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88. Kapitel.
die Grammatik der Sprache erfunden werden sollte, welche bishernur empirisch in Gestalt einzelner Wortformen zur Kenntniss ge-kommen war, aber während die künftigen Lehrer noch zurückhielten,jeder derselben für sich im Geheimen sann und ersann, arbeitete undverarbeitete, waren andere Forscher nicht miissig die frühere Artder Untersuchung fortzusetzen, und über sie und ihre Leistungenmuss berichtet werden.
Wir beginnen mit Isaac Barrow '). Ein von ihm in den Jahren1664—1666 unter dem Titel Mathcmaticcie Icdiones verfasstes Werkwar von geringer Wirkung. Aus ihm dürfte etwa hervorzuhebensein, dass Barrow, ähnlich wie vor ihm Koberval (Bd. 11, S. SOI)sich dagegen verwahrte, als ob Ungleichartiges mit einander in Ver-gleich gebracht werden könne. Linien seien nicht aus Punkten,sondern nur wieder aus kleineren Linien, Flächen nicht aus Linien,sondern aus kleineren Flächen zusammengesetzt u. s. w. Ungleichbedeutender waren die Lcctiones opticae et yeometricae. welche 1669und 1670, dann in einer rasch nöthig gewordenen neuen Auflage1674 erschienen, erstmalig 2 ) also in dem Jahre, in welchem Barrowauf seine Professur in Cambridge zu Gunsten seines Schülers Newtonverzichtete (S. 10). Schon in der Vorrede zu den optischen Vor-lesungen, welche den Band eröffnen, erklärt Barrow, sein CollegeNewton, ein Mann von ungemein auserlesenem Geiste und bemerkens-wertker Erfahrung 3 ), habe das Buch durchgesehen und manche Ver-besserungen augeratkeu, manches auch aus dem Eigenen hinzugefügt,ln der Vorrede zu den geometrischen Vorlesungen, welche mit neubeginnender Seitenzählung nackfolgen, hat Barrow dann abermalsNewton zwar nicht gradezu genannt, aber doch hinlänglich deutlichbezeichnet, wenn er sagt, die letzte Vorlesung habe ihm ein Freund,sonst ein ehrenwerther Mann wie Einer, in derartigen Dingen aberein unbilliger Förderer, abgequält 4 ). Barrow selbst legte auf diegeometrischen Vorlesungen nur geringes Gewicht, oder gab sichwenigstens den Anschein solcher niedrigen Schätzung derselben. Ge-braucht er doch wieder in der Vorrede die Redewendung, diese Vor-lesungen sollten den optischen nur als Begleiter und gewissermassenals Zugabe, mantissa, dienen, denn in anderem Falle würde er kaumdaran gedacht haben, solchen Auskehricht, quisqitiliac, an das Sonnen-
') C. J. Gerhardt, Die Entdeckung der höheren Analysis (1855) S. 45—48.— H. Weissenborn, Die Principien der höheren Analysis (1856) S. 16—21und 73—77. — Rouse Ball, A short account of the history of mathematics(1888) S. 268—270. 2 ) Uns lag der Druck von 1674 vor. s ) pcregregiae vir
indulis ac insignis peritiae. 4 ) XJltimam amicus (vir sane cum primis probus, sedin hujusmodi negotiis ßagitator improbus) extorsit.