Band 
Erster Band: Vom Satz.
Seite
60
JPEG-Download
 

Jnterpunctionen. Zeichen.

4. Interpunktionen. Zeichen.

Einen nicht unbedeutenden Rang in unseren Schriftzeichen nehmen unstreitig die Jnter-punctionen ein; sie sind zum Satz so nöthige Bestandtheile, wie die Versalien und gemeinenBuchstaben selbst.

Unter Jnterpunction verstehen wir die geregelte Anwendung gewisser Schriftzeichen, durchwelche die Verbindung und Trennung der Wörter und Sätze, sowie die Hebung und Senkungder Stimme, beides unerläßliche Bedingungen eines dem Sinne entsprechenden, logisch richtigenund schönen mündlichen Ausdruckes, bezeichnet wird. Der NameJnterpunction" stammt zwarvon den Römern, doch verbanden diese einen andern Begriff damit, in sofern sie nämlich, wie auchdie Griechen, nur nach Maßgabe oratorischer, also den Vortrag und die Declamation betreffenderPrincipien, und zwar lediglich mittelst bloßer Punkte am Ende der Sätze, interpunktirten.

Später entwickelte sich mit der bildenden Grammatik auch die Jnterpunction; doch warsie zur Zeit Karls des Großen wieder so in Vergessenheit gerathen, daß sie ganz von neuemeingeführt werden mußte. Man band sich zu jener Zeit an keine bestimmten Regeln mehr, undein auf dreifache Manier angewandter Punkt, allenfalls noch ein Strichelchen, das waren dieganzen Lesezeichen, die obenein ziemlich willkürlich angebracht wurden.

Das Verdienst, das Jnterpunctionswesen wieder geregelt und verbessert zu haben, gebührtden venetianischen Buchdruckern Manutius , die über den Gebrauch der Zeichen feste Regelnaufstellten. Sie sind daher die eigentlichen Urheber der gegenwärtigen Jnterpunctionsmethode,und es ist außer einzelnen genaueren Bestimmungen nichts Wesentliches mehr hinzugekommen.

Die jetzt allgemein gebräuchlichen Jnterpunctionszeichen sind: Der Punkt (.), dasKomma (,), das Semikolon (;), das Kolon (:), das Fragezeichen (?), ferner dasAusrusungszeichen (!), das Theilungszeichen oder Divis (-), die Parenthesen()ss, der Gedankenstrich (), das Anführungszeichen oder Gänsefüßchen (")und der Apostroph ('). Diese eben angeführten Zeichen entsprechen in ihrer Form derFracturschrift, während dieselbe sich in der Antiqua etwas verändert, wie wir später sehen werden.

An sonstigen Zeichen, wie sie unsere Schriften auszuweisen haben, sind noch hinzuzufügen:1- -- 8 r ".

Die Bilder dieser Schristzeichen sind theils die alten, theils erfuhren sie ebenfalls, gleichden Buchstaben, Aenderungen.

Ueber den technischen und sonstigen Gebrauch der Jnterpunctions- und anderen Zeichenbemerken wir noch Folgendes:

Der Punkt, gewissermaßen der Oberfactor aller Lesezeichen, ist bekanntlich jenes Tip-pelchen (.), das, so winzig es auch erscheint, im Lesen doch einen bedeutenden Halt der Stimmeverlangt.