Die Mathematiker unter den Abbasiden . Die Geometer unter den Bujiden. 637
theil sind es einige der hervorragendsten Mathematiker, welche wir injener Zeit aufzuzeichnen haben. Der Bujide r A d ud ed Daula 978—983rühmte sich selbst astronomische Studien gemacht zu haben. SeinSohn Scliaraf ed Daula,. derselbe unter welchem die Familienzwistig-keiten zuerst entbrannten, errichtete in dem Garten seines Palasteszu Bagdad eine neue Sternwarte und berief dorthin um 988 eine ganzeVereinigung von Fachmännern. 1 ) Unter ihnen waren Abu'1 Wafä,Alkuin und As-Sägäni.
Abü’l Wafä Muhammed ihn Muhammed ibn Jahjä ibn Isnmilihn Al-Abbäs Albüzdschäni 2 ) wurde, wie wir (S. 603) schon sagten,940 in Büzdschän einem kleinen Orte des persischen GebirgslandesChorasan geboren, derselben Gegend, welche so viele arabische Mathe-matiker hervorgebracht hat. Er erfreute sich, bald Abü’lWafä, bald Albüzdschäni genannt , unter den Arabern des grösstenRuhmes und drei Jahrhunderte später sagt von ihm Jbn Challikäu,der über berühmte Männer im Allgemeinen nicht bloss über be-rühmte Gelehrte schrieb, er sei ein weitbekannter Rechner, eine derglänzenden Leuchten der Geometrie gewesen, es seien ihm in dieserWissenschaft wunderbare Entdeckungen gelungen. Er starb 998.Seine Schriften sind ungemein zahlreich. Eine, welcher er den TitelAlmagest beilegte, dadurch selbst kundgebend, nach wessen Musterer gearbeitet habe, enthält die in der Geschichte der Astronomie be-rühmt gewordene Stelle, über welche bis auf den heutigen Tag dieMeinungen gespalten sind, ob darin die Entdeckung der sogenanntenVariation enthalten sei oder nicht. 3 ) Uns kümmert nur der Mathe-matiker, und auch als solcher hat Abu ! Wafä grosse Verdienste. Erwar einer der letzten arabischen Uebersetzer und Commentatorengriechischer Schriftsteller, und wdr müssen aufs Lebhafteste bedauern,dass grade von dieser Thätigkeit gar keine unmittelbare Spur sicherhalten hat. Der Gelehrte, welcher mit Diophant sich so eingehendbeschäftigte, dass er nicht bloss ihn übersetzte, ihn erläuterte, son-dern ein besonderes Schriftclien mit den Beweisen der bei Diophantund in seinen Erläuterungen zu demselben enthaltenen Lehrsätzefüllte, muss viel Wissenswerthes für uns auf diesem Gebiete vereinigthaben. Sein Commentar zur Algebra des Muhammed ibn MüsäAlchwarizmi würde uns wohl der Mühe überhoben haben vermuthungs-weise dem Ursprünge der dort enthaltenen Lehren nachzuspüreu.Sein Commentar zur Algebra des Hipparch ist ein eben so gerechterGegenstand unserer Neugier, da wir hier ja nicht einmal die un-zweifelhaft wichtige Abhandlung kennen, zu welcher er gehört. Aberleider sind von diesen algebraischen Commentaren nur die Ueber-
’J Hankel S. 242 nach Abulpharagius Uistor. dynast. (ed. Pocock) pag. 216der Uebersetzung. 2 ) Woepcke in dem Journal Asiatiyue für Februar undMärz 1855 pag. 243 figg. ■ 1 ) K. Wolf, Geschichte der Astronomie S. 53 und 204.