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Kapitel LVI.
hübsche Zierleisten angebracht waren. Die Vereinbarung über dieseVeröffentlichung muss wohl unmittelbar vor Regiomontans Tode ge-troffen worden sein.
Regiomontan hat in seinem Briefe vom Februar 1464 zwei Männerals besonders zuverlässige Beobachter genannt, Toscanelli und Al-berti.') Toscanelli ist uns beiläufig als der Jugendfreund des Cu-sanus bekannt geworden. Wir müssen jetzt Alberti’s gedenken,wiewohl er als Baumeister fast nur in mittelbarer Beziehung zurGeschichte der Mathematik steht. Leone Battista Alberti hatallerdings eine kleine Schrift Piccolezze Matematiche verfasst, 2 ) inwelcher die Vorschrift enthalten ist, einen rechten Winkel durch Seil-spannung zu erhalten, indem man Stricke von den Längen 3, 4, 5mit einander vereinige; weniger genau werde der rechte Winkel, wennman die Längen 4, 5, 6 anwende. Aber diese dem grauesten Alter-thum angehörende Vorschrift und ähnliche Kleinigkeiten hätten dochnicht ausgereicht, Alberti das Lob zu verdienen, mit welchem einFlorentiner Dichter ihn, den Florentiner Baumeister, bedenkt:
Nec minor Euclide est Albertus, vincit et ipsumVitruvium. Quisquis celsas attolere mol esAffectat, nostri relegut monumenta Batistac.
Kleiner nicht ist als Euklid Albertus, als Sieger besteht erNeben Vitruv . Wer immer mit grossen Massen zu thun bat,
Lese und lese von Neuem, was unser Alberti zurücklieas.
Wahrscheinlich ist als das zurückgelassene Werk die Architecturagemeint, welche 1485 in Florenz gedruckt wurde, und von welcherschon vor der Drucklegung Lorenzo Ghiberti in seiner Chronik vonFlorenz rühmte, sie sei unvergleichlich. 3 ) „Eine Erfindung, so fährtGhiberti fort, die Alberti machte, ist wahrlich der Buchdruckerkunstau Nützlichkeit gleich zu achten. Er verfertigte nämlich ein In-strument, wodurch es möglich ist, allerlei Zeichnungen auf beliebigeWeise zu vergrössern und zu verkleinern.“ Die betreffende Vor-richtung ist in einer kleineren Schrift Alberti’s über Malerei, welcheer am 7. September 1435 vollendete, beschrieben. 4 ) Er nennt sieSchleier, velo. „Man nimmt einen ganz feinen, dünn gewebtenSchleier von beliebiger Farbe, welcher durch stärkere Fäden in einebeliebige Anzahl von Parallelogrammen getheilt ist. Diesen Schleierbringe ich nun zwischen das Auge und die gesehene Sache, so dassdie Sehpyramide in Folge der Dünnheit des Gewebes hindurch-zudringen vermag. Sicherlich gewährt Dir dieser Schleier nicht ge-
') Murr 1. c. pag . 148. In der Anmerkung zur gleichen Seite hat Murr dieVerse von Ugolino Verius zum Abdrucke gebracht, welche wir im Texte an-führen. ä ) Rossi, Groma e sguadro '.1877), pag. 105. 3 ) Aug. Hagen ,
Künstlergeschichten 2. Autlage (1861) I, 176. *) Quellenschriften für Kunst-
geschichte XI, 100. Vergl. auch Libri II, 274, Note 2.