Vorwort.
In einer Töchterschule, so erzählt man sich, soll einst das Auf-satzthema „Gedanken bei Besteigung eines hohen Berges“ aufgegebenworden sein, und eine Schülerin wusste die Aufgabe am kürzestenund treffendsten zu lösen, indem sie nur den einen Satz niederschrieb:„Wäre ich oben!“ Ich kann nicht sagen, wie oft dieses Geschichtchenin meinem Kopfe als Selbsterlebniss umherspukte, wenn ich als An-fangsdatum auch nur das Jahr 1894 wähle, in welchem die ersteAbtheilung, oder das Jahr 1896, in welchem die zweite Abtheilungdieses dritten Bandes meiner Vorlesungen über Geschichte derMathematik ausgegeben wurde. Wäre ich oben, sehnte ich mich,und Anfragen von den verschiedensten Seiten, wann die Schluss-abtheilung erscheinen werde, verstärkten die Empfindung. Jetzt binich oben. Ich habe den Gipfelpunkt erreicht, welchen ich 1880, alsich den ersten Band in die Oeffentlichkeit schickte, als Endziel ge-nannt habe, und nachdem ich angelangt bin, geht es mir, wie es sovielen Reisenden in fremden Landen ergangen ist. Der Gipfel, denich unter grosser Anstrengung erklommen habe, erweist sich als Vor-berg, und hinter und über ihm bleiben neue hohe Spitzen zu er-reichen, neue und lohnende Ausblicke nach rückwärts wie nachvorwärts versprechend. Auch die bereits geschichtlich gewordeneEntwicklung der Mathematik ist mit dem Jahre 1758 nichts wenigerals abgeschlossen. Euler’s, Daniel Bernoulli’s, DAlembert’s spätereArbeiten, Lagrange, Lambert, Laplace, Legendre, Gauss, Monge,Carnot, um nur Schriftsteller allerersten Ranges zu nennen, gehörensicherlich schon der Geschichte an, und ein vierter und fünfter Bandmindestens kann zu den drei vollendeten Bänden hinzu treten, ohnedass man der Gegenwart so nahe käme, dass die Objectivität derErzählung Gefahr liefe.
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