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Kapitel LXXV1I.
Der nächste Schriftsteller, den wir zu nennen haben, ist JohnVV allis. Er gab 1655 einen Tractatus de sectionibus conicis novamethodo expositis ') heraus, dessen neue Methode eben die der analy-tischen Geometrie ist, deren Yerbreitungskreis sich durch diese Ver-öffentlichung entschieden erweiterte. In Wallis ’ Schrift über Kegel-schnitte findet sich, was inan zuletzt dort suchen würde, das heutigeZeichen co für unendlich gross. 2 )
Die Zeitfolge führt uns wiederholt zur lateinischen Ausgabe derDescartes’schen Geometrie von 1659, welche, wie wir mehrfach er-innerten, auch Zuthaten anderer Verfasser enthielt. Wir haben alge-braisch Bemerkenswerthes daraus im vorigen Kapitel zu melden ge-habt; Algebra war ein schon etwas geläufigerer Gegenstand derBetrachtung. Neuer, ungewohnter war die analytische Geometrie,und wenn wir oben hervorhoben, die Erläuterer seien an der geo-metrischen Lösung von Gleichungen sammt den von Descartes be-gangenen Irrthümern ahnungslos vorbeigegangen, so gilt das Gleichevon den wichtigsten geometrischen Gedanken, welche wir zu be-wundern hatten. Die breiten Bettelsuppen der Notac breves vonFlorimond de Beaune, 3 ) des Commentarii von Franciscus vanSchooten 4 ) enthalten keinen einzigen Brocken, den man heraus-fischen könnte, aber, sind wir genöthigt hinzuzusetzen, ihre Leere istden Verfassern nicht allzuhoch anzurechnen; die grosse Menge, auchwenn die grosse Menge der Fachgelehrten allein unter dem Wortebegriffen ist, verstand die Feinheiten der Geometrie noch nicht. Etwasmehr als die beiden schon Genannten leistete Johann de Witt inseinen Elementa curvarum linearuni. 5 ) Dieselben zerfallen in zweiBücher. Dhs erste Buch lehrt die Kegelschnitte als Ort des Durch-schnittspunktes einer parallel verschobenen Geraden und des einenSchenkels eines um seinen Scheitelpunkt drehbaren Winkels kennenund steht daher, so interessant es für die Lehre von den Kegelschnittenist, zur analytischen Geometrie in nur sehr loser Beziehung. Das zweiteBuch dagegen ist eine elementare analytische Geometrie der Ebene.Die Gleichungen der geraden Linie, der einzelnen Kegelschnitte werdender Reihe nach vorgeführt. Möglicherweise waren die Kegelschnittevon Wallis nicht ohne Einfluss auf De Witt.
Eine wahrhaft reiche Ausbeute gewährten aber die analytisch-geometrischen Methoden nicht den Schriftstellern, welche auf ele-mentarem Boden verblieben, sondern nur denjenigen, welche sie zurGrundlage einer höheren Curvenlehre machten, indem sie zu Be-trachtungen sich aufschwangen, welche man sich gewöhnt hat, als in-finitesimale zu benennen.
') Abgedruckt in Johannis Wallis, Opera mathematica (Oxford Jfi99) 1,•291—354. *) Ebenda pag. 297: Esto oo nota numeri infiniti. 3 ) Descartes,
Geoin. I, 107—142. J ) Ebenda I, 147—344. 5 ) Ebenda II, 159—340.