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Erster Band: Vom Satz.
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Der Verfall des Buchdrucks.

2. Der des Buchdrucks.

Es bleibt eine auf allen Gebieten des Lebens immer wiederkehrende Erscheinung, daß einejede aufstrebende Kraft an einem relativ äußersten Punkt anlangt, wo sie keiner weiteren Ent-faltung mehr fähig ist, und erschöpft von der Höhe, die sie erklommen hat, wieder herabzusinkenbeginnt. Auf einer Periode geistiger Anspannung und Erregung folgt eine eben solche derAbspannung und Erschlaffung, und erst mit der Aufnahme neuer Nahrungselemcnte beginnt dieRegeneration der absorbirten Kräfte, der Wiederaufschwung einer Kunst, eines Gewerbes, einesVolkes. Die Buchdruckerkunst konnte in ihren: Entwickelungsgänge von diesem Gesetze keine Aus-nahme machen. Nicht die Wirren der Reformativnskriege allein waren es, die ihren allmäligenVerfall herbeiführten, die Keime hierzu lagen in ihren: Fortschreiten selbst. Es konnte nichtfehlen, daß bei dem ungeheuren Aufschwungs, den der Buchdruck in: 16. und zu Anfang des17. Jahrhunderts nahm, er schließlich auf eine erkünstelte Höhe getrieben wurde, die den: Bedürf-nisse keineswegs mehr entsprach. Die Großartigkeit der Unternehmungen wuchs mit der Zeitimmer mehr und mehr und verconsumirte ein ungeheures Capital, das nicht wieder eingebrachtwerden konnte. Die Geschichte zeigt, daß gerade die berühmtesten Buchdrucker den verhältniß-inäßig geringsten pecuniären Nutzen erzielten. Die starke Coneurrenz, die bald auf diesem neuenErwerbszweige ruhte, bewirkte zudem, daß eine Menge kleiner, sogenannter Winkeldruckereiei:entstand, deren Besitzer sich wenig um den Werth und die Güte ihrer Erzeugnisse kümmerten,

sondern alles druckten, was ihnen unter die Hände kam, wein: sie nur dabei verdienten. Auch

die großen Druckereien hörten in Folge des Mangels an pecuniären Erfolgen auf, in dieser

Beziehung wählerisch zu sein und liehen ihre Pressen nur zu oft Reden und Schriften, die eher

auf öffentliche Plätze und in die Schenken gehört hätten. Wurde einerseits durch die wahre Fluthvon Büchern beim.Publikum eine Gleichgültigkeit hervorgerufen, die auf den Absatz derselbenhemmend wirken mußte, so war andererseits die Unlauterkeit der Pamphlete, die Polemik, diesich in mißbräuchlicher Weise des Buchdrucks bemächtigte, Ursache, ihn: eine Fessel zuzuziehen, dieebenso sehr sein gedeihliches Fortkomme:: gefährdete: wir meinen die Censur.

Die Censur, ursprünglich ein sittliches Regulativ, war nur zu sehr Mißbrauchen undUebergriffen in den Händen parteiischer, einseitiger und willkürlicher Männer unterworfen undübte in der Folge auf die Typographie einen Druck aus, dem sie sich immer und immer wiederzu entwinden trachtete. Eine Institution noch aus den Zeiten der römischen Kaiser als dererste, der sie einführte, wird Tiberius genannt wurde die Censur zuerst von den: PapsteAlexander VI. im Jahre 1479 erneuert und später von Leo X. in einer Bulle von: 4. Mai 1515geregelt, ^zn Deutschland traten die ersten den Buchdruck beschränkenden Maßnahmen, abgesehenvon einem im Jahre 1486 durch den Kurfürst Berthold zu Mainz erlassenen Censurgesetz (dasnoch keine erheblichen Wirkungen auf die junge, kräftig emporwuchernde Erfindung äußern konnte).

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