728
Kapitel XXXIX.
Kapitel XXXIX.
Gerberl.
So interessant das Leben Gerberts ist 1 ), werden wir uns miteinem nur sehr kurzen Ueberblicke über dasselbe begnügen müssen,und würden noch kürzer uns fassen, wenn seine Leistungen nichtzum Theil nur dann verständlich wären, wenn man die Kenntniss derVerhältnisse, unter welchen sie entstanden sind, besitzt. Gerbert muss in der ersten Hälfte des X. S. wahrscheinlich von armen Elternin der Auvergne unweit des Klosters Aurillac geboren sein. Dortwuchs er dann auf, erzogen durch den Scholasticus Raimund, derselbst ein Schüler Odo’s von Cluny war, und durch den nachmaligenAbt Gerald. Etwa 967 verliess Gerbert das Kloster mit Einwilligungseiner Obern um den Grafen Borei von Earcelona, den einepolitische Reise an dem Kloster vorbeigeführt hatte, in seine Heimathzu begleiten, und dort in der spanischen Mark gewann er sich inllatto dem Bischof von Vieh einen väterlichen Freund, bei welchemer weitere Studien machte, sich auch in der Mathematik vielfach mitNutzen beschäftigte. 2 )
Das ist Alles, was wir über den Unterrichtsgang Gerberts ausdem Munde seines Schülers Richerus wissen, der, so wenig zuver-lässig er als Geschichtsschreiber im Allgemeinen sich erweist, dochin dieser Beziehung unser Vertrauen verdient, da er seinen Lehreraufs Höchste verehrend lieber zu viel als zu wenig gesagt habenwürde, wenn er mehr gewusst hätte. Er hätte es uns z. B. nichtverschwiegen, wenn Gerbert sich bei llatto Kenntnisse in derarabischen Sprache erworben hätte, wenn er die Gefahren nichtscheuend, welche den Christen in den arabischen Städten bedrohtenund grade damals unter den glaubenseifrigsten Emiren unvermeid-liche und unübersteigliche Hindernisse bildeten (S. 680), unter dieGelehrten jenes Volkes sich gemischt hätte, um deren Wissen sichanzueigenen.
So zerfällt von selbst die Notiz, welche einen ZeitgenossenGerberts, den Chronisten Adhemar von Chabanois, zum Verfasserhat. Dieser erzählt nämlich: „Gerbert war aus Aquitanien vonniederer Geburt. Er war seit seiner Kindheit Mitglied des Klosters
') Math. Beitr. Kulturl. Kapitel XXI und XXII, S. 303—329. Olleris,Oeuvres de Gerbert. Clcrniont-Fd. et Paris , 1867. XVII—CCV. Karl Werner,Gerbert von Aurillac, die Kirche und Wissenschaft seiner Zeit. Wien , 1878.*) Richerus, llistor. III, 43 ( Monument. German. Script. III, 617) . . . Hattuniepiscopo instruendum commisit. Apud quem ctiam in mathesi plurimum etefficaciter studuit.