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Röhren.
Allgemeines.
Die Darstellung der Röhren von Portland-Cement geschiehtin verschiedener Weise:
Gleich an Ort und Stelle, so dafs Anfertigungund Verlegung einen Act bildet.
In besonderen Formen in Werkstätten, und
Mittelst Anwendung von Centrifugalkraft, diedie Anwendung eines Formkerns überflüssig macht.
Die Anfertigung der Röhren gleich an Ort und Stelle
erspart den Transport, eine umständliche Verlegung und sinddieselben in einfacher Weise schnell und billig herzustellen.
Diese Darstellungsweise von Röhren wurde bereits vondem Professor Herrn Fleuret in Paris im Anfänge diesesJahrhunderts angewandt und in Deutschland durch die Cement-Fabrikanten Herren Gebrüder Born in Erfurt, soviel bekannt,zuerst, und zwar in verbesserter Weise, in Ausübung gebracht.Sie veröffentlichten ihr Verfahren bereits 1854 in Dinglerspolyt. Journal Bd. 134 S. 136.
Hiernach, so wie nach den gütigen, ausführlichen Mitthei-lungen, welche der Verfasser von den Herren Gebrüdern Bornerhielt, ist das Verfahren folgendes:
Angenommen, man verlangt Röhren von 2 Zoll Bohrungund 2 Zoll Wandstärke, so ergiebt dies einen Querschnitt von6 Zoll Quadrat. Der Graben, in welchem die Röhre gelegtwerden soll, wird 18 Zoll breit und zur Sicherung gegen denFrost 3 Fufs tief ausgehoben, in der Sohle geebnet und fest-gestampft.
Die Form besteht, nach Fig. 10 Bl. 9, aus 2 Seitenbretterna u von 6 Fufs Länge und 6 Zoll Breite, zwei Stirnbrettern b bvon 6 Zoll im Quadrat, in jedem ein kreisförmiges Loch, vonder Gröfse der Bohrung und einem hölzernen behobelten Kern cvon etwa 6^ Fufs Länge, der durch die Löcher der beidenStirnbretter gesteckt wird.
Zur Stützung der Seitenbretter legt man äufserlich Steine,und damit diese nicht nach innen fallen, klemmt man zweiStückchen Holz oberhalb dazwischen.
Zum bessern Schliffs der Form kann man sich auch einPaar eiserner Klammern n und kleine Haken mit Oesen d be-dienen.
Ist diese Form so geschlossen in der gehörig nach demGefälle geebneten und festgestampften Sohle des Grabens, nachFi«-. 10 Bl. 9, aufgestellt, so wird der Cement-Mörtel in derForm ausgebreitet und mittelst der Kelle vorsichtig unter denKern gestopft, um hier Fehler in der Röhre zu vermeiden.Um den Kern wird dann vollends der Cement-Mörtel mit derKelle bis zur Füllung der Form eingedrückt und glatt ge-strichen*).
*) Die Herren Gebrüder Born wandten zur Darstellung dieser Röhren ihren Cementvon der Mischung 1 Theil Cement und 1 Tlieil scharfen gewaschenen und möglichsttrocknen Sand an, welche Theile trocken gut zusammengemengt, mit Wasser dann all-miihlig übergossen und tüchtig durchgearbeitet wurden, so dafs der Mörtel nicht zu dünn,sondern die Consistcnz des gewöhnlichen Kalk-Mörtels hatte. Der von den Herren Ge-brüdern Born fabricirte Cement ist von vorzüglicher Güte und vielfach zu den Bauten derThüringer Eisenbahn verwendet worden.
Bei Anwendung von l’ortland-Cement würde bei nicht grofsem Wasserdruck einMörtel von 1 Theil Cement und 2 Theilen Sand auch Beton mit 2 — 3 Theilen zerschla-genen Steinstücken, in Gröfse einer Wallnufs, zu dieser Mischung ausreichend sein.
Bei hohem Wasserdruck ist die Mischung 1 Theil Cement und 1 Theil scharfenSand zu verwenden.
Nachdem man nun einige Minuten gewartet hat, drehtman den Holzkern c durch langsames Winden heraus,*) löfstund beseitigt die Seitenbretter, und das Röhrstück ist nunfertig, so dafs bei schnell bindenden Oementen schon nacheinigen Stunden der Graben zugeschüttet werden kann.
Man schreitet nun zu dem zweiten Röhrstück, indem mandas eine Stirnbrett b , Fig. 11 Bl. 9, wiederum um 6 Fufs vondem bereits gefertigten ersten Röhrstück m im Graben, mitden beiden Seiterbrettern a a, aufstellt und den Kern c durchdie Oeffnung des Stirnbretts b bis einige Zoll etwa in dieMündung der Bohrung des vollendeten Rührstücks m einschiebt,wodurch nun das zweite Stirnbrett b, in Fig. 10, überflüssigwird.
In dieser Weise wird nun fortgefahren und nach Beendi-gung der Anlage von beliebiger Länge, bildet diese nur ein ein-ziges, fest und innig verbundenes, gleichartiges Rohr. Um sicherzu sein, dafs der untere Theil der Röhren fehlerfrei wird, kannman nach Aufstellung der Form, bevor man den Holzkern ceinlegt, den Cement-Mörtel in dieser in der Höhe von 2 Zollgleichmäfsig ausbreiten und dann erst den Kern einlegen; da-bei ist jedoch zu beobachten, dafs sich an dem einen Endedes Kerns, welches in die Röhre greift, nicht etwa Cement-Mörtel ansetzt und mit in die Mündung des Rührstücks ge-bracht wird, wodurch diese verstopft werden könnte. Umnach Anfertigung eines Rührstücks zum folgenden Stück dieSeitenbretter nicht lösen zu müssen, sind diese zweimal anzu-fertigen.
Besteht der Untergrund aus lockerem Boden, so läfst sichderselbe durch eine Beton-Lage, gehörig gestampft, dichtenund befestigen.
Wesentlich wird die Erhärtung des Cements gefördert,wenn man die gefertigte Röhrenleitung alsbald mit Wasserfüllt und etwa 3—4 Wochen lang damit in. Berührung läfst.
Soll die Röhren-Anlage sogenannte Schlösser haben, sowird ein etwa 6 Zoll langer hölzerner Spund e, Fig. 11 Bl. 9,auf den Kern c gesetzt, und dieser Spund dann mit Cementumhüllt. Nach einigen Stunden der Erhärtung wird mit derFortnahme der Form des Röhrstücks, auch dieser Spund mit-telst eines Bohrs und durch einige leise Schläge, herausge-zogen und es erscheint ein ganz glattes, regelmäfsiges Loch,welches vorerst gut zugedeckt und in der Aufschüttung zubezeichnen ist.
Diese Schlösser werden zu Brunnenständern, Springbrun-nen, zum Anschrauben von Schläuchen, behufs Bewässerun-gen u. s. w. benutzt.
In ähnlicher Weise werden alle 100 — 150 Fufs die Ein-steige - Schachte bei Röhren von gröfserem Durchmesserangelegt, die vom Terrain bis zur Röhre hinabreichen undoben einen eisernen oder steinernen Verschlufs erhalten.
Zum Reinigen bedient man sich eines, an starkem Drathbefestigten Kratzers, mit einem Lappen umwickelt, womit derSchlamm, der sich bei langsamem Fliefsen von unreinem Was-ser absetzt, entfernt wird.
Zu Biegungen der Röhren nimmt man einen kurzen Kernund dem entsprechende Seitenbretter, fertigt demnach auch
*) Um den Kern leichter herauswinden zu können, auch ein etwaiges Anklebenvon Cement-Mörtel zu verhüten, überstreicht man denselben vorher mit einer Mischungvon Fett und schwarzer Seife. Statt des hölzernen Kerns bedient man sich auch einesKerns von starkem Zinkblech, wodurch man die Wandungen innerhalb schön glatt er-hält und das Hcrauswinden des Kerns erleichtert wird.