Ueber die Beschädigungen an Mauerwerk und Putzflächen durch das Quellen der Cemente
nach ihrer Verwendung.
Bei Verwendung von natürlichen und künstlichen Cemen-ten sind mehrfach Fälle vorgekommen, wo das Quellen derCemente Beschädigungen an Mauerwerk und Putzflächen ver-ursachte und dem Bauwerke wesentlichen Schaden zufügte.
Bei dem Mauerwerke machten sich diese Beschädigungenbemerkbar durch Hebung, Zerreifsen und Zersprengen derMauer-Masse, sowie durch Herausdrängen einzelner Theileund dadurch Lockerung der Fugen. Bei Putzflächen durchAblösen des Putzmörtels von dem Mauerwerk und durch beu-lenartige Unebenheiten in den Flächen.
Bereits in der ersten Lieferung dieses Werkes S. 13 sindvon dem Verfasser diese Erscheinungen, welche in Folge derVerwendung mangelhafter Cemente entstehen, erwähnt worden.
Bei dem erheblichen Schaden, welchen die Verwendungderartiger Cemente einem Bauwerke zufügt, ist es von prak-tischer Wichtigkeit, die verschiedenen bekannt gewordenenFälle solcher Beschädigungen, wie sie an mehreren Ortenbeobachtet worden, zusammenzustellen, um bei den Verglei-chungen dieser Erscheinungen, die Ursachen um so sichererermitteln zu können.
Auf einem bedeutenden industriellen Etablissement amRhein ereignete es sich, dafs ein Maschinen-Fundament sichum einige Zoll in die Höhe gehoben hatte und dadurch derGang der Maschine gestört wurde. Es war dazu ein Cementverbraucht worden, der aus kalkhaltigen Rückständen einerchemischen Fabrik bereitet war, und der anfänglich eine au-fserordentlich gute Erhärtung zeigte*). Das Fundament mufstemit sammt der Maschine wieder abgebrochen werden, woraufdann der neue Aufbau mit bestem Erfolge von Bonner Port-land-Cement ausgeführt wurde.
Auch der Herr Professor Manger erwähnt in Erbkam’sZeitschrift für Bauwesen, Jahrg. IX. 1859, S. 531, der Fälle,wo der Portland-Cement nach seiner Verwendung nachträg- jlieh dergestalt aufgequollen war, dafs die Fugen des Mauer-werks sich emporhoben, dann zerrissen, so dafs das völlig un-brauchbar gewordene Mauerwerk wieder abgebrochen werdenmufste. Der auffallendste unter diesen Fällen trug sich in Berlinbei Erbauung eines Dampfschornsteins zu, welcher in einer ;Ecke eines schon bestehenden Gebäudes aufgeführt wurde.Nahe an diesem Schornstein, im obern Geschofs des Gebäu-des, lag ein Fenster. In der Widerlagshöhe dieses Fenstersbetrug das Emporgehen des Schornstein-Mauerwerks mehrereZoll und äufserte sich dergestalt stark, dafs es den Fenster-bogen auf der dem Schornstein zugekehrten Seite mit empor-nahm und zerrifs. Nichtsdestoweniger gelangte der Mörtelspäterhin zu einer vorzüglichen Härte, so dafs die Ziegel mitder Spitzhaue von einander getrennt werden mufsten.
Um den Grund dieses Ereignisses zu erforschen, nahmHerr Manger mehrere Untersuchungen vor. Aus dem Um-stande, dafs der Schornstein benutzt wurde, sobald er mit
*) In England soll auch aus ähnlichen Rückständen von Sodafabriken Cement dar-gestellt werden; man möge also nicht Alles, was aus England kommt, für gut halten.
30 und einigen Fufs Höhe den Dachfirst des anstofsenden Ge-bäudes erreicht, und ehe eine Erhärtung des Mörtels stattge-funden hatte, zog Herr Manger die Vermuthung, dafs inFolge der Erhitzung des Schornstein-Mauerwerks eine Ver-dampfung des Wassers darin stattgefunden und der Einflufsdes Dampfes auf den Mörtel das Aufquellen desselben hervor-gebracht habe. Diese Vermuthung bestätigte sich jedoch nicht.Herr Manger verband eine Anzahl Ziegel mit Portland-Ce-ment-Mörtel zu einem kleinen Pfeiler und stellte diesen aufeinen geheizten eisernen Ofen. Es fand jedoch eine Trennungder Fugen nicht statt, vielmehr trat eine regelmäfsige, wenngleich verfrühte, daher nur lose Erhärtung des Mörtels ein.Die Ursache obiger Erscheinung konnte also nur in der Masseund dem Zustande des in dem Mörtel enthaltenen Kalkes liegen.Um hierüber Gewifsheit zu erhalten, und um überhaupt denEinflufs der Kalkmasse auf den Cement kennen zu lernen,nahm Hr. Manger Mischungen von Kalk und Portland-Ce-ment vor', und beobachtete deren Erhärtung unter Wasser.
Die Mischung geschah auf zweierlei Weise, einmal durchHinzuthun von gebranntem Kalkpulver zum Cement, das an-dere Mal, indem der Kalk abgelöscht, dann mit Wasser ver-dünnt, und der Cement mit dem Kalkwasser eingerührt wurde.Das Verhältnifs des beigemischten Kalkes zum Cement wardem Gewichte nach wie 1:8, wie 1:4, wie 1 :2 und wie 1 : 1.Der in dieser Art zubereitete Mörtel wurde, und zwar ohneSandzusatz, in Biergläser von § Quart Inhalt gebracht, mitWasser übergossen und von Zeit zu Zeit hinsichtlich seinerErhärtung geprobt. Das letztere geschah mit einem scharfzugespitzten stählernen Dorn, welcher in die Cement-Massehineingestofsen wurde.
Diese Versuche ergaben folgende Resultate:
Trocken gemischt.
Bei | Kalkzusatz war nach Verlauf von 4 Wochen und4 Tagen das Glas gesprungen, die Masse in § ZollStärke oberhalb stechbar, im Uebrigen fest und nach13 Wochen steinfest.
Bei J Kalkzusatz war nach 7 Wochen und 3 Tagen dasGlas gesprungen, die Masse in i Zoll Stärke ober-halb stechbar, dann fest, nach 13 Wochen ganz fest.
Bei \ Kalkzusatz wurde die Masse nach Verlauf von13 Wochen oberhalb in der Stärke von A Zoll schwerstechbar, im Uebrigen fest befunden.
Bei 1 Kalkzusatz war nach 7 Wochen und 3 Tagendas Glas gesprungen, und die Masse nach 13 Wo-chen schwer stechbar.
In Wasser vermischt.
Bei I Kalkzusatz war nach 4 Wochen und 4 Tao-en dasGlas gesprungen, die Massse fest und nach 9 Wo-chen steinfest.
Bei \ Kalkzusatz wurde nach 4 Wochen und 4 Tagenein ganz gleiches Resultat wie vorhin beobachtet.