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Erster Band: Vom Satz.
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Der Satz von Prachtwerken.

Wir verstehen also unter der BezeichnungPrachtwerk" diejenige Ausstattung eines Druck-werkes, welche eine edle Harmonie in der richtigen Zusammenstellung von Eleganz und Einfach-heit, die immer nur wohlthuend wirkt und den unwiderstehlichen Eindruck des wahrhaft Schönenhinterläßt, in sich vereinigt.

Die Mittel, deren man sich zur Erzielung dieser Harmonie bedient, können mannigfacherArt sein. In unserem speciellen Falle, der über den Satz und die Einrichtung von Prachtwerkenbelehrt, handelt es sich vor allen Dingen um eine systematisch richtige und geschmackvolle Ein-ckheilung der zu verwendenden Typen, welch letztere elegant, einfach und möglichst neu, d. h. nochscharf im Bilde sein müssen, damit auch der Druck ein sauberer und untadelhafter werde. Dennobwohl bei jeder typographischen Arbeit, gleichviel welcher Categorie, immer Satz und Druck vonrechtswegen Hand in Hand gehen sollten, um nicht etwa den einen Theil auf Kosten des anderensündigen zu lassen, so muß doch gerade bei sogenannten Prachtausgaben in ungleich höheremMaße mit skrupulöser Gewissenhaftigkeit darauf gehalten werden, daß Satz und Druck einanderebenbürtig zur Seite stehen, daß also dort, wo der Satz bezüglich der Auswahl und Eleganzseiner Schriften nichts zu wünschen übrig läßt, auch der Druck auf dem Höhepunkte künstlerischerVollkommenheit steht. Als nächste Folge zur Erzielung der vvrgedachten Harmonie betrachtenwir ferner das ganze Arrangement des Satzes an und für sich, die größte Accuratesse desselbenbis ins geringste Detail*), die gefällige Gruppirung der Titel und Ueberschriften, das richtigeVerhältniß im. Vertheilen des leeren Raumes, die maßvolle, angemessene Weithaltung desselben,mit einem Worte die Form des Ganzen, welche ein hübsches, ansprechendes Bild abgebenmuß, dessen Ensemble unbedingten Anspruch auf Vollkommenheit erheben darf; endlich der Druckauf ein schönes, starkes, wenn möglich glänzend satinirtes Papier.

Auf diesen allgemeinen Grundsätzen für den Satz von Prachtwerken ruhend, theilen sichletztere in folgende verschiedene Arten, und zwar:

1. in Werke ohne jeden weiteren Schmuck als den einer gediegenen Auswahl und Zusammen-stellung von Schriften;

2. in Werke mit beliebigen Verzierungen, als Linien-Einfassungen (Bordüren) oderInitialen u. s. w., mögen dieselben in einer oder mehreren Farben gedruckt werden;

3. in Werke mit Illustrationen, mit oder ohne Einfassungen, Initialen u. s. w.

Zu die Rubrik dev ersten Passus gehören alle diejenigen Ausgaben alter und modernerKlassiker, dramatischer Werke, gelehrter Abhandlungen (Dissertationen), Biographien, Gedicht-sammlungen (Anthologien), Romane u. s. w., überhaupt alle literarischen Erscheinungen, welcheder Herausgeber aus besonderen Gründen reich ausstatten läßt, d. h. in diesem Falle demBuchdrucker besonders gefälligen Satz und besten Druck aus starkem, seinem Papier vorschreibt.

*) Hierunter verstehen wir auch die möglichste Vermeidung untereinander folgender Divise, so daß derenbei schmalem Format niemals mehr als höchstens drei unmittelbar untereinander folgen dürfen, sowie daß, wennirgend zu vermeiden, auf keiner Columne am Ende derselben ein Wort getheilt und auf eine neue Seite hinübergenommen werden darf.

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