Der erneute Aufschwung des Buchdrucks.
Als ein weiterer für das Emporkommen des Buchdrucks höchst nachtheiliger Umstand mußdie Trennung des Buchhandels von ihm im 16 . Jahrhundert und die der Schriftgießereiim 17. Jahrhundert betrachtet werden. Der Buchdrucker verlor durch die Abhängigkeit, in welcherer zum Buchhändler gerieth, das volle warme Interesse für seine Werke, die er nun nicht mehrso schön als möglich ausstattete, wie dies früher sein Stolz gewesen war, sondern bei denen ervorzugsweise die Kosten der Herstellung im Auge behalten mußte, weil sich darnach der Vortheilrichtete, der ihm von dem geringen Preise, den ihm der Buchhändler zahlte, übrig blieb. DieTrennung von der Schriftgießerei hatte, wenn auch keine Abhängigkeit in dem eben angeführtenSinne, so doch das Unangenehme zur Folge, daß der Buchdrucker nicht mehr Herr der Verbesserungenund Verschönerungen auf diesem Gebiete war, und mit allem vorlieb nehmen mußte, was ihmder Schriftgießer darbot.' In neuerer Zeit ist die Wiedervereinigung der getrennten Zweige zu einemeinheitlichen Betriebe mit ein Hauptgrund des wachsenden Aufschwunges der Typographie geworden.
Daß endlich der dreißigjährige Krieg von lähmendem Einfluß wie auf Handel und Gewerbe,Kunst und Wissenschaft überhaupt, so auch auf die Thätigkeit und das Gedeihen der Presse seinmußte, ist schon im vorigen Capitel berührt worden.
3. Der erneute Aufschwung des Buchdrucks.
Nach langen: Winterschlafe erholte sich die Kunst wieder in der zweiten Hälfte des vorigenJahrhunderts, als nach Beendigung des siebenjährigen Krieges Handel und Gewerbe von Neuememporzublühen begannen und in der Folge einen Bestand erhielten, den selbst die französischeRevolution nicht gänzlich vernichten konnte und den die Kriegsführung unserer Tage nur vorüber-gehend zu trüben im Stande ist. Als die zwei charakteristischen Merkmale dieser Periode müssendie Concentration der getheilten Arbeitskräfte zu einem einheitlichen Gesammtwirken, und diehohe technische Ausbildung des Buchsdrucks hervorgehoben werden, durch welche der Betrieballmälig eine Ausdehnung gewann, die in unseren Tagen wahrhaft Erstaunenswerthes leistet.Diese Großartigkeit des Betriebes ist es, die die heutige Typographie wesentlich von derjenigendes 16. und 17. Jahrhunderts unterscheidet, deren hohe wissenschaftliche Bedeutung wiederumder ersteren den Vorrang abgewinnt. Der Pressenbau, der in den ersten Jahrhunderten kaumeine wesentliche Veränderung erlitten hatte, beginnt jetzt sich der Errungenschaften auf demGebiete der Mechanik zu bemächtigen und bald tritt ein anderes Moment von unübersehbarerTragweite hinzu, die Anwendung der Dampfkraft. Der Raum sowohl als der Zweck der vor-liegenden Blätter gestattet uns nicht, alle die mannigfaltigen Erfindungen und Verbesserungenauf diesem Gebiete., die zahlreichen Pressen und Druckmaschinen einzeln aufzuführen und zubeschreiben. Jedoch möge hier das zum Verständniß Nothwendigste kurz hervorgehoben werden.
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