörtel beigetragen. Gegen-wärtig ist der Portland-Cement-Ueberzug so fest, wie der här-teste natürliche Stein.

Ueberragende Theile von Felsen können, bei der grofsenBindekraft und Festigkeit des Portland-Cements, ohne Gefahr2 Fufs, selbst bis 4 Fufs weit freitragend ausgeführt werden,wenn diese Theile aufser ihrem eigenen Gewichte keine son-stige Belastung erleiden. Zur Entlastung des eignen Gewichtssind zu solchen überragenden Felsenpartien insbesondere po-röse Steine, die bei gleicher Gröfse um wenigstens die Hälfteleichter als gewöhnliche Mauersteine sind, zu empfehlen, undwelche man je nach der Gröfse und Form der überragendenTheile entweder unverkürzt, oder in Stücken von der Gröfseeiner Wallnufs oder Hühnereis vermauert.

Im erstem Falle ist eine leichte Unterschaalung erforder-lich, im andern Falle wird der Mörtel, 1 Theil Portland-Cementund 1 auch 2 Theile Sand, allmälig angetragen und die ein-zelnen Steinstücke dann eingedrückt. Bei nicht zu langsambindendem Cement-Mörtel kann diese Arbeit ununterbrochenohne Unterschaalung ausgeführt werden.

Statt poröser Steine verwendet man zu diesen Arbeitenauch Bims- oder Tuffsteine und Schlacken. Hohle Steine sindhierzu weniger tauglich.

Bei noch gröfserem Ueberragen einzelner Felsenpartiensind Eisenconstructionen von Stab- oder Quadrateisen erfor-derlich, die das Gerippe bilden und den ummauerten Kerntragen helfen.

Fig. 6.

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Felsenpartien, von denen man, von einem Plateau aus,eine schöne Fernsicht in einen Park geniefsen will, und diegleichfalls unterhalb einen freien Durchgang gewähren sollen,nach vorstehender Fig. G, werden im Kern von regelrechtemMauerwerk in Cement aufgeführt und je nach der Spannweiteder Oeffnung \ bis 1| Stein stark überwölbt. Bei nicht weitenOeffnungen kann die Ueberdeckung auch durch Cement-Gufs-gewölbe auf Rüstung und Schaalung hergestellt werden.

Die Formation der Felsen geschieht dann durch allmäligesAnträgen von Cement-Mörtel, und durch das Eindrücken inselbigen mit zerschlagenen, faustgrofsen Steinen.

Sollen künstliche Felsen gleichsam als Postamente zurAufstellung von Figuren - Gruppen, Statuen u. s. w. dienen,so mufs der Kern derselben von regelrechtem Mauerwerk,von guten Ziegel- oder Quadratsteinen und Cement gebildet,und angemessen der Last, die darauf ruhen soll, auch gutfundamentirt sein. An diesen Kern schliefst sich dann die

Formation des Felsens an, dessen wenig hervortretende Theiledurch Cement-Mörtel, und bei mehr vortretenden Theilendurch Cement-Mörtel mit eingedrückten Mauer- oder Dach-steinstücken, äufserlich dann mit reinen Cement-Mörtel über-gossen, gebildet werden.

Mehrere derartige, sehr gelungene und schön mit Epheuumrankte Felsenunterlagen befinden sich in dem Park des HerrnBorsig in Moabit. Eine von diesen, auf welcher die Kifs’scheAmazonen-Gruppe ruht, stellt Fig. 1 Bl. I dar.

Künstliche Felsen lassen sich auch in der Weise dar-stellen, dafs die einzelnen Stücke vorher in Werkstätten zu-gerichtet und dann an Ort und Stelle zu einem Ganzen ver-setzt werden.

Auch selbst auf einem Gerippe von Holz, in verschiedenerGestalt und Gröfse construirt, können künstliche Felsenmassengebildet, dann an jeden beliebigen Ort transportirt und auf-gestellt werden.

Eine derartige Felsenpartie von ansehnlicher Gröfse liefsHerr March, vor etwa 10 Jahren, auf dem hintern Hofeseines Hauses, zur Aufstellung von Thon-Figuren durch denHerrn Fehse errichten.

Das Gerippe ist von Kreuzholz 4 und 5 Zoll stark, äufser-lich verschaalt mit Rohrnägeln im Zickzack benagelt und sodann mit Eisendraht überzogen, so aber, dafs das Drahtgeflechtetwa j, bis \ Zoll von der Schaalung absteht. Auf dieses Ge-flecht wurde der Cement-Mörtel aufgetragen, und bei denmehr vortretenden Theilen des Felsens, Steinstücke in denMörtel eingedrückt und äufserlich dann mit Cement-Mörtelübergossen.

Vor etwa 5 Jahren liefs Herr March diese Felsenpartievon der ursprünglichen Stelle abbrechen und selbige auf einerandern Stelle, in der Mitte des Fabrikhofes, zur Einrichtungeines Abtritts für die Arbeiter, aufstellen. Der Vorraum sowiejede der Zellen dieses Abtritts ist geräumig.

Die sämmtlichen Räume werden durch ein Oberlicht hin-länglich erleuchtet.

Innerhalb ist das Holzgerippe des Felsens verschaalt, be-rührt und geputzt worden.

Diese künstliche Felsenpartie ist von aufserordentlicherFestigkeit, die geschehenen Zusammenfügungen mit Cementsind durchaus nicht zu erkennen, so dafs der Felsen als voll-ständig im Ganzen construirt erscheint.

Diese Substructionen, welche zur Stützung von ansehn-lichen Felsenpartien nöthig, sind gleichfalls auch in einemParke zu Anlagen von Gemüse-, Frucht- oder Eiskeller, sowievon Grotten zu benutzen.

Werden Grotten in einem Parke besonders, ohne inVerbindung mit Felsenpartien, ausgeführt, deren Ummantelungein Erdkegel bildet und dessen Plateau ein Belvedere schmückt,Fig. 1, 3 und 4 Bl. 2 *), so mufs die Ummauerung und Ueber-wölbung derselben mit festen Ziegel- oder Quadersteinen inCement geschehen.

Häufig sind diese Grotten nischenartig von halbkreis-förmiger Grundform, wie eine dergleichen im Parke des HerrnBorsig in Moabit sehr schönausgeführt; nicht selten jedochbestehen selbige aus einem geschlossenen, überwölbten Raumein mehreren Abtheilungen, die ihr Licht von oben durch denangeschütteten Erdkegel erhalten.

Die Incrustation des gemauerten Kerns, innerhalb derGrotten, wird dann mit Schlacken, Glasflufs, Tuff- oder Tropf-stein, schillernden Muscheln u. s. w., die in Portland-Cementeingedrückt werden, bewirkt.

Bei kleinen Grottenbildungen, die blofs zur Zierde eines

*) Diese ansgeführten Anlagen sind entlehnt aus:

„Victor Petit, habitations champetres. Ilecucil de maisons, villas, chalets,

Pavillons etc. Paris. “