Band 
Erster Band. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.
Entstehung
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565
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Kapitel XXXI.

Die Mathematik der Chinesen.

Wissen, dass man es weiss, von dem was man weiss, und wissen,dass man es nicht weiss, von dem was man nicht weiss, das ist wahreWissenschaft. So soll Confucius , der chinesische Weise, dessenLebensdauer von 551 bis 479 angesetzt wird, zu seinen Schülern ge-sagt haben. 1 ) Von China selbst dürfte nach dieser Definition kaumeine Wissenschaft möglich sein, denn weder was wir über dieseslieicli wissen, noch was wir nicht wissen ist von Zweifel befreit.

Europäischer Nachforschung hat man mit geringen Ausnahmen,welche sich auf Männer bezogen, die keineswegs mit der kritischenVorbereitung eines Gelehrten von Fach ausgerüstet waren, zu allenZeiten Hindernisse in den W r eg zu legen gewusst. Was uns überChinas Vergangenheit erzählt wird, stammt ausschliesslich von derBenutzung chinesischer Quellen durch Chinesen her. Der Chineseaber liebt das Alte. Seine Anhänglichkeit an dasselbe geht so weit,dass er Neuerungen, wo möglich, als Rückkehr zu Altem undAeltestem darstellt, und wenn ein anderer Ausspruch des Confucius ,er habe neue Schriften nicht verfasst, er habe nur die Alten geliebt,erläutert und verbreitet, 2 ) vielleicht der persönlichen Bescheidenheitdes Redners entstammt, so ist jedenfalls von Anderen diese Auffassungdahin überboten worden, dass sie für alt ausgaben, was durchausneuen und neusten Datums war.

So gibt es kaum eine Erfindung, welche nicht mit dankbarer,vielleicht häufig ganz unbegründeter Erinnerung an bestimmte Per-sönlichkeiten eines längst entschwundenen Alterthums geknüpft wird.Die Schrift, nach der Ansicht einer Gelehrtenschule in namenloseVorzeit hinaufreichend, soll nach der Ansicht einer zweiten Schulevon Kaiser Eil ln um 2852 v. Chr. herrühren, und ein fürstlicher Ge-lehrter Prinz Huäy min tse gibt (189 v. Chr.) gar au, die Schriftsei durch Tsäng kie, den Minister des Kaisers Huäng ti 2637 v. Chr.

>) Paul Perny, Grammaire de la langue chinoise orale et ecrite. Paris .T. I, 1873. T. 11, 1876. Der hier citirte Ausspruch II, 243, Note I.

2 ) Perny II, 263.