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Kapitel XXXIX.
Könige Otto 1. vorgestellt wurde, und auf dessen Wunsch ihn alsLehrer irgendwo anzustellen erwiderte, er wisse zu diesem Zwecke inder Mathematik zwar genug, aber nicht in der Dialektik. Um darinsich weiter auszubilden ging nun Gerbert mit Ottos Einwilligung nachRheims, wo er vermuthlich 10 Jahre, von 972 bis 982, verweilte undeine anfangs gemischte Stellung eiunahm, welche bald vollständig indie eines Stiftslehrers überging. Zu den Männern, welche ihn damalsin der Dialektik, vielleicht auch noch in der Grammatik unterrichteten,welchen er aber dafür schon mathematischen Unterricht ertheilte, ge-hörte nach aller Wahrscheinlichkeit Constantiuus, der von einemspäteren Aufenthaltsorte den Namen Constantiuus von Fleuryerhalten hat.
Wir sind wieder durch Iticherus in die Lage versetzt den Lehr-plan genau schildern zu können, welchen Gerbert als Scholasticusin Rheims einzuhalten pflegte. 1 ) Zuerst wurden die Schüler anphilosophische Auifassung gewöhnt. Die Hilfsmittel waren griechischeWerke in lateinischer Uebersetzung, zumeist in der des ConaulManlius, d. h. des Boethius . Darauf folgte die Rhetorik verbundenmit dem Lesen lateinischer Dichter, und nach ihr eigentlich dialekti-sche Uebungen, die unter der Leitung eines besonders dazu angestelltenLehrers stattfanden. Von dieser Abtheiluug der Unterrichtsgegenständeunterscheidet Richerus alsdann ganz besonders die mathematischenFächer, auf welche Gerbert viele Mühe verwandte. Er begann mitder Arithmetik als dem ersten Tlieile, liess darauf die Lehre vomM ouochorde und die ganze Musik folgen, ein für Frankreich fastganz neues Kapitel der Wissenschaften, und lehrte alsdann dieAstronomie, deren schwer verständlichen Inhalt er durch mancherleiVorrichtungen zu erläutern wusste. Richerus nennt die wichtigstenastronomischen Apparate, deren Gerbert sich bediente. Sie weisenebenso wie das beim Unterrichte in der Musik gebrauchte Monochordausschliesslich auf griechisch-römische Quellen hin. •) Diesem mathe-matischen Unterricht von Gerbert zu Grunde gelegte Bücher nenntRicherus nicht.
Sollen wir daraus den Schluss ziehen, es seien überhaupt Bücherdabei nicht benutzt worden? Es will fast so scheinen. Wenigstenswird sonst einigermassen unbegreiflich, wie in späterer Zeit jener Con-stautinus, den wir eben genannt haben, an Gerbert die Bitte umschriftliche Mittheilung des früher Gelehrten richten konnte. Da-mit ist freilich keineswegs ausgeschlossen, dass Gerbert selbst, alsLehrer, sich an schon vorhandene Schriften anlehnte, Schriftenjedenfalls griechisch-römischen Ursprunges gleich den Kenntnissen,
') Richerus, llistor. III, 46—54. Das letzte dieser Kapitel handelt vomAbacus (Monument. German. Scrijit. 111, 618). *) Büdinger 1. c. S. 38—42.