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Kapitel XXXIX.
es ihm möglich auch jetzt noch tlieils mit denselben Worten wie da-mals theils dem Sinne nach das Gleiche aus dem Gedächtnisse wiederherzustellen. Und so sind wir nun zu der letzten Frage gelangt:Was für ein Buch war es denn, von welchem Gerbert redet? Manhat vermuthet, die „lvegel“ sei damit gemeint. Wir haben dieGegengründe entwickelt, welche uns gegen diese Vermuthung cin-nelimen. Sollten sie als entscheidend angesehen werden, dann musses freilich ein anderes Buch gewesen sein, überhaupt kein vonGerbert selbst verfasstes, für welches er auch wohl eine andere Be-zeichnung gehabt hätte als kurzweg das Buch, libnun. Auch das Buchdes weisen Josephs des Spaniers kann es nicht wohl gewesen sein,da dieses im Jahre 984, wie wir sahen (S. 7dt>), von Bheims ausgesucht wurde. Aber über diese negative Bestimmung, welches Buches nicht war, das Gerbert vermisste, kommen wir freilich nicht hin-aus. Die „Regel“ ist sodann von Gerbert als Papst — wie der Aus-spruch des Bernelinus gleichfalls verstanden werden kann — verlässtworden, erst nachdem das Küchlein für C'onstantinus aus dem Ge-dächtnisse zusammengeschrieben war. Gerbert, nehmen wir an, be-absichtigte, nachdem er den Gegenstand sich wieder vollständig gegen-wärtig gebracht hatte, ihn endgiltig und in genügender Klarheit fürjeden Leser abzuschliessen. Doch gleichviel. Diese kleinen Mei-nungsverschiedenheiten sind im Grunde sehr geringfügig gegenübervon der Aufgabe die uns bleibt: zu zeigen, welche BedeutungGerberts Lehren von Anfang an besessen und mehr und mehr ge-wonnen haben.
Die realistischen Studien 1 ) waren mehr und mehr aus den Klösternverschwunden, in welchen sie unter Alcuins unmittelbarem und mittel-barem Einflüsse ein, wie es schien, ewiges Bürgerrecht sich erworbenhatten. Nur ganz vereinzelt waren noch Mönche zu finden, welcheweltliches Wissen besassen oder nach solchem strebten. Bücher-sammlungen von mehr als 15 oder 20 Bänden gab es nur in denwenigsten Klöstern. Die Bücher selbst waren ihrer Seltenheit wegeneinzeln an Kettchen befestigt. Der Abt hatte nicht einmal das Rechtsie nach auswärts zu verleihen, ausser nach bestimmten anderenKlöstern, welche einen Mitbesitz an den Büchern genossen. Nuntrat Gerbert auf. Er gab dem Unterrichte zu Rheims, wo die Er-innerung an Remigius, der einst jene Schule zu Ansehen brachte,fast verloren gegangen war, ein neues Leben. Er lehrte freilich nichtwesentlich Neues, aber er lehrte es mit neuem Erfolge, und der Er-folg wuchs noch mit der Zunahme der persönlichen Bedeutung desLehrers. Gerbert hatte allen Anfeindungen zum Trotze die höchste
') Ebenda: Vie de Gerbert pag. XXIV—XXXIII ist eine sehr hübsche Ueber-sicht über den Geisteszustand der Zeit.