Einleitung.
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Dinge begrifflich erfasst, dann sprachlich bezeichnet werden soll. Esliegt darin bereits eine keineswegs unbedeutende Aeusserung der Fähig-keit zu verallgemeinern, zugleich auch eine ihrer frühsten Aeusserungen,denn die Zahlwörter gehören zu den ältesten Theilen des mensch-lichen Sprachschatzes. In ihnen lassen sich oft noch Aelinliehkeiten,mithin Beweise alter Stammesgemeinschaft später getrennter Völkerauffinden, während kaum andere Wörter auf die gleiche Zeit einesgemeinsamen Ursprunges zurückdeuten. Und was war nun der ur-sprüngliche Sinn dieser ältesten, der Entstehungszeit wie dem Inhaltenach ersten Zahlwörter? Die Annahme hat gewiss viel für sich, dasssie anfänglich nicht Zahlen, sondern ganz bestimmte Gegenstände be-deuteten, sei es nun, dass man von der eigenen, von der angeredeten,von der besprochenen Persönlichkeit, also von den Wörtern: ich, du,er ausging, um aus ihnen den Urklang für: eins, zwei, drei zu ge-winnen '), sei es, dass man von Gliedmassen seines Körpers deren An-zahl entnahm 2 ): ,,Es war dem Menschen ohne Zweifel ein ebenso interes-santes Bewusstsein fünf Finger als zwei Hände oder zwei Augen zuhaben; und das Interesse an dieser Kenntniss, welche einmal einerEntdeckung bedurfte, war ihm der Schöpfung eines zu deren Zählungeigens verwendbaren Ausdruckes wohl werth; von hier aus mag derGebrauch auf andere zu zählende Dinge übertragen worden sein, zu-nächst auf solche, bei denen es auffallen mochte, dass sie in ebensogrosser Zahl vorhanden waren, als die Hand Finger hat.“ Wir wieder-holen es, solche Annahmen haben viel für sich, sie tragen ihre besteEmpfehlung in sich selbst, aber leider auch ihre einzige. Die Sprach-forschung hat nicht vermocht deren Bestätigung zu liefern, oder viel-mehr Jeder, der mit der Deutung der Zahhvörter sich befasste, hataus ihnen diejenigen Zusammenhänge zu erkennen gewusst, welcheseiner Annahme entsprachen, lauter vollgelungene Beweise, wenn manden Einen hört, sich gegenseitig vernichtend, wenn man bei Mehrerensich Rath holt, und dieser Mehreren sind obendrein recht viele.Sind demnach die eigentlichen Fachmänner über deii Ursprung derältesten einfachen Zahlwörter im Hader, so müssen w 7 ir um so mehrdarauf verzichten auf die noch keineswegs erledigten Fragen hier ein-zugehen. Einige Sicherheit tritt erst bei Besprechung der abgeleiteten,also jüngeren Zahlwörter hervor.
Es ist leicht begreiflich, dass auch die regste Einbildungskraft,das stärkste Gedächtniss es nicht vermochten, für alle auf einanderfolgenden Zahlen immer neue Wörter zu bilden, zu behalten. Manmusste mit Xothwendigkeit sehr bald zu gewissen Zusammensetzungenschreiten, welchen die Entstehungsweise einer Zahl aus anderen zuGrunde hegt, welche uns aber damit auch schon einen unumstöss-
') Pott I, S. 119. 2 ) L. Geiger, Ursprung und Entwickelung der mensch-lichen Sprache und Vernunft. 1868. Bd. I, S. 319.