Band 
Erster Band: Vom Satz.
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Der Kalendersatz.

8. Der Lalendersatz.

Im Satz und Druck der Kalender ist seit ungefähr dreißig Jahren und namentlich seitHerstellung gefälliger fetter und halbfetter Fraetur- und Antiquaschriften theilweise eineVeränderung eingetreten, die nicht unerwähnt bleiben darf. Obgleich noch genug Kalender aufdie alte Manier hergestellt werden, so neigt man sich doch neuerdings immer mehr der moderneneinfachen Ausstattung derselben zu.

Unter Kalender alter Manier mögen solche begriffen sein, in welchen die Sonn- undFesttage, die Eintrittszeiten des Vollmondes und des letzten Mondviertels, zuweilen auch derPlanetenlauf, mit rother Schrift gedruckt wird und die deshalb einen doppelten Satz und Druckerfordern. So Zeitraubend und kostspielig auch diese Manier ist, so giebt es doch nochKäufer in Masse, welche das Roth im Kalender nicht entbehren zu können glauben oder wenigstensnicht vermissen wollen, weshalb eben viele Kalenderherausgeber bei dieser zweifarbigen Ausstattungverharren.

Die Herstellung solcher Kalender kann auf zweierlei Art erfolgen. Bei sehr durcheinanderlausender rother und schwarzer Schrift wird zuweilen erst der ganze Satz so ausgeführt, alsob Alles schwarz gedruckt werden sollte. Beim Correcturlesen werden diejenigen Wörter, welcheroth zu drucken sind, mit Rothstift unterstrichen, vom Setzer herausgenommen, die Räume aus-gefüllt und nun die schwarze Form gedruckt, während die roth zu druckenden Wörter in Zeilenausgeschlossen, diese mit gehörigem Zwischenraum getrennt und so zu einer zweiten Formzusammengestellt werden, die dann in den schwarzen Abdruck roth eingedruckt wird. Oder eskann auch die roth zu druckende Form gleich getrennt von der schwarzen gesetzt werden, waseine weit umständlichere Ausrechnung des Raumes und der Stellung der roth zu druckenden Wörterbedingt. Liegt jedoch, wie es beim Kalendersatz mitunter häufig der Fall ist,gedrucktesManuscript" vor, so erleichtert dies den Satz der rothen Form ganz bedeutend. Dann werdengewöhnlich die schwarze und die rothe gleich Anfangs getrennt von einander gesetzt und derAbstand der Zeilen nach dem Gedruckten genau nachgemessen. Die sicherste Manier, derartigeSätze für zwei Farben herzustellen, ist wohl die, daß man in demselben Schiff und neben jederColonne des zum Schwarzdruck bestimmten Satzes die zum rothen Eindruck bestimmte setzt, alsodie Möglichkeit hat, die Zwischeuräume, wie den Stand der roth zu druckenden Wörter genaunachzumessen und zu reguliren. Jede Spalte kann dann getrennt ausgebundeu werden, damitspäter alle zu einer Columne gehörigen zu einer solchen formirt werden können.

Früher, als die Kalender noch auf Handpressen gedruckt wurden, ersparte man die Herstellungder roth zu druckenden Form dadurch, daß mau, nachdem die schwarze Form gedruckt war, dieAusfüllungen au den roth zu druckenden Stellen wieder aus der Form nahm, die Stellen mitganzen und geschnittenen Cicerogevierten oder Halbgevierten unterlegte, die roth zu druckendenWörter auf diese Cicerounterlage stellte und nun die schwarze Form mit dem um Cicero- oder halbenCicerokegel höher stehenden Rothsatz wieder schloß und dann roth druckte. Wegen dieser Cicero-unterlage wurden die Kalender meist aus kleiner Ciceroschrift gesetzt. Jetzt, wo sie