Band 
Zweiter Band. Von 1200-1668. Zweiter Teilband. Von 1550-1668.
Entstehung
Seite
604
JPEG-Download
 

Kapitel LXX.

604

Albert Girard. 1 ) Von seinen Lebensumständen ist nur Wenigesbekannt. Die durch ihn besorgte Gesammtausgabe der Werke vonSimon Stevin erschien 163-4, und in dem Widmungsbriefe beklagtGirards Wittwe nebst 11 Kindern den nun ein Jahr alten Verlustdes Gatten und Vaters, der Nichts hinterlassen habe als einen gutenNamen. Ist damit das Todesjahr 1633 gesichert, so geht aus einigenAnmerkungen des gleichen Bandes hervor, dass Girard in den Nieder-landen fremd war und in gehässiger Weise eines gewissen Kardinals,offenbar des Kardinals von Richelieu, gedenkt. Nimmt man hinzu,dass Girard ausschliesslich französisch geschrieben hat, so gewinntdie Muthmassung an Wahrscheinlichkeit, er sei französischer Pro-testant gewesen und seines Glaubens wegen nach den Niederlandenausgewandert. Die Wahrscheinlichkeit wird vollends zur Gewissheitdurch den Ortsbeinamen Samidois, welchen Girard führte, und fürwelchen die Uebersetzung aus Saint-Mihiel (in Lothringen ) als richtignachgewiesen worden ist. Von Girard rührt die französische Ueber-setzung der Stevin’schen Werke her, von ihm die Uebersetzung des5. und 6. Buches des Diophant, w r elche im Anschlüsse an StevinsBearbeitung der 4 ersten Bücher gedruckt ist. Girard hat aber,wiederholen wir, auch eine Wiederherstellung der euklidischen Porismenversucht.'-) Er hat es selbst in einem 1626 gedruckten kleinen Ab-riss der Trigonometrie gesagt, wo er jene Wiederherstellung als schonmehrere Jahre alt bezeichnet, er hat es zum zweiten Male in derStatik Stevins gesagt, wo er sich als den Neuerfinder der drei Büchereuklidischer Porismen rühmt und die Hoffnung ausspricht, sie, wie erbereits 1626 in Aussicht gestellt habe, veröffentlichen zu können.Allerdings sind diese fast mehr als kurzen Andeutungen Alles, waswir von Girards Versuche wissen.

\ iel mehr wissen wir auch nicht von einem andern Wiederher-stellungsversuche des 'gleichen Werkes etwa um die gleiche Zeit durchPierre de Fermat. 3 ) Dieser geniale Mann, der auf den verschie-

') Ter quem in den Nouvelles annales de mathematiques XII, 195 (1853). —G. A. Vorstermaun van Oijen im Bulletino Boncompagni III, 359 — 362(187U). — Paul Tannery im Bulletin Barboux 2 e Serie T. VII (1883).*) Cliasles, Les trois livres de Borismes d’Euelide (Paris 18G0) pag. 3 Note 1.3 ) Chasles 1. c. pag. 3—4. Biographisches vergl. bei Libri im Journal dessavants 1839 pag. 539—561; 1841 pag. 2G7—279; 1815 pag. 682—694, und in derBevue des deux mondes, April bis Juni 1845 (Nouvelle Serie X, 679 — 707). —E. Brassine, Precis des Oeuvres mathematiques de Fermat (Paris 1853). —Hoefer in der Kouv. Biogr. universelle XVII, 438—451 mit wesentlicher Ab-hängigkeit von Libri und Brassine. — C. Henry, Recherches sur les manu-scrits de Pierre de Fermat im Bullet. Boncompagni T XII. und XIII. — PaulTannery, Sur la date des principales decouvertes de Fermat im BulletinBarboux 2'- Serie T. VII (1883) und Les manuscrits de Fermat in den Annalesde la Faculte des Lettres de Bordeaux.