Kapitel XXXVIII.
Klostergelelirsamkeit bis zum Ausgange des X. Jahrhunderts.
Wir müssen den Faden wieder ankniipfen da, wo mir ihn ab-gebrochen haben, um aus Europa hinüberzuschweifen nach dem Ostenund die Summe zu ziehen aus dem, was asiatische Völkerschaftenim Laufe der Jahrhunderte aus dem mathematischen Wissen zumachen wussten, welches ihnen, wie wir in verschiedenen Kapitelnnachzuweisen gesucht haben, wenigstens was die geometrischen Theileund nicht unwesentliche Bruchstücke der algebraischen Theile betrifft,von Griechenland aus überkam. Die Araber, das haben wir inbesonderegesehen, mit ihrer frischen Wüstenkraft, sie, die sich, zum Unheileihres Reiches, zum Heile für die Wissenschaft, in den verschiedenstenZeiträumen mit nicht minder empfänglichen, nicht minder geistig un-verbrauchten Elementen vermischten und ihnen sich unterwerfenmussten, waren die treuesten Erben. Sie haben das ihnen anvertrauteGut nicht nur zu bewahren, auch zu vermehren gewusst. Wohindie Araber, so lange ihr Reich im Wachsen begriffen war, der Er-oberungspfad führte, dahin nahmen sie ihre Wissenschaft, mitKrieger und Lehrer zugleich. Wo die Araber sich eindringendenHerrschern beugten, gaben sie diesen als ersten Tribut ihre Bildung.Wo die Araber aber nicht unterjocht sondern verdrängt wurden,da nahmen sie auf der Flucht ihre Kenntnisse wieder mit fort,welche rasch sich anzueignen die Sieger noch nicht fähig waren.Das deutlichste Beispiel zeigt uns Spanien , wo mathematische Wissen-schaft verkümmerte, nachdem die letzten Araber vom spanischenBoden verdrängt waren.
Jenen mittelasiatischen Steppenvölkern, die dem Dschingizchänund Tamerlan gehorchten, fehlte es an Bildungsfähigkeit keineswegs,und die Möglichkeit war einmal vorhanden, dass Stamm- oderSittenverwandte derselben verhältnissmässig frühe in Griechenland selbst mit altgriechischer Bildung bekannt geworden wären. Eineandere Möglichkeit war die, dass der fränkische Stamm von griechisch-arabischer Bildung durchdrungen worden wäre. Beide Möglichkeitenhaben sich nicht erfüllt. Tlieodosius der Grosse wehrte am Schlüssedes IV. S. den Strom der Völkerwanderung von den Balkanländern