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Kapitel LXXI.
Briefesworten Fermats ersichtlich ist: „Ich schätze Herrn Desarguessehr, uiul zwar um so höher, als er allein der Erfinder seiner Kegel-schnitte ist. Sie sagen, das Büchelcheu gelte für kauderwälscli(Jargon). Mir erscheint es sehr verständlich und geistvoll.“ ■) De-sargues lebte seit 162(j etwa in Paris und wurde ein regelmässigerTheilnehmer an den Zusammenkünften geistig hochstehender Männer,welche es liebten, einander die Ergebnisse ihrer Forschungen mit-zutheilen, während dieselben noch im Gange waren, welche zugleichauf Reinheit und Schönheit des sprachlichen Ausdruckes hielten, undwelche so die Vorgänger der französchen Akademie wurden, vonwelcher man beinahe sagen möchte, Richelieu habe sie 1635 nichtsowohl gegründet als bestätigt. Wenigstens waren die ersten er-nannten Mitglieder lauter Persönlichkeiten, welche an jenen Zu-sammenkünften theilgenommen hatten. Nachdem die französischeAkademie ins Leben gerufen war, dauerten ungezwungene, wennauch regelmässige Vereinigungen von Mathematikern und Physikernweiter fort, bis 1666 sich abermals eine förmliche Gründung voll-zog, die der Academic des Sciences durch Colbert. In jener frühenZeit, von welcher wir gegenwärtig reden, bildete sich auf die er-wähnte Weise der Bekanntenkreis von Desargues. Pater Merseune,Roberval, der ältere Pascal, Carcavi, Bouillaud, Gassendigehörten dazu, lauter Persönlichkeiten, die uns mehr als nur einmalbegegnen werden. Auch Descartes lernte Desargues hier kennen,und sie wurden Freunde, als Desargues 1628 an der Belagerung vonLa Rochelle als Kriegsbaumeister theilnahm und Descartes hinreiste,um die grossartigen Arbeiten zu besehen. Zu seiner Lyoner Heimathhat Desargues auch von Paris aus enge Beziehungen unterhalten.So z. B. wurden, als 1646 das neue Rathhaus jener Stadt gebautwurde, die Risse an Desargues zur Begutachtung eingesaudt und vonihm nicht unwesentlich abgeändert. Um 1650 kehrte Desargues voll-ständig nach Lyon zurück und war dort noch als Baumeister tlmtig.Auch scheint er damals strebsame Handwerker an sich gezogen zuhaben, um ihnen Unterricht in denjenigen Abschnitten der Geometriezu ertheilen, welche beim Bauen sich als unerlässlich vordrängen.Perspektivisches Zeichnen und der Stein schnitt gehörenhierher, und auch schriftstellerisch hat Desargues sie bearbeitet. Seinerstes Buch von 1636 ist die Perspective; 1640 erschien ein Buchüber Steinschnitt, Perspektive und Herstellung von Sonnenuhren unterdem Titel Brouillon project iTcxemple d'une moniere universelle duS. Ct. I). L.-) touchant la practiquc du trait u preuves pour ln coupedes pierres en Turchitecture; et de Yesclaircissement d’une moniere de
') Fermat, Varia Opera mathematica pag. 173. 2 ) Abkürzung für Sieur
Girard Desargues Lyonais..