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Kapitel LVII.
die Förderung geometrischen Denkens gehabt, was Paciuolo ausLeonardo's Practica Geometriae veröffentlichte. Den Zusammenhangaber von Algebra und Geometrie hat er nun gar in seinen 100 Auf-gaben zum allgemeinsten Bewusstsein gebracht. Nennen wir endlichdie Lehre von den Gleichungen selbst, deren Regeln in Verse ge-bracht dem Gedächtnisse leicht eiugeprägt werden konnten, derennoch nicht gelösten Fälle dem Leser besonders hervorgehoben wurden,deren Giltigkeitsbereich aber durch die sogenannten proportionalenFälle eine weite Grenzhinausschiebung erfuhr, so werden hierin Ver-dienste genug genannt sein, um unser erstes Urtheil über den, dersie sich erwarb, zu rechtfertigen.
Wir sagten (S. 282), Paciuolo habe 1508 in Venedig eine Aus-gabe des Euklid veranstaltet. Sie fällt dieser Jahreszahl nach eigent-lich in einen späteren Abschnitt unserer Darstellung. Alle Ueber-sichtlichkeit müsste jedoch verloren gehen, wenn wir in peinlichemFestklammern an den zufälligen Wechsel des Jahrhunderts dieLeistungen eines Mannes regelmässig ausein and erreissen wollten.Andererseits ist Paciuolo’s Euklidausgabe nicht zu beurtheilen, ohnevorher eine andere zu nennen, welche 1505 in Venedig im Druckeerschienen war, und welche wir also gleichfalls liier vorweg nehmenmüssen. Wir haben uns (S. 2GG) mit der Ratdolt’schen Euklid-ausgabe von 1482 beschäftigt, welche den dem Arabischen ent-stammenden Text und die Anmerkungen des Campanus enthielt. DieseAusgabe war wenig mehr als 10 Jahre alt, da gelaugte eine griechischeHandschrift der euklidischen Elemente mit Einschluss der sogenannteneuklidischen letzten stereometrischen Bücher, aber auch der Phäuo-mena und der verschiedenen optischen Schriften Euklid’s , sowie derDaten in den Besitz eines Venetianers, Bartholomaeus Zam-bertus, italienisch Zamberti genannt. * 1 ) Er übersetzte alle dieseSchriften in’s Lateinische und that dasselbe für den Commentardes Proklos zu den euklidischen Elementen. Letztere Uebersetzungist handschriftlich noch vorhanden. 2 ) Sie trägt die Bemerkung, siesei 1539 entstanden, als der Uebersetzer sein 6G. Lebensjahr vollendethatte. Darnach wäre Zamberti 1473 geboren und hätte die Euklid-übersetzung in der Mitte seiner zwanziger Jahre veranstaltet. Dasist Alles, was wir von seiner Persönlichkeit wissen. Wann er nämlichdie Euklidübersetzung anfertigte, wissen wir aus der Druckausgabe,welche am Ende die Jahreszahl 1505 trägt, während die Elementeschon im Jahre 1500 gedruckt waren, so dass der ganze Druck5 Jahre in Anspruch nahm, vielleicht in Folge kriegerischer Ereig-
’) Weissenborn, Die Uebersetzungen des Euklid durch Campano undZamberti S. 12—28. *) cod. lat. 6 der Münchener Bibliothek. Vergl. Fried -
1 ein’s Ausgabe des Commentars des Proklos (Leipzig 1873) in der Notarum
explicatio unter Z.